Euripides Bacchae 170-369

ed. Gilbert Murray

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Bacchae. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

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Current edition Perseus

Βάκχαι (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978))

Translations (3)
The Bacchae Perseus (Euripides. The Tragedies of Euripides. Vol. I. Buckley, Theodore Alois, translator. London: Henry G. Bohn, 1850. (Modernized by Perseus.)) — 170-365 focus
The Bacchae (OCR draft) Experimental (The Bacchae. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 170 focus
Wer ist am Thore, daß er ruft im Königshaus
Den Sohn Agenors, Kadmos, der die Sidonstadt
130
Verließ, und diese Theberburg emporgethurmt?
Geh' Einer, ihm zu melden, daß Teiresias
Ihn suche; selber weiß er ja, weshalb ich kam,
Und was ich Alter schon mit ihm, dem Greis, besprach:
Den Thyrsosstab zu nehmen und der Hindin Fell,
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Mit vollem Epheulaube dicht umkränzt das Haupt.
(aus dem Palaste vortretend)
Ich war von diesem Lande fern, und höre nun
Die neuen Frevel, die geschehn in dieser Stadt:
175
Daß unsre Fraun dem falschen Bacchosfeste nach
Das Haus verließen, und die Waldgebirg' in Wuth
Durchschwarmen und mit Reigen ihn, den neuen Gott
Dionysos, (wer er immer sei) verherrlichen.
Die vollen Trinkpokale stehn in der Mitte da;
180
Und Eine hupft hier, Andre dort in odes Thal,
Sich bergend, um mit Buhlern sich der Lust zu weihn;
Sie heucheln, Bacchen wåren sie, Begeisterte,
Doch Aphroditen ziehn sie vor dem Bacchios.
So viel ich ihrer haschte, schlug der Diener Arm
185
Sofort in Fesseln und bewahrt im Kerker sie.
Doch, die geslohn sind, werd' ich bald im Gebirge fahn,
Ino'n, Agave'n, die dem Echion mich gebar,
Und dich, Aktions Zeugerin, Autonoë;
Und wann ich sie mit Eisenfesseln band, sogleich
190
Wird dies verruchte Bacchosspiel am Ende sein.
Auch heißt es, daß ein Fremdling hier erschienen sei,
Ein Zauberer, ein Beschwörer aus dem Lyderland,
Mit blonden krausen Locken wohlgeschmückt das Haar,
Mit schwarzer Augen dunklem Glanz, Aphrodite's Lust,
195
Der immer, Tag' und Nächte lang, mit ihnen ist,
Und diese frechen Bacchosweihn den Frauen preist.
Ergreif ich diesen innerhalb des Hauses hier,
So werd' ich bald sein Thyrsosstampfen endigen,
Sein Lockenschutteln, trenn' ich ihm den Hals vom Rumpf.
200
Und der behauptet, daß ein Gott Dionysos sei;
Der prahlt, in seine Hüften hab' ihn Zeus gendht,
Ihn, den des Blizes Flammen samt der Mutter doch
Verzehrten, weil sie falsch gerühmt den Götterbund!
War solches nicht des grauenvollen Stranges werth,
205
Den Hohn zu wagen, wer der Fremdling immer sei?
Doch sieh, das andre Wunder! Sieh den Seher dort,
Teiresias, in des Hirsches buntgeflecktem Fell,
Und meiner Mutter Vater hier (wie lächerlich!)
Verzückt den Hohlstab schwingend! Wie beschämt es mich,
210
Mein Vater, euer Alter so verrückt zu sehn!
Wirfst du den Epheu nicht hinweg? Läßt deine Hand,
O meiner Mutter Vater, nicht den Thyrsosstab?
Du, Greis, verführtest ihn dazu; wohl möchtest du 4
Den neuen Gott einführen bei den Sterblichen;
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Nach Vögeln spåhe, nimm der Flammenzeichen Lohn! 5
Wenn dein ergrautes Alter dich nicht rettete;
Du såßest unter den Bacchen angefesselt wohl,
Ruchlose Fest' einführend; denn ein weiser Dienst
Der Götter ist es nimmermehr, behaupten wir,
220
Wo Fraun bei'm Mahle sich erfreun der Traubenlust.
Wann schönen Stoff zu reden fand ein weiser Mann,
225
Dann ist es ihm nichts Schweres, wohlberedt zu sein.
Dir ist der Mund geläufig, wie dem Klugen, wohl;
Doch wohnt in deinen Neden nicht der kluge Sinn.
Ein kühn verwegner König, der zu reden weiß, 6
Bringt seinem Volk Verderben, wenn der Geist ihm fehlt.
230
Doch dieser Gott, der neue, welchen du verhöhnst,
Ich kann es nicht beschreiben, wie groß seine Macht
