So öffneten denn die Megarer, welche zur Partei der
Flüchtlinge gehörten, bereits zuversichtlicher geworden, dem Brasidas
selbst und den von den Städten anwesenden Feldherrn ihre Thore,
gleich als hätten diese gesiegt und als ob die Athener nicht weiter
mehr fechten wollten, und traten, nachdem jene eingelassen waren, mit
ihnen in Unterhandlung, während die, welche mit den Athenern
verhandelt hatten, bereits den Kopf ganz verloren. Danach, als die
Bundesgenossen nach ihren Städten entlassen waren, ging Brasidas
selbst wieder nach Korinth und rüstete zum Zuge gegen Thrakien,
wohin er von vorn herein gewollt hatte. Als nun auch die Athener
wieder nach Hause abzogen, verließen auch diejenigen Megarer, welche
sich an den Verhandlungen mit den Athenern am meisten betheiligt
hatten, wohl wissend, daß dieß nicht unbemerkt geblieben sei, sofort
heimlich die Stadt; die Uebrigen trafen gemeinsame Verabredung
mit der Partei der Flüchtlinge und führten diese aus Pegä zurück,
nachdem sie sich die heiligsten Eide geschworen hatten, keiner
Beleidigung mehr zu gedenken, sondern fürder nur das gemeinsame Beste der
Stadt im Auge haben zn wollen. Nachdem aber jene erst die
Staatsämter in Händen hatten, veranstalteten sie eine Waffenmusterung,
1
2
3
ließen dabei die Abtheilungen aus einander treten, lasen ihre Feinde
und diejenigen heraus, welche sich am meisten mit den Athenern
eingelassen zu haben schienen, ungefähr hundert Personen, und nöthigten
das Volk, über dieselben öffentlich abzustimmen, und richteten sie nach
der Schuldigerklärung hin. Der Stadt gaben sie eine fast ganz
oligarchische Verfassung, und diese Staatsumwälzung, welche in Folge
der Parteistreitigkeiten nur durch sehr wenige Männer in's Werk
gesetzt wurde, blieb eine sehr lange Zeit bestehen.