Euripides Iphigenia in Tauris 1284-1499

ed. Gilbert Murray

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Iphigenia in Tauris. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

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Current edition Perseus

Ἰφιγένεια ἐν Ταύροις (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962))

Translations (3)
Iphigenia Among the Tauri Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 1284-1497a focus
Iphigenia in Tauris (OCR draft) Experimental (Iphigenia in Tauris. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1284 focus
Ihr Tempelhůter, Priester ihr am Opferherd!
Thoas, des Landes König, sprecht, wo ging er hin?
Erschließt die festverbundnen Thore mir und ruft
Aus dieses Hauses Räumen uns des Landes Herrn.
Sobald wir hingelangten an des Meeres Strand,
Woselbst Orestes' Barke still vor Anker lag,
1280
Winkt' Agamemnons Tochter uns, die, deinem Ruf
Dienstbar, an Fesseln fortgeführt die Fremdlinge,
Fern stehnzubleiben, weil sie nun das heilige
Brandopferfeuer rüstet und die Reinigung.
Sie selber trug die Fesseln beider Fremdlinge,
1285
Und schritt zum Meer nach. Dieses schien verdächtig zwar;
Doch deinen Dienern, edler Herr, gefiel es so. 3
Bulezt, damit sie fürder nicht unthatig uns
Erscheine, schrie sie, sang Beschwörungsformeln ab
In fremden Lauten, als versöhne sie den Mord.
1290
Nachdem wir lang gesessen, kam es uns zu Sinn,
Die Fremden könnten sich der Band' entlediget,
Die Frau getödtet haben, und entsprungen sein.
Doch Furcht, Verbotnes anzuschaun, bewog uns, still 4
Zu sizen; endlich aber kam uns Ein Entschluß,
1295
Ihr nachzugehen, ob's uns gleich verboten war.
Und nun gewahrten unsre Blick' ein Griechenschiff,
Mit hohen Ruderblättern schon zur Fahrt beschwingt,
Und funfzig Schiffer sahn wir auf den Bänkereihn
Die Ruder haltend, und von ihren Fesseln frei
1300
Am Hintertheil des Schiffes stehn die Junglinge.
Mit Stangen stüzt man hier den Bug, dort hången sie 5
Den aufgewundnen Anker ein, Zugbrücken eilt
Man hier zu legen, windet an des Spiegels Tau'n,
Und låßt die Leitern nieder für die Fremdlinge.
1305
Wir schonten nun nicht långer, und das falsche Spiel,
Den Trug erkennend, faßten wir das fremde Weib,
Zugleich die Spiegeltaue; dann versuchten wir
Die Rudergriffe loszudrehn am Hinterschiff.
Da gingen Reden: „Was entflieht ihr über Meer,
1310
Stehlt aus dem Lande Götterbild und Priester uns?
Wer, wessen Sohn du, daß du die fortführst von hier?"
Der sprach: „Orestes, Agamemnons Sohn, bin ich,
Ihr Bruder, daß ihr's wisset, und entführe sie,
Sie, meine Schwester, die daheim ich einst verlor."
1315
Doch, dessen achtlos, hielten wir die Fremde fest;
Zu dir zu folgen, wollten wir sie nöthigen,
Und arge Streiche ſezt es nun auf Wang' und Kinn.
Denn Schwerter hatten weder jen' in ihrer Hand,
Noch wir; die Fäuste schlugen auf die Fäuste los,
1320
Und schmetternd traf der beiden Jungling' Arm zugleich
Auf Ribben und auf Leber uns mit schwerem Schlag,
Daß unsre Glieder brachen und ermatteten.
Mit Wundenmalen grauenvoll gezeichnet, floh
Zum jåhen Rand des Users, unsre Schaar, am Haupt
1325
Der eine, der am Auge blutigroth gefärbt.
Dort oben stehend kämpften wir gesicherter,
Und warfen Steine nieder auf die Fremdlinge.
Nun drångten uns die Schůzen auf dem Hintertheil
Des Schiffs mit Pfeilen, jagten uns weithin zurück.
1330
Indessen trieb ein fürchterlicher Wellenstoß
Das Schiff zum Lande, wenig fehlt, so scheitert es;
Da nimmt Orestes auf den Arm die Schwester, springt
Hinab in's Wasser, eilt die Leiter rasch hinauf,
Und sezt sie wohlbehalten auf das Ruderschiff
1335
Samt unsrer Göttin Bilde, das vom Himmel einst
Gefallen. Mitten aus des Schiffes Raum erſcholl
Ein Ruf:,,Des Schiffes Meister ihr vom Argosland,
Ergreift die Ruder, weißt mit Schaum die Meeresflut;
Wir haben Alles, wessenthalb Eureinos' Furth,
1340
Die Symplegadenfelsen wir durchsegelten!"
Da brüllt' in frohem Jubel auf das Schiffervolk,
Und schlug die Wogen. Innerhalb des Portes noch,
Schwamm leicht die Barke; doch gelangt in offne See,
Da floh sie ringend vor der Wogen Schwall zurück;
1345
Denn plozlich traf ein mächtigſausender Wind das Schiff,
Und warf es rückwärts; Alle rangen angestrengt
Der Wog' entgegen; aber nach dem Land zurück
Trieb neuer Wogen Schwall das Schiff. Agamemnon's
Kind
Erhob sich jezt und flehte: „Göttin Artemis,
1350
O rette mich nach Hellas, deine Priesterin,
Vom Fremdlingsufer, und vergib uns diesen Trug!
Du liebst ja deinen Bruder auch, du Göttliche;
So glaube mir, ich liebe meinen Bruder auch."
Die Schiffer stimmten jubelnd ein mit Påanston
1355
In's Flehn der Jungfrau, bis zur Schulter bloß den Arm,
Zum Rudern froh sich gürtend auf des Meisters Ruf.
Doch nåher, nåher trieb das Schiff den Felsen zu;
Und Einer schwang mit den Füßen flugs in's Wasser sich,
Ein Andrer warf gewundnes Tauwerk über Bord.
1360
Ich wurde sogleich ausgesandt, hierher zu dir,
Um dir zu sagen, was sich dort, o Herr, begab.
Drum eile, nimm dir Fesseln, nimm Fangschlingen mit;
Denn wird des Meeres Wogen nicht besånstiget,
Dann ist für diese Fremden kein Entrinnen mehr.
1365
Des Meeres Herrscher schaut mit Huld auf Ilion,
Der Gott Poseidon, feindlich grollt er Pelops' Haus;
Und heute gibt er, wie's geziemt, in deine Hand
Und deines Volkes Agamemnons edlen Sohn
Mit seiner Schwester, die, den Mord in Aulis' Bucht
1370
Vergessend, unsre Göttin undankbar verråth.
Wohin, wohin doch sendest du die Verfolger aus,
O König Thoas? Hore mein, Athene's, Wort.
Verfolge nicht mehr, laß den Strom des Heeres ruhn;
Geführt vom Schicksal, kam, Apollons Spruch gemäß, 6
1390
Orestes hierher, vor der Eumeniden Zorn
Entflohn, um seine Schwester heim in Argos' Reich
Zu bringen und das heil'ge Bild in mein Gebiet,
Damit er frisch aufathme, frei von aller Noth.
So lautet unser Wort an dich. Den aber du
1395
Im Meeressturm ereilen, den du morden willst,
Ihn trågt Poseidon, mir zu Gunst, im sichern Schiff
Jezt eben hin auf wogenloser Meeresbahn.
Auch du, Orestes, achte wohl auf mein Gebot:
(Du horst die Göttin, ob du gleich nicht nahe bist;)
1400
Zieh' hin mit deiner Schwester und dem Götterbild!
Und wenn du kamst zur gotterbauten Stadt Athen,
Dann ist an Atthis' fernstem Saum ein heil'ger Ort,
Dem Strand benachbart, wo Karystos' Hügel sind; 7
Von meinem Volke wird der Ort Halå genannt.
1405
Dort baue dir den Tempel, dort stell' auf das Bild;
Vom Laurerlande nenn' es dann und deinem Leid,
Das du von Eumenidenwuth erduldetest,
Durch Hellas irrend. Kunstig heißt Tauropolos
Die Lochter Leto's im Gesang der Sterblichen.
1410
Und dies Gesez verordne: wenn das Volk ein Fest
Für deine Lösung feiert, beuge sich dem Stahl
Der Nacken eines Mannes, strome Blut hervor,
Damit der Göttin heiliger Brauch in Ehren sei. 8
Du, Tochter Agamemnons, wirst auf heiligen
1415
Berghohn von Brauron Priesterin der Artemis; 9
Einst wirst du dort bestattet und in Schmuck gehüllt
Von schongewobnen Schleiern, den Gebårende
Daheim zurückgelassen, die den Todeskampf
Ausrangen. Aber diese Fraun von Hellas hier
1420
Gebiet' ich heimzuführen aus dem Taurerland
Ob ihres guten Willens, ich, die früher auch
Durch gleiche Stimmen auf des Ares Hugel dich
Befreit', Orestes; und es gelte dies Gesez: 10
Daß Sieger sei, wer gleiche Stimmenzahl erhielt.
1425
So führe denn die Schwester aus dem Land, o Sohn
Agamemnons, und du, König Thoas, zurne nicht.
Athene, Herrin, wer der Götter Ruf vernimmt,
Und ihm Gehorsam weigert, hegt unweisen Sinn.
Ich zurne nicht Oresten, weil er Artemis'
1430
Bildsäul' entführt, nicht seiner Schwester; wie vermag
Mit Götterallmacht ehrenvoll der Kampf zu sein?
Sie mögen samt dem Heiligthume ziehn in dein
Gebiet, und glucklich stellen sie das Bildniß auf!
Auch diese Frauen send' ich zum gesegneten
1435
Hellenenlande, wie mir dein Gebot befiehlt;
Und meinen Speer auch senk' ich vor den Fremdlingen
Und meine Ruder, Göttin, weil du's also willst.
Nun ziehet dahin auf gluckliche Fahrt,
Stets froh des geretteten Lebens!
Doch, Heilige du, von den Göttern verehrt,
1445
Und von Menschen verehrt, Pallas Athene!
Wir thun, wie's uns dein Wille gebeut.
Ein erfreuliches Wort, unerwartet, ist uns
Dein Ruf zu den Ohren erklungen.
Ehrwürdige Nike, nimm allzeit 11
1450
Mein Leben in Hut,
Und laß nicht ab, es zu kränzen!