Frau, deinen Sohn ergriff ich, welchen ingeheim
Vor meiner Tochter du verbargst im fremden Haus.
Dich müsse retten, prahltest du, der Göttin Bild,
Und diesen, Frau, die Leute, die verborgen ihn:
Doch warst du minder listig, als Menelaos war.
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Und wenn du nicht verlassend diesen Tempel räumst,
So wird der Knabe hingewürgt an deiner Statt.
Drum überlege dieses, ob du sterben willst,
Ob deines Frevels halben er verderben soll,
Den du verübtest wider uns und unser Kind.
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Andromache.
O Ruhm, o Ruhm, wie viele tausend Sterbliche,
Die Nichts gewesen, hobest du zur Macht empor!
Wohl preis ich jene glucklich, die sich wahren Ruhm
Errungen; wer sich ihn erlog, hat seinen Ruhm
Dahin; dem Glicke dankt er's, daß er weise scheint.
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Du nahmest einst mit einem auserlesenen
Hellenenheere Troja, du Feigherziger,
Der um ein Wort der großgewachsenen Tochter so
Aufstürmt' im Unmuth, und mit mir unseligen
Sclavin zu hadern sich erhob? Ich achte dich
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Nicht würdig Troja's oder Troja dein hinfort.
Von aussen glänzt der Eitle, der sich weise dunkt;
Nach innen ist er Allen gleich, nur daß vielleicht
Reichthum vor Andern ihn beglückt, der viel vermag.
Menelaos, auf! Vollenden laß uns dies Gespräch.
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Mich todte deine Tochter, sie verderbe mich:
Der Schmach der Blutschuld wird sie dann nicht mehr entfliehn.
Des Volkes Stimme zeichnet dich als schuldig auch
An diesem Frevel, den du mitverüben halfst.
Entrinn' ich aber selber noch dem Untergang,
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So mordet ihr den Knaben? Doch wie truge dann
Der Vater wohl gleichmuthig seines Sohnes Tod?
Fürwahr, so ganz unmånnlich nennt ihn Troja nicht.
Nein, was die Pflicht ihn lehrte, was Peleus', des Ahns,
Und seines Vaters würdig ist, das wird er thun:
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Er wird dein Kind verstoßen. Soll ein Andrer dann
Sie frein, was sagst du? Daß sie einem schlimmen Mann
Entflohen sei, die Wackre? Doch da logest du.
Wer mag sie frein auch? Oder soll sie unvermählt
In deinem Haus ergrauen? Ungluckvoller Mann,
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Erblickst du nicht der Leiden überstromend Meer?
Wie viele Kebsfraun wunschtest du der Tochter nicht,
Eh' als sie das erführe, was ich nun gesagt?
Dem kleinen Uebel füge nicht ein großes bei,
Und wenn ein unheilvolles Leid wir Frauen sind,
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So sei die Art der Männer nicht den Frauen gleich.
Hab' ich mit Zaubereien dir dein Kind umstrickt,
Wie sie behauptet, ihren Leib geschädiget;
Dann gerne, nicht ungerne, noch den Weihaltar
Umschlingend, unterwerf ich selbst der Buße mich
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Vor deinem Eidam, der mir kein geringres Leid
Verhängen möge, weil er kinderlos verblieb.
So lautet unsre Rede; doch von deinem Sinn
Besorg' ich Eines: auch um einen Weiberzwist
Zerstörtest du der Phryger unglucksel'ge Stadt.
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Chor.
Du sprachest freier, als die Frau zu Männern spricht,
Und deiner Seele Feuer überschritt das Maß.
Menelaos.
O Frau, gering ist dieses, und nicht würdig mein,
Des Oberfeldherrn, wie du sagst, und Hellas' nicht?
So wisse: was ein Jeder nöthig hat, erscheint
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Ihm größer, als der Phrygerstadt Eroberung.
Ich werde meiner Tochter (denn ich acht' es groß,
Des Manns beraubt zu werden,) treu zur Seite stehn.
Denn Alles, was sie duldet, gilt der Frau gering;
Doch wer ihr raubt den Gatten, raubt das Leben ihr.
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Wie jener meinen Sclaven frei gebieten darf,
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Gleich so gebeut den seinen mein Geschlecht und ich;
Denn Freunde haben, wenn sie wahrhaft Freunde sind,
Kein eignes Gut mehr, sondern nur gemeinsames.
Wenn ich der Fernen harrte, nicht das Meinige
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Am besten fügte, wurd' ich tråg, nicht weise sein.
So räume dieses Heiligthum der Göttlichen:
Wenn du den Tod erduldest, stirbt der Knabe nicht;
Doch weigerst du zu sterben, dann ermord' ich ihn:
Von Beiden Einer fållt dem Tod als Opfer heim.
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Andromache.
Andromache. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .