Wie stürmt auf deines Hauses Gluck der Leiden Sturm!
Kreusa.
Warum verhållst du weinend dir das Haupt, o Greis?
950
Der Greis.
Dich, Kind, und deinen Vater so in Leid zu sehn!
Kreusa.
Das ist der Menschen Leben; Nichts bleibt, wie es war.
Der Greis.
O Tochter, jammern wollen wir nicht långer mehr.
Kreusa,
Was denn beginnen? Rathlos ist das Mißgeschick.
Der Greis.
An deines Leid's Urheber råche dich, dem Gott.
955
Kreusa.
Und wie bezwang' ich Menschenkind den Stärkeren?
Der Greis.
Bund' an den hohen Sehersiz des Lorias!
Kreusa.
Ich fürchte mich; und Leiden hab' ich schon genug.
Der Greis.
So wage, was dir möglich: todte deinen Mann!
Kreusa.
Der alten Liebe denk' ich, als er edel war.
960
Der Greis.
Dann doch den Jungling, der sich wider dich erhob!
Wie?
Kreusa.
Wenn's nur möglich ware! Denn ich wollte gern.
Der Greis.
Nimm deine Diener, rüste sie mit Schwertern aus.
Kreusa.
Ich will es wagen; aber wo geschieht die That?
Der Greis.
In den heil'gen Zelten, wo sein Mahl die Freunde labt.
965
Kreusa.
Ein Mord vor Aller Augen! Auch sind Sclaven schwach.
Der Greis.
Feig bist du: weh mir! Sinne du denn selbst auf Nath!
Kreusa.
Auch weiß ich schlaue Mittel dir und wirksame.
Der Greis.
Für beide biet' ich meine Hand zur Hülfe dir.
Kreusa.
Vernimm! Der Erdensöhne Schlacht ist dir bekannt?
1
970
Der Greis.
Zu der sie Phlegra wider Zeus vereinigt sah.
2
Kreusa.
Dort war's, wo Gia Gorgo schuf, das Ungethum.
Der Greis.
Als Bundsgenossin ihrer Sohn' im Götterkampf?
Kreusa.
Gewiß; und Pallas, Tochter Zeus', erlegte sie.
Der Greis.
In welcher grausen Ungestalt erschien sie denn?
975
Kreusa.
Mit Ningeln einer Schlange war die Brust bewehrt.
Der Greis.
Das ist ja wohl die Sage, die wir långst gehört -?
Kreusa.
Die Haut des Ungethumes deck' Athene's Brust.
3
Der Greis.
Das Kriegsgewand der Pallas, das man Aegis nennt?
Kreusa.
Der Name ward ihm, als sie kam zur Götterschlacht.
980
Der Greis.
Ion. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .