Euripides The Suppliant Maidens 87-364

ed. Gilbert Murray

View: By Card

The Suppliant Maidens. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Ἱκέτιδες (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962))

Translations (3)
The Suppliants Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.) — 87-360 focus
The Supplicants (OCR draft) Experimental (The Supplicants. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

No corresponding passage available

German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 87 focus
Was hört' ich Weherufen, was der Brüste Schlag,
Was Todtenklagen aus der Göttin Heiligthum
Erschallen? Unståt zagend treibt die Furcht mich auf,
Ob nicht der Mutter Leid geschah, nach welcher ich
85
Ausgehe, weil sie lange schon von Haus verzieht.
Ha, was ist das?
Ein neuer Anlaß bietet sich zur Rede mir.
Die greise Mutter sizt am Opferherd, um sie
Viel fremde Frauen, welche nicht durch Eines nur
Ihr Leid verkunden; denn von grauen Wimpern rollt
90
Die Zahre schmerzvoll auf den Grund, auch schoren sie
Die Locken, ihre Glieder hüllt kein Festgewand.
Was ist es, Mutter? Dir geziemt, es kundzuthun,
Und mir, zu hören; sicher ist ein Leid geschehn.
O sieggekrönter Herrscher im Athenerland,
Theseus, ich komme flehend dir und deiner Stadt.
Doch du, vor Hellas' Sohnen hoch mit Macht begabt,
Athens Gebieter, zwar errothen muß der Greis,
Zur Erde hin zu sinken und die Kniee dir
160
Bu fassen, ich, ein Herrscher und so glucklich einst: 8
Doch meinem Leid zu weichen zwingt mich strenge Noth.
Rett' uns die Todten: meiner Noth erbarme dich,
Erbarme dich der kinderlosen Mütter hier,
Die, grau von Alter, einsam und verlassen stehn!
165
Hieher zu kommen und hieher den fremden Fuß
Bu sezen, der kaum ihre matten Glieder trågt,
Das konnten diese, nicht zu Deo's Weih'n gesandt,
Nein, Junglinge zu bestatten, deren Hände sie, 9
Die greisen Frauen, besser selbst bestatteten!
170
Klug ist es, wenn ein Reicher auf den Armen blickt,
Klug, wenn der Arme lustern auf den Reichen schaut,
Mit dem er, ringend um Besiz, wetteifere,
Klug auch, befürchtet Ungemach ein Glucklicher. 10
Du fragst vielleicht, warum ich Pelops' Land verließ,
175
Warum Athen ich solche Last aufbürden will.
Ich will es dir erklären, wie mir's wohl gebührt.
Hart, grausam sind die Sparter, wandelbar von Sinn, 11
Machtlos und schwach die Andern: deine Stadt allein
Mag dieses mühevolle Werk mit Glück bestehn.
180
Sie sah mein Ungluck, ihr erwuchs im Junglinge,
In dir, ein guter Hirte, dessen manches Volk
Entbehrte, daß es ohne Führer unterging.
Mit Andern stritt ich manchesmal und eiferte,
Wenn Einer sagen mochte, daß des Båsen Zahl
Auf Erden größer als die Zahl des Guten sei.
Ich hielt an anderm Glauben fest, ich meinte stets,
Mehr walte Gutes auf der Welt als Schädliches.
190
Denn wäre dies nicht, lebten wir nicht mehr im Licht.
Dem Gotte dank' ich, welcher uns aus thierischem,
Verworrnem Streben wilder Art das Leben schied,
Der uns den Geist einhauchte, der die Sprache gab,
Die Gedankenbotin, daß der Mensch den Laut erkennt,
195
Auch Frucht zur Nahrung und der Frucht vom Himmel her
Des Wassers Labsal, daß es nährt der Erde Saat,
Erquickt der Menschen Glieder. Auch gewährt' er uns
Schuzmittel wider Sonnenglut und Winterfrost,
Führt über Meer uns, daß wir dort in wechselndem
200
Verkehre tauschten, was dem eignen Land gebrach.
Was Keinem klar ist und bekannt, erkennen wir, 12
In's Feuer blickend, und die Seher thun es kund,
Aus Eingeweiden forschend und der Vågel Flug.
Ist's nicht ein Frevel, nun ein Gott das Leben uns
205
So reich versorgte, wenn mit dem uns nicht genugt?
Doch Menschenweisheit trachtet über Gottesmacht
Hinaus, in Menschenherzen wohnt der Uebermuth,
Und weiser selbst als Götter glauben wir zu sein.
Auch du gesellst dich dieser Zahl von Thoren bei,
210
Du, der die Töchter, weil Apollons Spruch dich band, 13
Als lebten Götter droben, gab an Fremdlinge,
Der seines Hauses hellen Glanz besudelte,
Mit trübem Schlamm vermengte! Denn der Weise darf
Schuldlose nie vermengen mit den Schuldigen : 14
215
Zu Freunden werb' er seinem Haus nur Glückliche!
Sieht doch die Gottheit beider Loos als eines an,
Und wenn's dem Frevler übelgeht, muß sein Genoß
Mit ihm verderben, ob er auch kein Boses that.
Doch bald zum Kriege locktest du ganz Argos mit,
220
Und brachtest, gegen Seher und Orakel taub,
Zum Troz den Göttern, deiner Stadt den Untergang,
Berückt von jungen Männern, die nach Ehre nur
Verlangend, ewig gegen Recht den Krieg erneun,