In Hellas sein wird. Zweierlei verehrt der Mensch
Vor Allem, Kind: Demeter (diese Göttin ist
Die Mutter Erde; nenne sie, wie dir's gefällt,
235
Mit welchem beider Namen du sie nennen willst;
Sie nåhrt mit trocknen Gaben auf die Sterblichen;)
Und diesen Bacchos, der mit ihr zum Kampfe kam:
Der süßen Traube nassen Trank erfand er, gab
Den Menschen, was die jammervollen Sterblichen
240
Erlöst vom Harme, wann sie voll des Weines sind,
Und was den Schlaf, Vergessen ihrer täglichen
Mühsale, bringt und einzig allen Kummer heilt.
Er wird gespendet Göttern auch, der Gottessohn,
Daß so durch ihn den Menschen alles Gute kommt.
245
Und ihn verlachst du, daß ihn Zeus in die Hüfte sich
Genåht! Ich zeige, wie sich das ganz wohl verhält.
Als ihn Kronion aus der Wetterflamm' entrafft,
Und in den Olympos eingeführt das junge Kind;
Da wollt' ihn Hera werfen aus des Himmels Höhn;
250
Doch Zeus, als Gott, ersann dagegen diese List.
Er riß ein Theil des Aethers, der das Erdenrund
Umsäuselt, ab, und schus es in Dionysos um,
Des Gottes Bild ihm leihend, gab's an Here dann
Zum Unterpfande, daß sie nicht mehr hadere.
255
Weil Bacchos Heren also war zum Pfand geliehn,
So kam die Sage später auf, man dichtete, 7
Ihn habe Zeus in seiner Hüfte großgenährt.
Auch Seher ist Dionysos; denn die Bacchoswuth,
Der trunkne Wahnsinn trågt in sich die Seherkunst.
260
Denn wessen Glieder ganz erfüllt des Gottes Geist,
Den macht er rasen, daß er spricht das Kunstige.
Er eignet' auch von Ares einen Theil sich zu ;
Denn wann ein Heer in Waffen kampfgerüstet steht,
Schreckt Furcht es auseinander, eh's die Lanze hob:
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Auch dieses ist ein Rasen, das Dionysos schafft.
Ihn wirst du noch auf Delpherfelsen auch dereinst
Im Fackelglanze springen sehn, wann frohen Schwungs
Parnassos' Doppelhdhen trifft sein Thyrsosstab,
Ihn groß in Hellas. Drum, o Pentheus, folge mir:
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O prahle nicht, der Menschen Höchstes sei die Macht,
Noch, wenn du das wåhnst, aber dich dein Wahn betrügt,
Erachte dich für weise. Nimm den Gott in's Land,
Bring' Opferspenden, jauchze laut, und kränze dich.
Dionysos wird die Frauen niemals nothigen
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Zu Raserein der Kypris; nein, in ihrer Brust
Wohnt weiser Sinn für alle Dinge jederzeit.
Das, Sohn, bedenke; denn in Bacchos' Dienste selbst
Entartet nicht ein zachtig weiser Frauensinn.
Du weißt, es freut dich, wann sie stehn an deinem Thor
280
Zahlreich, und Pentheus' Namen hoch die Stadt erhebt:
Auch jenen, mein' ich, freut es, wenn man ihn verehrt.
Ich denn und Kadmos, den du hohnst, wir wollen uns
Das Haupt mit Epheu kränzen und zum Tanze ziehn,
Ein Paar in grauen Haaren; dennoch tanzen wir,
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Und ich bekämpfe nicht den Gott, durch dich verführt.
Dein Rasen ist höchst traurig; kein Heilmittel kann
Dich retten, noch wird ohne das dein Geist gesund. 8
Nicht rühr' an mich hier; gehe hin zum Bacchosfest,
Doch hänge mir nicht deiner Thorheit Makel an!
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Den aber, der dich solchen Unverstand gelehrt,
Will ich bestrafen. Einer geh' und saume nicht,
Und kam er dorthin, wo der Mann die Vögel fragt,
So stoß' er Alles auf den Grund mit Hebeln aus,
Und stirze nieder Alles und zerschmettere !
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Die Seherbinden streut hinaus in Sturm und Wind!
Denn also thuend, schaff ich ihm das größte Leid.
Ihr, durch die Stadt hingehend, spåht den Fremdling aus,
Den weiberhaften, der die Fraun in den neuen Wahn
Einführt und unsrer Ehen keusches Glück entweiht!
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Und wenn ihr ihn gefangen, führt gefesselt ihn
Hierher, damit ihn treffe Tod durch Steinigung;
So wird er bittre Bacchossest' in Thebe sehn!
(eilt ab.)