Euripides Iphigenia in Aulis 303-540

Edward P. Coleridge (Translator)

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Iphigenia in Aulis. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1891.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Iphigenia at Aulis (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.))

Editions (1)
Ἰφιγένεια ἐν Αὐλίδι Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978)) — 303-542 focus
Translations (2)
Iphigenia in Aulis (OCR draft) Experimental (Iphigenia in Aulis. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 303 focus
Menelaos, Arges wagst du, was dir nicht geziemt.
295
Welch ein Lärm vor meiner Thure? Welch ein ungebührlich
Schrein?
Also schalt ich schon zuvor dich, als ich schwach zuvor dich fand.
Doch nachdem du kamst vor Aulis mit der Panhellenen Heer,
Warst du Nichts, unmännlich zitternd bei dem gottverhångten Loos,
Als die Wind' ungunstig wehten; alles Volk verlangte laut,
Heimzusegeln, nicht in Aulis sich vergebens abzumihn.
345
Wie verstört, wie klåglich blickte da dein Aug', als könnest du,
Tausend Schiffs anführend, Troja's Flur mit Krieg nicht überziehn!
ich? Wo?"
Und du riefst mich:,,Was beginnen? Welchen Ausweg find'
Daß du nicht, beraubt der Herrschaft, auch verlorst den schonen Ruhm.
Kalchas hieß dich, laut des Opfers, nun auf Artemis' Altar
350
Deine Tochter schlachten; „Fahrwind wehe dann:" du warst erfreut,
Und verhießest froh des Kindes Opferung, und schriebest gern,
Nicht gezwungen, (sage das nicht!) deinem Weib, die Tochter dir
Herzusenden, zur Vermählung mit Achilleus, gabst du vor.
Aber dann umkehrend schriebest du geheim den andern Brief; 4
355
Denn des Kindes Mörder willst du nimmer sein; du bist es, ja!
Diese Luft hier ist dieselbe, die den Schwur von dir vernahm.
Aber tausend Andern ging es, so wie dir: aus freier Wahl 5
Streben sie raſtlos nach Ehren, treten dann schmachvoll zuruck,
Oft durch blåden Wahn des Volkes fortgescheucht, oft auch mit Recht, 6
360
Weil, den Staat aufrecht zu halten, ihnen Kraft und Sinn gebricht.
Hellas nur, das schwerbedrängte, jammert mich am meisten, das
Wider Troja's machtig Volk zu hoher That sich angeschickt,
Jezt um dich und deine Tochter, ihm ein Spott, es ziehen låßt.
Keinen wählt' ich seines Vortheils wegen je zum Kriegesherrn,
365
Noch zum Landeshaupt; mit Einsicht sei der Heeresfürst begabt;
Denn im Staat zu herrschen taugt wohl Jeder, wenn Verstand ihm ward.
Wie schrecklich, wenn bei Brüdern Zank und Streit entbrennt,
Nachdem die Zwietracht unter sie getreten ist!
Milde denk' ich dich zu strafen, kurz, und nicht mit frecher
370
Stirn,
Noch in schamlos stolzen Lauten, nein, mit edler Måßigung;
Denn du bist mein Bruder; Scham auch liebt ein wohlgesinnter Mann.
Sage mir: was schnaubst du zornig, und das Auge blutigroth?
Wer verlezt dich? Was begehrst du? Dein vortrefflich Weib zuruck!
Ich vermag dir's nicht zu schaffen: die du hattest, hast du schlecht
375
Dir bewahrt: nun soll ich büßen, was nicht ich, was du gefehlt?
Oder quålt dich so mein Ehrgeiz? Nein, im Arme wunschest du
Nur ein schönes Weib zu haben, achtest nicht Vernunft und
Recht,
Hohnst die Zucht. Des schlechten Mannes Freuden sind gemeine Lust.
Wenn ich schlimm zuvor gewählt, und dann zum Bessern mich besann,
380
Ras ich darum? Eher du, der, eines schndden Weibes los,
Sie zurückzuführen trachtet, da's ein Gott dir wohl gefugt!
Liebentbrannte Freier schwuren unbedacht dem Tyndareus
Ihren Eid; sie trieb die Hoffnung, eine Göttin, mein' ich, wohl; 7
Sie hat dieses ausgerichtet, weder du noch deine Macht.
385
Nimm sie denn, zieh' aus mit ihnen; deine Thorheit bůßest du
Nicht verstandlos ist die Gottheit, und sie kennt die Schwure
wohl,
Dic, gewaltsam aufgedrungen, nicht auf festem Grunde ruhn
Meine Kinder werd' ich niemals morden, und dein eignes
Wohl
Wehrt es, daß du widerrechtlich Rache für die Schudde nimmst.
390
Aber ich verzehrt' in heißen Thrånen Tag' und Nachte mich,
Wenn ich ruchlos ungesezlich freveln wollt' am eignen Blut.
Hier vernahmst du meine Meinung, kurz und klar und leicht gefaßt;
Willst du nicht das Bessre wählen, ordn' ich doch das Meine wohl.
Von dem verschieden, was zuvor verheißen ward,
395
Klang dies, und wohl ihm, daß er nun des Kindes schont.
Wohl, Alter! Aber gehe nun in's Zelt hinein;
Das Andre fügt sich, wenn das Glück uns günstig ist. 11
(Der Bote geht ab.)
Was sag' ich Armer? Wo beginn' ich? Wehe mir! 12
435
In welche Neze, Schicksal, hast du mich verstrickt!
Mich überschlich ein Dämon, der, weit listiger,
Als meine Listen alle, mich belistete.
O Niedrigkeit, wie manchen Vortheil hast du doch!
Das Recht, sich auszuweinen, wird dir leicht gegönnt,
440
Und Alles frei zu sagen; doch den edlen Stand
Drückt dieses Ungluck: immer will der Sitte Zwang
Sein Leben regeln, und dem Volke fröhnen wir.
Ich scheue mich, zu weinen eine Thrane nur,
Und nicht zu weinen wieder scheu' ich Armer mich,
445
Nachdem das schwerste Misgeschick mich heimgesucht.
Was sag' ich meinem Weibe doch? Wie soll ich ihr 13
Entgegentreten? Wie begegn' ich ihrem Blick?
Denn sie vollendet unser Leid, vernichtet mich,
Kommt ungerufen! Schicklich zwar geleitet sie
450
Ihr Kind zur Hochzeitseier, um ihr Theuerstes
Zu geben, wo sie falschgesinnt uns finden wird.
Und dann der unglücksvollen Braut, was sag' ich Braut?
Der Hades, ahnt mir, wird sie bald als Braut umfahn! -
Wie jammert ihr mich! Also hor' ich diese flehn:
455
Mein Vater, du mich todten? Daß du selbst und wer
Dir theuer ist, ein solches Brautfest feiertest!
Orestes, nahestehend, wird aufschrein zugleich,
Verständlich Unverständliches, als ein kleines Kind.
Ha, wie verdarb mich Helena's Ehbund mit ihm,
460
Dem Priamiden Paris, der mir das gethan!
Mein Bruder, laß mich deine Recht' ergreifen!
Ich lobe dich, Menelaos, daß du wider mein
Verhoffen wacker sprachest, wie's dein würdig ist.
500