Dem Volk zum Unheil, Der, um Heeresfürst zu sein,
225
Der, Andern Hohn zu bieten, wenn er Macht erlangt,
Gewinnes halber Andre; Keiner denkt daran,
Ob solch Beginnen seinem Volk nicht Schaden bringt.
Drei Arten Bürger gibt es ja: die Reichen sind
Niemanden nize, trachten stets nach Mehrerem.
230
Der Arme, dem des Lebens Unterhalt gebricht,
Ist ungestům und schnidem Neide zugewandt,
Schnellt herber Zunge Stacheln auf Vermögende,
Von böser Führer trügerischem Geschwaz berückt.
Doch der in Beider Mitte steht, beschirmt die Stadt,
235
Für Zucht und Ordnung wachend, die das Volk gebot.
Und dennoch soll ich dein Genoß im Kampfe sein?
Was sag' ich meinen Bürgern als Beschonigung?
Zieh' hin in Freude: war es doch kein guter Rath 15
Von dir, das Schicksal ohne Wahl herbeizuziehn.
240
Sowie zum Arzte, kamen wir, o Herr, zu dir.
Ich wählte nicht zum Richter meiner Leiden dich,
Und wenn dir Etwas, das ich nicht wohl ausgeführt,
245
Auffiel, o König, table, schilt mich nicht darum,
Nein, fördre du mich weiter. Willst du dieses nicht,
So muß ich dir mich fugen; denn was soll ich thun?
Auf, greise Fraun, die grunen wollumwundenen
Delzweige laßt am Opferherde hier zurück,
250
Ruft Erd' und Götter und die fackeltragende
Demeter, ruft der Sonne Licht als Zeugen an,
Daß unser Flehn zu den Göttern nichts gefruchtet hat!
Doch deine Mutter war ja Pittheus' Tochter, Er 16
Ein Sohn des Pelops, und von Pelops' Insel wir,
255
Aus Eines Ahnherrn edlem Blut mit dir gezeugt.
Was willst du? Preis uns geben, diese Greisinnen
Ausstoßen, Nichts gewährend, was du schuldig warst?
Nicht also! Zuflucht findet doch das Thier im Fels,
Am Götterherd der Sclave; Stadt entflieht zur Stadt,
260
Umhergesturmt von Wettern. Denn auf Erden währt
Der Seligkeiten keine bis an's Ende fort.
Hebe dich, Arme, vom Boden der heiligen Persephoneia,
Auf, und geh' ihm entgegen, umfange sein Knie mit den
Hånden,
Daß er die Leichname mir heimführt der erschlagenen Söhne, 17
265
Die vor den Mauern des Kadmos (ich Ungluckselige!) sanken!
Weh mir! O faſſet, tragt, führet, geleitet, stüzt 18
Der Greisin unsel'ge Hånde!
Gramvoll, theuerster Fürst, o gepriesenster Held im Achderland,
Fleh' ich zu dir und umfasse dein Kinn und die Hand und die Kniee:
270
Höre mein Flehn um den Sohn und erbarme dich
Mein, die sich härmt, wie der Flüchtling, und traurige
Klagen hervorståhnt!
Nicht grablos und den Thieren ein Spiel in dem Lande des Kadmos
Mögst du die Junglinge sehn, die dir, Sohn, gleichen an
Jahren!
Blick auf die Thränen im Auge der Greisinnen, welche die
275
Kniee
Hier dir umschlingen und flehn, für die Kinder ein Grab zu bereiten!
(Nethra bricht in Thränen aus.)
Was weinst du, Mutter, hålltest vor das Auge dir
Den zarten Schleier? Weil du hörst den klåglichen
Wehruf der Frauen? Mir bewegt er auch das Herz.
Erhebe dieses graue Haupt und weine nicht,
280
Un Deo's heil'gen Opferherd hier angeschmiegt!
Was ich, o Mutter, eben sprach zu diesem hier,
325
War wohl gesprochen; denn ich legt' ihm offen dar,
Durch welchen Nath er seinen Untergang verwirkt.
Doch selber auch erkenn' ich, was du mich ermahnst,
Zuwider sei es meiner Art, Gefahr und Müh'n
Zu fliehen. Edler Thaten viel vollendet' ich,
330
Und wählte mir vor Hellas' Volke diesen Ruhm,
Die Bösewichter allezeit zu züchtigen.
Unmöglich also kann ich mich den Müh'n entziehn.
Wie werden Theseus' Hasser ihn beschuldigen,
Wenn du, die Mutter, die für Sohnes Leben bebt,
335
Zuerst gebietest diese schwere That zu thun?
Ich will zum Werke schreiten, will die Leichname
Mit Worten låsen oder durch des Speers Gewalt.
Gleich soll's geschehn: die Götter werden gnådig sein.
Nur sei es, wunsch' ich, auch genehm der ganzen Stadt.
340
Ihr wird's genehm sein, will doch ich; doch frag' ich sie
Zuvor, das Volk ist also mir willfähriger.
Ich übertrug ihm volle Macht und Herrschgewalt,
Gewährte Freiheit dieser Stadt und gleiches Recht.
Für unser Wort zu zeugen, folg' Adrastos uns
345
Zur Volksversammlung. Wenn ich sie dafür gestimmt,
Erschein' ich hier mit auserles'nen Junglingen
Athens; in Waffen lagernd send' ich Boten dann
Zu Konig Kreon, fordre heim die Leichname.
Nun, greise Frauen, nehmet weg die heiligen 20
350
Delzweige, daß in's Vaterhaus die Mutter ich
An lieber Hand heimführe! Denn wohl ist ein Kind
Unselig, das den Weltern nicht dankvoll vergilt:
Wer sie mit schönen Gaben ehrt, empfångt dafür
Von seinen Kindern, was er einst den Weltern that.
355
(Nethra und Theseus gehen ab.) Erste Strophe.