Du kehrst so spåt in deiner Gattin Arm zurück!
1
Menelaos.
Welch einer Gattin? Rühre nicht an mein Gewand.
Helena.
Die dir mein Vater anvermählt, Tyndareos.
Menelaos.
Lichtgottin, send' uns holde Bilder, Hekate!
Helena.
Kein Nachtgebild der Wegegöttin siehst du hier.
525
Menelaos.
Doch zweier Frauen Gatte bin ich Einer nicht.
Helena.
Welch andre Gattin hast du dir denn angetraut?
Menelaos.
Sie birgt die Felskluft, und von Troja bring' ich sie.
Helena.
Kein andres Ehweib hast du, Freund, als mich allein.
Menelaos.
Bin ich bei Sinnen, oder ist mein Auge krank?
530
Helena.
So glaubst du, mich erblickend, nicht dein Weib zu sehn?
Menelaos.
Gleich ist das Aussehn; doch die Meine bist du nicht.
2
Helena.
Was fehlte? Sieh nur! Bist du doch der klugste Mann.
Menelaos.
Du bist ihr ähnlich; nimmermehr bestreit' ich das.
Helena.
Wer anders kann dich lehren, als dein eigner Blick?
535
Menelaos.
Dies macht mich stuzen, daß ich hab' ein andres Weib.
Helena.
Nach Troas kam ich nicht; es war ein Schattenbild.
Menelaos.
Und wer erschafft Gestalten, die lebendig sind?
3
Helena.
Der Aether, der ein gotterschaffnes Weib dir gab.
Menelaos.
Von welchem Gotte? Denn du sagst Unglaubliches.
4
540
Helena.
Daß Paris uns nicht raube, schus es Here's List.
Menelaos.
Wie warst du hier denn und zugleich in Ilion?
Helena.
Die Namen sind an manchem Ort, die Körper nicht.
Menelaos.
Laß mich! Des Ungemaches trag' ich schon genug.
Helena.
Uns willst du lassen, und entführst das leere Bild?
545
Menelaos.
Und Heil dir, daß du Helenen so ähnlich bist!
Helena.
Ich Arme! Den ich wieder fand, mein Gatte flieht!
Menelaos.
Dem dort Erlittnen glaub' ich wohl, dir glaub' ich nicht.
Helena.
Weh mir!
Wo lebt ein Weib auf Erden, ungluckseliger?
Die Liebsten fliehn, verlassen mich; zu Hellas' Volk,
550
In meine Heimat kehr' ich nimmermehr zurück.
Ein Bote eilt herbei. Die Vorigen.
Der Bote.
Helen. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .