Wohlan, o Greis! Viel Mühen hast du, neben mir
Im Kampfe stehend, ausgeduldet mir zulieb;
Und jezo nimm auch deinen Theil an meinem Glück.
Geh hin und melde, was du sahst, den Freunden, die
Zurickgeblieben, melde, was mit uns geschah,
690
Und heiß' am Strand sie bleiben, daß sie meinen Kampf
Abwarten dort, der, wie wir ahnen, unser harrt,
Und spåhen, wie wir unverlezt aus diesem Land
Heimsegeln, daß wir, frohvereint zu gleichem Gluck,
Dem wilden Volk entfliehen, wenn's uns möglich ist.
695
Der Bote.
So sei's, o König! Aber, traun, Weissagungen
Sind eitel alle, seh' ich, und der Lügen voll.
Nichts also magst du lernen aus der Flamme Glut,
Nichts aus der Vogel Gauten. Thorheit ist es, nur
zu wähnen, Vögel schafften Rath den Sterblichen.
700
Nie sagte Kalchas, oder riefs dem Heere zu:
„Für eine Wolke sterben seh' ich Hellas' Volk."
Nie wahrlich! Fruchtlos ward die Troërstadt zerstört.
Du sagst: er schwieg wohl, weil der Gott es ihm gebot.
Was fragt ihr dann die Seher? Fleht die Götter an
705
Um Heil und opfert, doch die Kunst der Seher laßt!
Denn diese ward als eitler Köder nur erdacht,
Und durch der Flamme Zeichen ward kein Träger reich:
Der beste Scher ist der Geist, ist kluger Sinn.
Chor.
Helen. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .