„Obgleich wir unserer Machtstellung schon etwas vergeben,
wenn wir die Streitsachen mit unseren Bundesgenossen vor
dieSchiedsgerichte bringen lassen, und obgleich wir ihnen in unseren eigenen
Gerichten völlige Rechtsgleichheit mit uns zu Theil werden lassen, so
wird doch behauptet, daß wir streitsüchtig seien. Es fällt aber Keinem
ein, daran zu denken, warum denn Andere nicht getadelt werden, die
auch auswärtige Besitzungen haben und sich gegen ihre Unterthanen
mit viel weniger Mäßigung benehmen, als wir. Wer Gewalt brauchen
kann, dürfte nicht erst vor Gericht gehen. Jene aber sind gewohnt,
mit uns unter völliger Rechtsgleichheit zu verkehren, und wenn ihnen
durch einen Rechtsspruch oder in Folge einer Regierungsmaßregel
durch Zwang etwas noch so Geringfügiges entzogen wird, was ihnen
nicht in den Kopf will, so wissen sie uns gar keinen Dank, daß wir
ihnen immer noch viel mehr gelassen haben, sondern sie erbittern sich
über den kleinen Verlust mehr, als wenn wir uns von vorn herein
über alles Gesetz hinausgesetzt und der Habgier ganz offen gestöhnt
hätten. Und wären wir so verfahren, so würden sie wohl auch selbst
nicht die Einrede gebraucht haben, daß der Schwächere dem Stärkeren
nicht nachgeben müsse. Denn es scheint, als ob die Menschen sich
mehr erzürnen, wenn ihrem Recht ein geringer Abbruch geschieht, als
wenn sie mit Gewalt ganz darnieder gehalten werden. Das erste nennt
man: von seines Gleichen betrogen werden, das andere: dem
Mächtigeren nachgeben IV). Da sie von dem Perser ganz andere Dinge
erdulden mußten, ertrugen sie es ruhig; unsere Herrschaft scheint ihnen
drückend. Ganz natürlich: denn immer ist dem Unterworfenen die
Gegenwart eine Bürde. Was nun euch betrifft, so möchtet ihr, wenn
es euch gelingen sollte, uns zu stürzen und an unser Statt zu
herrschen, wohl sehr bald die Gunst wieder verloren haben, die man jetzt
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aus Furcht vor uns euch zuwendet, wenn ihr anders noch ähnliche
Grundsätze habt, wie ihr damals während eurer kurzen Oberanfnhrung
gegen die Meder IV sie zeigtet. Denn was bei euch Gesetz und
Sitte ist, ist es nicht bei den Andern, und noch schlimmer wird dies
dadurch, daß Jeder von Euch, wenn er hinaus kommt VI sich so
wenig nach Jenem richtet, wie nach dem, was bei den andern Hellenen
Brauch ist."