Notes on the current edition

Iphigenia in Aulis

1. The point lies in the play on the name Ἀτρεύς, i.e., the fearless, shall I the son of fearlessness, fear, etc.?
2. Reading εὖ κεκόμψευσαι πονηρά with Ruhnken and Monk.
3. Reading οὔτε κατατενῶ with Hermann.
4. Reading ἧλθες with Monk.
5. Nauck, following Dindorf’s suggestion, regards 11. 351 and 354-5 as interpolations, foisted in to supply gaps in the MSS., and he therefore omits them, marking a lacuna after 1. 353.
6. Line 359 is regarded by Nauck as spurious.
7. μάλιστά γε. L. Dindorf proposed κάλλιστά γε, ironical very fine! Both this and the previous line are omitted in Nauck’s text as spurious.
8. This line was thus transposed by Paley from its usual position after l. 365.
9. There is some corruption in this line; perhaps Monk’s μηδέν᾽ οὖν γένους ἕκατι (Nauck ἄρα for οὔν), supplies the required sense best.
10. Following Hermann’s punctuation. Monk retains the stop after πόλεος, the head of the state must have sense; for every man, if so gifted, is a ruler. Hennig condemns l. 374.
11. Paley follows Markland in reading αὖ for MSS. εὖ.
12. Reading ἧγε δ᾽ with Matthiae for MSS. ἡ δέ γ᾽.
13. Paley adopts Monk’s ἔτομοι δ᾽ εἰσὶ for γ᾽ οἶμαι δ᾽ εἴσῃ, but follows Dindorf’s punctuation in not making these words parenthetical. Hermann gives ἐγῷμαι, μωρίαν εἴσῃ φρενῶν, thou wilt find out their folly, I expect.
14. In this difficult and much emended passage Lenting’s κοὐ for καὶ Reiske’s παρὰ δίκης, and τιμωρίᾳ, dat. for nom., are the readings followed.
15. Lines 413-41 are regarded by Kirchhoff as the work of a much later age. Nauck incloses them in brackets, but Paley, Monk, and Hermann agree in retaining them as probably genuine.
16. Reading ὥς τι τερφθείης with Hermann for ὥστε; if ὥστε is retained the meaning apparently is therefore, mayst thou rejoice at seeing him, involving rather an awkward parenthesis.
17. τε was added by Hermann, because Menelaus could only be invited to take part in the ceremony as an assistant, all important duties devolving on the bride’s parents.
18. The meaning seems to be that though both classes have the same sorrows, the high-born are prevented by their sense of dignity from giving way to any outward expression of them for their relief. In 1. 450 ὄγκον, the reading restored from Plutarch, is followed rather than the old δῆμον.
19. Reading εἶμι of MSS. Kirchhoff proposed εἰμί, i.e., I share thy views.
20. Lines 508-10 are rejected by most editors as an interpolation; omitting them, Agamemnon’s speech goes on naturally at 1. 511. Hernann, retaining them, replaces γε by δὲ and continues them to Agamemnon.