So weißt du wohl auch, welche Heirat mich bedroht?
Menelaos.
Wohl; aber ob du sie geslohn, das weiß ich nicht.
745
Helena.
So wisse, daß ich lautre Liebe dir bewahrt.
Menelaos.
Wer bürgt mir hiefur? Sprichst du wahr, welch süßer Trost!
Helena.
Du siehst am Grabmal meinen unglücksel'gen Siz?
Menelaos.
Rohrkissen seh' ich; wie bedarfst du dieser nur?
Helena.
Da flehn wir, uns zu retten aus des Fremdlings Hand.
750
Menelaos.
Gebrach ein Altar? Oder ist's hier also Brauch?
(auf das Grabmal deutend)
Helena.
Wie Tempel hoher Götter, gab uns dieses Schuz.
Menelaos.
Heimwårts mit dir zu schiffen, ist mir denn verwehrt?
Helena.
Dein harrt der Mordstahl eher, Freund, als mein Besiz.
Menelaos.
So war' ich aller Menschen unglückseligster.
755
Helena.
Bedenke dich nicht långer; flieh' aus diesem Land.
Menelaos.
Ich dich verlassen? Troja stürzt' ich dir zulieb.
Helena.
Doch besser, als wenn mein Besiz dich tödtete.
Menelaos.
Unmännlich ja, nicht würdig Troja's wäre das.
Helena.
Du tödtest nicht den König; denn das willst du wohl.
1
760
Menelaos.
So trifft das Eisen seinen Körper nicht?
Helena.
Du wirst's
Erfahren; Weise wagen nichts Unmögliches.
Menelaos.
Still bot' ich also meinen Arm der Fessel dar?
Helena.
Du bist verlegen; hier bedarf es einer List.
Menelaos.
Des Tapfern Tod ist süßer, als des trågen Manns.
765
Helena.
Eins gibt mir Hoffnung, was allein uns retten kann.
Menelaos.
Gold oder Eisen, oder ist's der Rede Kunst?
Helena.
Wenn mein Gebieter, daß du.kamst, nicht inne wird.
Menelaos.
Wer wird es ihm verrathen? Niemand kennt mich ja.
Helena.
Er hat daheim die göttergleiche Helferin.
770
Menelaos.
Ein Orakel, das in seines Hauses Tiefen wohnt?
Helena.
Nein, seine Schwester; diese heißt Theonoë.
Menelaos.
Prophetisch klingt ihr Name: sprich, was kann sie thun?
Helena.
Dem Bruder dich entdecken; ihr ist Alles kund.
Menelaos.
So sterb' ich; denn verborgen bleiben kann ich nicht.
775
Helena.
Wenn wir durch unsre Bitten sie beredeten
Menelaos.
Zu welcher That? Welch eine Hoffnung zeigst du mir?
Helena.
Dem Bruder nicht zu sagen, daß du hier verweilst.
Menelaos.
Und wenn's gelånge, flohn wir dann zum Land hinaus?
Helena.
Vereint mit ihr, leicht; aber heimlich nimmermehr.
780
Menelaos.
Da siehe du zu; denn zum Weibe stimmt das Weib.
Helena.
Nicht unberührt von meinen Hånden bleibt ihr Knie.
Menelaos.
Helen. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .