Wie sollte dies denn deinem Feind verderblich sein?
Kreusa.
Den Erichthonios kennst du, Greis? Du solltest wohl!
Der Greis.
Den ersten eurer Ahnen, den die Erd' erschuf?
Kreusa.
Ihm gab Tritonis, als er kaum geboren war
1
Der Greis.
Was gab sie? Zaubernd bringst du nur das Wort hervor.
985
Kreusa.
Zwei Tropfen Blutes, die der Gorgo Leib entstromt.
Der Greis.
Wie wirken diese beiden auf der Menschen Art?
Kreusa.
Tod bringt der eine, Kranke heilt der andere.
Der Greis.
Worin verborgen hing sie's um des Knaben Leib?
Kreusa.
In goldnem Band; er gab sie meinem Vater dann.
990
Der Greis.
Nach seinem Tode wurden sie dein Eigenthum?
Kreusa.
Gewiß; und hier am Handgelenke trag' ich sie.
Der Greis.
Der Göttin Doppelgabe nun, was ist's mit ihr?
Kreusa.
Der Tropfe Bluts, der aus der hohlen Ader floß -
2
Der Greis.
Sprich, wie gebraucht man diesen? Was ist seine Kraft?
995
Kreusa.
Krankheiten bannt er und erhöht den Lebensgeist.
Der Greis.
Was wirkt der andre Tropfen, Kind, von dem du sprichst?
Kreusa.
Tod bringt er; denn von Schlangen Gorgo's ist sein Gift.
Der Greis.
Du trågst ihn wohl gesondert, nicht in Eins gemischt?
Kreusa.
Gesondert; Gutes mengt sich ja mit Bösem nicht.
1000
Der Greis.
Lieb Kind, so hast du Alles, was dir nothig ist.
Kreusa.
Durch diesen stirbt der Jungling; du gibst ihm den Tod.
Der Greis.
Wo, wie vollend' ich's? Du gebeutst, mein ist die That.
Kreusa.
In Pallas' Stadt, sobald er unser Haus betrat.
Der Greis.
Nicht wohl gesprochen! Deinen Tadel geb' ich heim.
1005
Kreusa.
Wiefern? Dir ahnt wohl, was auch mir zu Sinne kommt?
Der Greis.
Auch wenn du's nicht wårst, hießest du die Mörderin.
Kreusa.
Necht! Heißt es doch, Stiefmutter sei'n den Kindern feind
Der Greis.
Drum todt' ihn hier, und laugnen kannst du dann den Mord.
Kreusa.
2luch kost' ich so viel früher dann der Nache Lust.
1010
Der Greis.
Und täuschest deinen Gatten, wo er tauschen will.
Kreusa.
Nun gilt's zu handeln: nimm Athene's Goldgefås
Aus meiner Hand hier, dies Gebild' uralter Kunst,
Geh' hin, wo Xuthos ingeheim Stieropfer bringt,
Und wenn das Mahl vollendet und der Opferwein
1015
Den Göttern ausgegossen wird, so nimm das Gift
Aus deinem Mantel, gieß' es in des Junglings Trank,
Doch ihm allein, nicht Allen, gib den Becher dar,
Ihm, der als Herr in meinem Hause schalten will.
Und drang's ihm durch die Kehle, dann gelangt er nie
1020
Zur stolzen Stadt Athene's, nein, bleibt hier und stirbt.
Der Greis.
Du wende denn in deiner Wirthe Haus den Schritt;
Ich will vollenden, was du mir geboten hast.
(Kreusa geht.)
Auf, alter Fuß, ein Jungling werde durch die That,
Auch wenn es dir das Alter nicht vergonnen will!
1025
Vereint der Herrin, schreit heran auf ihren Feind,
Hilf ihn vom Hause treiben, hilf ihn morden ihr!
Auf Frömmigkeit zu halten, ziemt dem Glucklichen;
Doch, will ein Mann den Widersachern wehethun,
Dann, Alles aufzubieten, wehrt ihm kein Gesez.
1030
Erste Strophe.
(er geht.)
Der Chor.
Ion. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .