Euripides Helen 253-1106

ed. Gilbert Murray

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Helen. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Ἑλένη (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978))

Translations (3)
Helen Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906. (Modernized by Perseus.)) — 253-1105 focus
Helen (OCR draft) Experimental (Helen. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 253 focus
Du leidest hart, ich weiß es; doch wohl frommt es dir,
Harmlos zu tragen, was die Noth des Lebens bringt.
Was also leb' ich? Welches Loos erwart' ich noch?
Erwåhl' ich, solches Ungemach zu fliehn, die Hand
Des fremden Mannes, seze mich in seinem Haus
An reiche Tafeln? Aber wenn das eigne Weib
265
Den Gatten hast, ist auch das Leben ihr verhaßt.
Zu sterben, ist das Beste. Doch wie sterb' ich schon?
Wohl ist es Schmach, mit hochgewundnem Strange sich
Den Tod zu geben, ziemt sogar bei Sklaven nicht;
Durch's Schwert zu sterben, ist allein ehrvoll und schön,
270
Mit Eines Pulses kurzem Schlag erscheint der Tod. 1
In solcher Leiden tiefes Meer versanken wir.
Wohl hat die Schonheit andern Fraun ein glucklich Loos
Errungen; uns bereitet' eben sie den Tod.
Ich folge, Freundin, deinem Rath.
Gehet, geht in's Haus, vernehmet dort die Leidenskämpfe,
300
Die mein Schicksal mir bestimmt!
Unselige Stadt der Troër,
umblüht!
Durch Frevelthat sinkst du, Schweres littest du!
Kypris schuf durch meine Gaben vieles Blut und viele
325
Thränen,
Daß du Gram zu Grame, Leid zu Leid empfingst!
Mütter weinten um der Söhne Tod,
Und die Jungfraun, Schwestern edler Todten, schoren sich
Am phrygischen Strome Skamandros.
das Haar
Geschrei, Geschrei erhob Hellas, und klagte
330
In lautem Jammer;
An ihr Haupt die Hånde legend, fårbte sie mit blutigen
Schlägen zarte Wangen roth.
O glückselige Tochter Arkadia's, die du Kronions
Lager vordem viersüßig bestiegst, o Kallisto,
335
Wie weit glucklicher warst du, denn Leda,
Daß in den zottigen Gliedern des Waldthiers
Du mit dem grimmigen Blicke der Löwin
Des Unglücks Bewußtsein verlorſt! 5
Glucklicher warest auch du, die Artemis 6
340
Als goldhörnige Hindin der Schönheit wegen verstoßen,
Merops' Kind vom Titanengeschlecht; mein Name vertilgte
Pergamos, Dardanos' Burg,
Und die verlorenen Sohn' Achaa's!
(Sie entfernt sich mit dem Chore.)
Menelaos tritt auf in dem Aufzuge eines Schiffbrüchigen.
Du, der in Pisa's Fluren einst Denomaos
345
-Im Wagenkampf besiegte, Sohn des Tantalos!
O raffte damals, als zerstuckt den Göttern du
Zum Mahle dientest, dich der Tod in der Götter Kreis,
Bevor du meinen Vater Atreus einst erzeugt,
Dem wir entsproßen aus dem Schooß Aërope's,
350
Agamemnon und Menelaos, ein berühmtes Paar !
Die größte Kriegsmacht (ohne Prahlen sag' ich es)
Geleitet' ich als Herrscher durch des Meeres Flut
Zum Strande Troja's; nicht gezwungen durch Gewalt,
Freiwillig folgten unserm Wort die Jünglinge.
355
Und ihrer zählt man Viele, die gefallen sind;
Biel' andre, die gerettet kaum dem Meer entflohn,
Der Todten Namen tragen sie nach Haus zurück.
Ich irr' umhergetrieben auf der blauen Flut
Des Meeres, seit ich Ilions Burghöhn zerstört,
360
Und heimzukommen drängt es mich in's Vaterland;
Doch dieses Glückes würdigen mich die Götter nicht.
An allen Deden Libya's, am wilden Strand
Unholder Buchten schifft' ich hin; und kam ich nah
Dem Vaterlande, rafft' ein Sturm mich wieder fort;
365
Nie schwellte Wind mein Segel, daß ich heimgekehrt.
Und nun, beraubt der Freunde, ward ich strandend hier
An dieses Land geworfen, und gebrochen treibt
Mein Schiff in vielen Trummern um den Felsenstrand.
Vom schöngefügten Baue blieb der Kiel zurück,
370
Auf dem ich kaum durch unverhofftes Glück entkam
Mit Helena, die wir mitgeschleppt aus Ilion.
Ich weiß des Landes Namen und des Volkes nicht;
Zur Menge mich zu gesellen, trug ich immer Scheu,
Um nicht zur Schau zu tragen meines Kleides Schmuz,
375
Aus Scham mein Loos verbergend. Fållt ein hoher Mann,
So druckt ihn ungewohntes Leid, drückt harter ihn,
Als einen Andern, welcher långst unglucklich war.
Wohl drängt die Noth mich; denn am Brod gebricht es mir,
An Kleidern, mich zu bedecken: was naturlicher?
380
Denn mich bekleidet, was die Wog' auswarf vom Schiff.
Der frühern Kleider weicher Prunk, die köstlichen
Gewande sind des Meeres Raub. In einer Schlucht
Verbarg ich alles meines Leids Urheberin,
Mein Weib, und komme, während mir der Freunde Schaar,
385
Die mir geblieben, mein Gemahl bewachen muß.
Ich irr' allein, umspåhend, ob ich irgendwo
Für die Freunde dort erlange, was uns frommen mag.
Da seh' ich dies von Zinnen ringsumkränzte Haus,
Die stolzen Thore seh' ich eines Glucklichen,
390
Und nahe mich. Aus einem reichen Hause darf
Der Schiffer Etwas hoffen; Unbeguterte,
Verlangten sie zu helfen, sie vermochten's nicht.
(Er klopft an das Thor des Palastes.)
Holla!
Wer wacht an dieser Pforte, he! wer kommt heraus,
Damit er drinnen meine Noth verkundige?
395
Wer ist am Thore? - Gehst du nicht vom Hause weg?
Was willst du, långer stehend an des Hofes Thor,
Dem Herrn beschwerlich fallen? Sterben mußt du, bist
Der Griechen Einer, dem er keine Statt verginnt.
Bevor Achaa's Heeresmacht gen Troja zog.
435
Doch weich' hinweg vom Palaste; denn dort waltet ein
Geschick, das unserm Königshaus Unruhe bringt.
Du kamst in ungelegner Zeit; wenn unser Herr
Dich trifft, empfångst du sichern Tod als Gastgeschenk.
Denn Hellas' Volke will ich wohl, und sagte dir
440
Die bittern Worte nur aus Furcht vor meinem Herrn.
(Sie geht in den Palast zurücď.)
Mein Ohr vernahm, was die weissagende
Jungfrau dort in der Herrscher Haus offenbart :
475
Daß Menelaos noch nicht im düsteren Erebos
Wall', im Schooße der Erde,
Sondern in der wogenden See stürmend umher,
Noch immer der Heimat Porte nicht erreicht,
Und auf irrender Lebensbahn, ungluckselig, der Freunde
480
Allen Gestaden der Welt
beraubt,
Sich im Meerschiff nåhere, seitdem er Troja verlassen.
Helena (tritt aus dem Palaste). Der Chor.
Zum Fuß des Grabmals wieder komm' ich hier zurück;
Trostreiche Botschaft hårt' ich von Theonoë,
Die klar von Allem Kunde hat; sie sagte mir,
485
Noch wandle lebend mein Gemahl im Sonnenlicht,
Und werde, tausend Meerespfad' hindurch verſtürmt
Hierhin und dorthin, wohlgeubt auf irrer Fahrt
Heimkehren, wann er seiner Leiden Ziel erreicht.
Von Einem schwieg sie, ob's ihm auch wohlgeh' hinfort,
490
Und deutlich das zu fragen, trug ich selber Scheu,
Voll Freude, weil sie seine Rettung mir verhieß.
Doch nahe, sprach sie, weil er hier im Lande wo,
Entslohn dem Schiffbruch, im Geleit von Wenigen.
Wann wirst du kommen? Wie verlangt mein Herz nach dir!
495
(Menelaos nähert sich ihr.)
Ha!
Wer ist der Mann hier? Werd' ich durch geheime List
Vielleicht von Proteus' übermuthigem Sohn berückt?
Ich will mich, rasch, wie Rosse, wie Bacchantinnen,
Zum Grabeshügel schwingen. Wild von Angesicht
Ist dieser Fremdling, welcher mich zu greifen strebt.
500
(eilt fort.)
Du kehrst so spåt in deiner Gattin Arm zurück! 10
Menelaos, lange suchend find' ich kaum dich hier;
Ich irrte rings durch diese fremden Gaun, gesandt
Von deinen Freunden, die du dort verlassen hast.
O liebster du der Männer, lang, Menelaos, war
580
Die Zeit der Trennung, spåt erschien der Wonne Tag.
Glucklich, o Fraun, bin ich, daß ich den Gatten fand;
Ich schlinge meinen liebenden Arm um ihn
Nach langen Grames Nacht.
Nicht zu dem Lager des Troërjünglinges
Flog ich im Schiffe dahin,
620
Flog nicht, verlangend nach frevelnder Liebeslust.
Ist auch in Zukunft euer Loos ein gluckliches,
650
So gnügt es, gutzumachen, was euch früher traf.
(näher tretend)
Wohlan, o Greis! Viel Mühen hast du, neben mir
Im Kampfe stehend, ausgeduldet mir zulieb;
Und jezo nimm auch deinen Theil an meinem Glück.
Geh hin und melde, was du sahst, den Freunden, die
Zurickgeblieben, melde, was mit uns geschah,
690
Und heiß' am Strand sie bleiben, daß sie meinen Kampf
Abwarten dort, der, wie wir ahnen, unser harrt,
Und spåhen, wie wir unverlezt aus diesem Land
Heimsegeln, daß wir, frohvereint zu gleichem Gluck,
Dem wilden Volk entfliehen, wenn's uns möglich ist.
695
Was dieser Greis vom Sehervolke sprach, es trifft
710
Auch meine Meinung. Wer die Götter sich gewann
Zu Freunden, hat die beste Seherkunst daheim.
So weißt du wohl auch, welche Heirat mich bedroht?
Wohl; aber wenn sie unserm Wort ihr Ohr verschließt?
Auf, schreite du mit hellen Fackeln mir voran,
Den Kreis des Aethers heilige nach dem frommen Brauch,
Damit des Himmels reiner Hauch uns rings umfångt!
(zu der anderen)
Du sühne mir mit hehrer Flamme Strahl den Pfad,
Wenn ihn ein ungeweihter Fuß entheiligte,
820
Und schuttle hier die Fackel, wo ich wandeln soll.
Und thatet ihr den Göttern, was ich euch gebot,
So tragt des Herdes Flamme gleich ins Haus zurück.
(zu Helena)
Nun, Helena, wie steht's um meinen Seherspruch?
Dein Gatte kam, Menelaos; sichtbar steht er hier,
825
Beraubt der Schiff und des Bildes, das dir ähnlich war.
(zu Menelaos)
Aus welchen Mühn entrannst du, weißt, Unseliger,
Nicht, ob du heimkehrst, oder hier verweilen mußt!
Denn Streit und Hader wird im Kreis der Himmlischen
Vor Zeus um deinetwillen sein an diesem Tag.
830
Zwar Hera, die dir argen Groll zuvor gehegt,
Ist holdgesinnt nun, will dich heim zu Hellas' Volk
Mit dieser retten, daß sie sehn, ein Truggeschenk
Kythere's habe Paris, hab' ein Bild umarmt;
Doch Kypris strebt zu vereiteln deine Wiederkehr,
835
Den Tadel fürchtend, daß sie nur durch Helena
Den Preis der Schöne sich erkauft mit feiler Huld.
Es steht bei mir nun, ob ich, wie's Kythere will,
Dem Bruder sage, daß du hier im Lande seist,
Ob ich, gehorsam Here's Wort, dich retten soll,
840
Dem Bruder dich verlaugnend, der mir anbefahl,
Es ihm zu melden, wann du kämst in dieses Land. -
Wer geht, es meinem Bruder anzukündigen,
Daß dieser kam, damit ich selber sicher sei?
Jungfrau, zu deinen Knieen fall' ich flehend hin,
845
Und liege hier an dieser unheilvollen Statt
Für mich und diesen, den ich endlich wiederfand,
Und kaum gefunden in den Tod muß gehen sehn.
O sage deinem Bruder nicht, daß mein Gemahl
In meine treuen Arme hier zurückgekehrt:
850
Nein, rette, rett' ihn, fleh' ich dir; verrathe nie
Dein edles Herz an den Bruder, daß um solchen Preis
Du schnöden Dank erkauftest, ungerechten Lohn.
Die Götter hassen die Gewalt; was Jeder sich
Erwerben kann, erwerb' er, aber raube nicht;
855
Nein, alles ungerechte Gut verschmähe man.
Gemeinsam ist der Himmel allen Sterblichen,
Gemein die Erde; mehrt den Schaz in eurem Haus,
Nicht Raub verübend, noch erpicht auf fremdes Gut!
Mich gab in deines Vaters Hand, zum Segen mir
860
Und auch zum Ungluck, Hermes, um dem Gatten mich
Zu retten, der, mich auszulösen, hier erschien.
Wie soll er todt mich losen? Wie erstattete
Proteus dem Todten wiederum die Lebende?
Drum hege vor dem Gotte, vor dem Vater Scheu:
865
Denn würde Hermes und der Hingeschiedne wohl
Zurückbehalten wollen, was des Andern ist?
Mitnichten! Darum achte mehr den edlen Geist
Des Vaters, als des Bruders thöricht eitlen Sinn.
Bist du Prophetin, kennest du das Göttliche,
870
Und trittst zu Boden, was gerecht der Vater fand,
Dem ungerechten Bruder unterthan zu sein:
Dann ist es Schmach, zu wissen alles Göttliche,
Was ist und nicht ist, übst du nicht Gerechtigkeit.
So lose mich vom Leide, das mir Armen droht,
875
Und was das Schicksal nicht gewährt, vollende du!
Denn Keiner lebt auf Erden, der nicht Helena
Versluchte, die dem Gatten (so schilt Hellas mich)
Entflohn, und Alexandros' goldnes Haus bewohnt.
Doch, kehr' ich heim nach Hellas und in's Sparterland,
880
Dann hören sie, dann sehn sie, daß durch Göttertrug
Sie starben, daß ich unsre Freunde nicht verrieth,
Und wieder tret' ich in die Reihn der edlen Fraun,
Und meine Tochter statt' ich aus, die Keiner freit,
Und meines Wanderns bittre Fahrt hier endigend,
885
Genieß ich froh der Schäze, die mein Haus bewahrt.
War' er gestorben, zehrt' ihn auf der Scheiter Glut,
Den weit entfernten feiert' ich mit Thränen dann;
Nun lebt er, ist gerettet, und man raubt mir ihn.
Nicht also, Jungfrau! Wende dich zu meinem Flehn,
890
Gewähre diese Liebe mir, und ahme nach
Dem edlen Vater. Denn es ist der schönste Ruhm
Des Kindes, das aus wackrer Aeltern Stamm erblüht,
An edler Art dem edlen Vater gleich zu sein.
Mitleid erwecken deine Reden mir, o Frau,
895
Mitleid du selber; aber von Menelaos auch
Zu hören wunsch' ich, was er für sein Leben sagt.
O Schattenherrscher drunten, dich auch ruf' ich an,
920
Du, der so viele Leichen einst um Helena
Zum Lohn empfangen, die mein Schwert geopfert hat;
O sende die nun wiederum an's Licht herauf,
Ach, oder gebe diese mir mein Weib zurück,
Noch edler, als ihr frommgesinnter Vater war!
925
Doch wenn ihr meines Weibes mich berauben wollt,
So laß von uns dir sagen, was sie dir verschwieg.
Ich band, o Jungfrau, wisse das, durch Eide mich,
Zuerst mit deinem Bruder in den Kampf zu gehn;
Er oder ich muß sterben: schlicht ist dieses Wort.
930
Doch stellt er nicht im Kampfe sich, Fuß wider Fuß,
Und droht den Tod des Hungers uns am Grabe hier;
So steht es fest, ich todte Helena, drücke dann
Mir selbst in's Herz mein doppelschneidig Schwert hinein
Auf dieses Grabmals Ricken, daß des Blutes Strom
935
Hinab den Hügel fließe; beide liegen wir,
Der Todte bei der Todten, auf dem glatten Stein,
Dir ewigmarternde Reue, deinem Vater Schmach.
Denn weder soll dein Mitgeborner diese frein,
Noch sonst ein Andrer; sondern ich entführe sie,
940
Vermag ich nicht nach Hause, doch in's Todtenreich.
Ja! Strömt' ich, gleich den Frauen, mich in Thränen aus,
Bedauernswürdig wär' ich mehr, als männlichstark.
Todt' uns, gefällt dir's; keinen Niedern tödtest du:
Doch lieber hår' auf meine Worte, daß du dich
945
Gerecht erweisest, und die Gattin folge mir.
Das Edle lieb' ich von Natur, und will es auch.
Ich ehre mich, und möchte meines Vaters Ruhm
950
Niemals beflecken, noch dem Bruder eine Gunst
Gewähren, die mir kunstig Schmach bereitete.
Ein großes, lautres Heiligthum des Rechtes ist
In meiner Brust; mit diesem, das mir Nereus' Huld
Geliehn, versuch' ich's, rette wohl, Menelaos, dich.
955
Der Götterfrauen höchste will dein Wohlergehn,
Mein Wille stimmt zum ihren: Aphrodite sei
Mir gnådig, niemals schenkte sie mir ihre Gunst,
Und trachten werd' ich, immerdar Jungfrau zu sein.
Was du zu meinem Vater sprachst am Grabe hier,
960
Dasselbe muß ich sagen. Unrecht thåten wir,
Sie nicht zuruckzugeben; wenn er lebte, traun,
Er gåbe dir die Gattin und dich ihr zurück.
Denn solcher Frevel wird gericht im Todtenreich,
Wie bei der Erde Menschen hier; zwar lebt er nicht,
965
Der Geist der Todten, aber hat ein ewiges
Gefühl, sobald er ewigem Aether sich vermählt.
Um kurz es auszudrücken: ich verschweige stets,
Um was ihr mich gebeten, und die Schwester wird
Niemals in Thorheit Helferin dem Bruder sein.
970
Ich übe Gutes, ob er's auch nicht glaubt, an ihm,
Entfremd' ich ihn dem Frevel, daß er weise wird.
Ihr selber mågt nun einen Ausweg euch erspåhn:
Ich schweig' und ziehe mich zurück aus eurem Kreis.
Doch bei den Göttern fanget an, und bittet sie,
975
Kytheren, daß sie Wiederkehr ins Vaterland
Dir gönne, Heren, daß sie fest im alten Sinn
Verharre, dich zu retten, dich und Helena.
Und du, geschiedner Vater, soviel ich vermag,
Nie sollst du gottlos statt gerecht gescholten sein.
980
(Sie geht in den Palast zurück.);
Gemahl, die Jungfrau that für uns das Ihrige:
Doch nun gebührt uns, Red' um Rede tauschend, in
Vereintem Rath den Weg der Rettung auszuspahn.
985
Auch schon ersonnen! Und ich schiffe dann mit dir,
Und führ' im selben Schiffe mit den Todtenschmuck.