Menelaos, lange suchend find' ich kaum dich hier;
Ich irrte rings durch diese fremden Gaun, gesandt
Von deinen Freunden, die du dort verlassen hast.
Menelaos.
Was ist geschehen? Raubten euch Barbaren aus?
555
Der Bote.
Ein Wunder, dessen Größe nie das Wort erreicht.
1
Menelaos.
Sprich! Etwas Neues bringst du, deiner Eile nach.
Der Bote.
Umsonst ertrugst du tausendfaches Misgeschick.
Menelaos.
Um alte Leiden klagst du: was begab sich sonst?
Der Bote.
Hinaus, in Aethershdhen unsichtbar entrückt,
560
Schwand deine Gattin, und der Himmel birgt sie nun,
Nachdem sie jene Grotte, wo wir sie bewahrt,
Verlassen, also sprechend: „Armes Phrygervolk
Und Volk Achaa's, meinethalb, durch Here's Trug,
Starbt ihr im Feld des Skamandros, wähnend, Helenen
565
Besize Troja's Paris, der sie nicht besaß.
Ich, nun ich so lang harrte, wie vom Schicksal mir
Vorherbestimmt war, kehre nun zum Himmel heim,
Zu meinem Vater. Böser Ruf hat Tyndareus'
Schuldloses Kind getroffen, die doch Nichts verbrach."
570
(Er erblickt Helenen, die vom Grabmale her sich nähert.)
O Heil dir, Leda's Tochter! Also warst du hier?
Und ich verkunde, daß du dich zu Sternenhöhn
Erhoben, ganz unwissend, daß dir Fittige
Verliehen sind! Uns sollst du fortan nimmermehr
Verspotten, daß du deinem Herrn vor Ilion
575
Und seinen Freunden Müh'n umsonst bereitetest!
2
Menelaos.
Dies war es also! Was sie sagt, ist wahr und stimmt
Zu dieses Mannes Worten. Långst ersehnter Tag,
Der dich, Geliebte, wiederbringt in meinen Arm!
Helena.
Helen. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .