Mitleid erwecken deine Reden mir, o Frau,
895
Mitleid du selber; aber von Menelaos auch
Zu hören wunsch' ich, was er für sein Leben sagt.
Menelaos.
Ich kann vor dir nicht niederfallen, nicht vor dir
Mein Aug' in Thränen baden; denn ich schåndete,
So feigen Sinnes, meinen Ruhm im Troerland.
900
Wohl sagen sie, dem edlen Manne steh' es schon,
Wenn ihm das Unglück Thränen aus dem Auge lockt;
Doch wahl ich niemals diesen Ruhm, ist's anders Ruhm,
Anstatt des Edelsinnes, der mich sonst erfüllt.
Gefällt es dir, zu retten einen fremden Mann,
905
Der, wie's gerecht war, sein Gemahl zu fordern kam,
So gib sie, rett' uns beide; wenn dir's nicht gefällt,
So war' ich heute nicht zuerst, nein, ofter schon
Elend gewesen, du erschienst als hartes Weib.
Was meiner werth ist, was ich recht und billig fand,
910
Und was vor Allem dein Gemuth ergreifen wird,
Am Grabe deines Vaters hier erklär' ich es.
,,Du, der in diesem Marmormale wohnt, o Greis,
Gib, gib, ich fordre mein Gemahl von dir zurücď,
Die Zeus hieher dir sandte, sie zu retten mir.
915
Du gibst sie mir nicht wieder, denn du bist ja todt;
Doch diese wird nicht wollen, daß der hohe Ruhm
Des Vaters, den ich jekt aus Nacht zum Lichte rief,
Geschåndet werde; steht es doch in ihrer Macht."
Helen. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .