Du willst dich strauben? Dein Erzeuger mußte dich
Nach andrer Sazung oder unter anderen
460
Gottheiten zeugen, wenn dir dies Gesez misfällt.
Wie viel gescheite Männer sehn, was ihre Fraun
Verbrachen, aber stellen sich, als sahn sie's nicht?
Wie viele Våter, meinst du, stehn den Sohnen bei,
Die Liebeswahn bethörte? Denn der weise Mann
465
Verheimlicht Andern kluglich, was nicht edel ist.
Nicht allzustreng doch bilde dir dein Leben aus:
Láßt doch das Dach, das unsre Wohnung überwdlbt,
Sich schwer zusammenfügen; und wie hofftest du
Aus deinem tiefen Falle dich herauszuziehn?
470
Ja, wenn du mehr des Guten als des Bösen hast,
So bist du, traun, sehr glücklich, als ein sterblich Weib.
Drum, liebe Tochter, banne doch den trüben Sinn,
Den Uebermuth des Trozes; denn nichts Anderes,
Troz ist es, will man stärker sein, als Götter sind.
475
Bu lieben wage, (solches hat ein Gott gewollt,)
Und wende klüglich, was dich quålt, zum Besseren.
Bezauberungen, Schmeichelworte gibt es ja;
Noch sindet sich ein Mittel wider solches Weh.
Fürwahr, die Männer fånden spåt das Richtige,
480
Wenn nicht ein Weib die Mittel auszusinnen weiß.
Chor.
Was diese redet, Phádra, mag ersprießlicher
Bei diesem Unfall wirken; doch ich lobe dich.
Zwar dieser Lobspruch lautet dir verhaßter wohl,
Als ihre Reden, und zu hören schmerzlicher.
485
Phädra.
Hippolytus. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .