Euripides Iphigenia in Aulis 303-542

ed. Gilbert Murray

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Iphigenia in Aulis. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

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Current edition Perseus

Ἰφιγένεια ἐν Αὐλίδι (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978))

Translations (3)
Iphigenia at Aulis Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 303-540 focus
Iphigenia in Aulis (OCR draft) Experimental (Iphigenia in Aulis. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 303 focus
Menelaos, Arges wagst du, was dir nicht geziemt.
295
Welch ein Lärm vor meiner Thure? Welch ein ungebührlich
Schrein?
Also schalt ich schon zuvor dich, als ich schwach zuvor dich fand.
Doch nachdem du kamst vor Aulis mit der Panhellenen Heer,
Warst du Nichts, unmännlich zitternd bei dem gottverhångten Loos,
Als die Wind' ungunstig wehten; alles Volk verlangte laut,
Heimzusegeln, nicht in Aulis sich vergebens abzumihn.
345
Wie verstört, wie klåglich blickte da dein Aug', als könnest du,
Tausend Schiffs anführend, Troja's Flur mit Krieg nicht überziehn!
ich? Wo?"
Und du riefst mich:,,Was beginnen? Welchen Ausweg find'
Daß du nicht, beraubt der Herrschaft, auch verlorst den schonen Ruhm.
Kalchas hieß dich, laut des Opfers, nun auf Artemis' Altar
350
Deine Tochter schlachten; „Fahrwind wehe dann:" du warst erfreut,
Und verhießest froh des Kindes Opferung, und schriebest gern,
Nicht gezwungen, (sage das nicht!) deinem Weib, die Tochter dir
Herzusenden, zur Vermählung mit Achilleus, gabst du vor.
Aber dann umkehrend schriebest du geheim den andern Brief; 4
355
Denn des Kindes Mörder willst du nimmer sein; du bist es, ja!
Diese Luft hier ist dieselbe, die den Schwur von dir vernahm.
Aber tausend Andern ging es, so wie dir: aus freier Wahl 5
Streben sie raſtlos nach Ehren, treten dann schmachvoll zuruck,
Oft durch blåden Wahn des Volkes fortgescheucht, oft auch mit Recht, 6
360
Weil, den Staat aufrecht zu halten, ihnen Kraft und Sinn gebricht.
Hellas nur, das schwerbedrängte, jammert mich am meisten, das
Wider Troja's machtig Volk zu hoher That sich angeschickt,
Jezt um dich und deine Tochter, ihm ein Spott, es ziehen låßt.
Keinen wählt' ich seines Vortheils wegen je zum Kriegesherrn,
365
Noch zum Landeshaupt; mit Einsicht sei der Heeresfürst begabt;
Denn im Staat zu herrschen taugt wohl Jeder, wenn Verstand ihm ward.
Wie schrecklich, wenn bei Brüdern Zank und Streit entbrennt,
Nachdem die Zwietracht unter sie getreten ist!
Milde denk' ich dich zu strafen, kurz, und nicht mit frecher
370
Stirn,
Noch in schamlos stolzen Lauten, nein, mit edler Måßigung;
Denn du bist mein Bruder; Scham auch liebt ein wohlgesinnter Mann.
Sage mir: was schnaubst du zornig, und das Auge blutigroth?
Wer verlezt dich? Was begehrst du? Dein vortrefflich Weib zuruck!
Ich vermag dir's nicht zu schaffen: die du hattest, hast du schlecht
375
Dir bewahrt: nun soll ich büßen, was nicht ich, was du gefehlt?
Oder quålt dich so mein Ehrgeiz? Nein, im Arme wunschest du
Nur ein schönes Weib zu haben, achtest nicht Vernunft und
Recht,
Hohnst die Zucht. Des schlechten Mannes Freuden sind gemeine Lust.
Wenn ich schlimm zuvor gewählt, und dann zum Bessern mich besann,
380
Ras ich darum? Eher du, der, eines schndden Weibes los,
Sie zurückzuführen trachtet, da's ein Gott dir wohl gefugt!
Liebentbrannte Freier schwuren unbedacht dem Tyndareus
Ihren Eid; sie trieb die Hoffnung, eine Göttin, mein' ich, wohl; 7
Sie hat dieses ausgerichtet, weder du noch deine Macht.
385
Nimm sie denn, zieh' aus mit ihnen; deine Thorheit bůßest du
Nicht verstandlos ist die Gottheit, und sie kennt die Schwure
wohl,
Dic, gewaltsam aufgedrungen, nicht auf festem Grunde ruhn
Meine Kinder werd' ich niemals morden, und dein eignes
Wohl
Wehrt es, daß du widerrechtlich Rache für die Schudde nimmst.
390
Aber ich verzehrt' in heißen Thrånen Tag' und Nachte mich,
Wenn ich ruchlos ungesezlich freveln wollt' am eignen Blut.
Hier vernahmst du meine Meinung, kurz und klar und leicht gefaßt;
Willst du nicht das Bessre wählen, ordn' ich doch das Meine wohl.
Von dem verschieden, was zuvor verheißen ward,
395
Klang dies, und wohl ihm, daß er nun des Kindes schont.
Wohl, Alter! Aber gehe nun in's Zelt hinein;
Das Andre fügt sich, wenn das Glück uns günstig ist. 11
(Der Bote geht ab.)
Was sag' ich Armer? Wo beginn' ich? Wehe mir! 12
435
In welche Neze, Schicksal, hast du mich verstrickt!
Mich überschlich ein Dämon, der, weit listiger,
Als meine Listen alle, mich belistete.
O Niedrigkeit, wie manchen Vortheil hast du doch!
Das Recht, sich auszuweinen, wird dir leicht gegönnt,
440
Und Alles frei zu sagen; doch den edlen Stand
Drückt dieses Ungluck: immer will der Sitte Zwang
Sein Leben regeln, und dem Volke fröhnen wir.
Ich scheue mich, zu weinen eine Thrane nur,
Und nicht zu weinen wieder scheu' ich Armer mich,
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Nachdem das schwerste Misgeschick mich heimgesucht.
Was sag' ich meinem Weibe doch? Wie soll ich ihr 13
Entgegentreten? Wie begegn' ich ihrem Blick?
Denn sie vollendet unser Leid, vernichtet mich,
Kommt ungerufen! Schicklich zwar geleitet sie
450
Ihr Kind zur Hochzeitseier, um ihr Theuerstes
Zu geben, wo sie falschgesinnt uns finden wird.
Und dann der unglücksvollen Braut, was sag' ich Braut?
Der Hades, ahnt mir, wird sie bald als Braut umfahn! -
Wie jammert ihr mich! Also hor' ich diese flehn:
455
Mein Vater, du mich todten? Daß du selbst und wer
Dir theuer ist, ein solches Brautfest feiertest!
Orestes, nahestehend, wird aufschrein zugleich,
Verständlich Unverständliches, als ein kleines Kind.
Ha, wie verdarb mich Helena's Ehbund mit ihm,
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Dem Priamiden Paris, der mir das gethan!
Mein Bruder, laß mich deine Recht' ergreifen!
Ich lobe dich, Menelaos, daß du wider mein
Verhoffen wacker sprachest, wie's dein würdig ist.
500