- daß sie mit ihren Schiffen im Anzüge seien, und wollten nun,
bevor sie einträfen, mit der Flotte und ihren Streitkräften zu
Lande, die sie zu dem Zwecke zusammenzogen, nochmals einen
Schlag führen. Auf der Flotte trafen sie vershciedene Ein
richtungen, von deren Zweckmäßigkeit sie sich in der vorigen
Schlacht überzeugt hatten; insbesondere verkürzten sie die
Schnäbel der Schiffe, um sie widerstandsfähiger zu machen,
versahen die Vorderteile mit dicken Sturmbalken und unter
stützten diese durch starke, teils außen, teils inwendig an den
Schiffswänden verstrebte, sechs Ellen lange Widerlagen, eine
Verbesserung, wie sie auch die Korinther in der Schlacht bei
Naupaktos an den Schnäbeln ihrer Schiffe vorgenommen hatten.
Denn da die Schiffe der Athener anders gebaut waren und
schwächere Schnäbel hatten, weil sie das feindliche Schiff nicht
vorn, sondern durch eine geschickte Wendung von hinten zu
treffen suchten, so glaubten die Syrakuser es auf diese Weise
mit ihnen aufnehmen und ihnen im großen Hafen, wo die
Schiffe in einem engen Raume kämpfen mußten, unter günstigen
Bedingungen eine Schlacht liefern zu können. Bei ihrem gegen
das Vorderteil des feindlichen Schiffes gerichteten Stoß würde
nämlich der wuchtige, feste Schnabel dessen schwache und
bauchige Teile treffen und ihm den Bug aufreißen, den Athenern
aber in dem engen Raume weder möglich sein, ihre Schiffe von
hinten zu treffen, noch ihnen durch die Ruder zu fahren; denn
dieses, ihr Lieblingsmanöver, würden sie ihrerseits nach Kräften
zu verhindern wissen, jenes aber, das Umfahren, werde die
Enge des Raumes von selbst verbieten. Und was man früher
als eine Ungeschicklichkeit ihrer Steuerleute angesehen, daß sie
auf das Vorderteil des feindlichen Schiffes gehalten, grade das
wollten sie sich jetzt selbst zunutze machen, weil sie dabei im
Vorteil wären. Den Athenern würde nämlich, wenn sie den
Stoß erhalten, nichts übrigbleiben, als sich auf den nahen
Strand nach ihrem Lagerplatze zurückzuziehen, während ihnen
der ganze übrige Hafen zu Gebote stände, und wenn sie zurück
müßten und dann mit allen Schiffen auf einen einzigen engen
Fleck angewiesen wären, so würden ihre Schiffe sich stoßen
und in Verwirrung geraten; wie es denn auch wirklich für
die Athener in alle den damaligen Seegefechten besonders nach
teilig geworden ist, daß sie nicht wie die Syrakuser durch den
ganzen Hafen zurückrudern konnten. Auch würden die Athener,
da sie, die Syrakuser, es in der Hand hätten, sie nach Belieben
von der See her anzugreifen oder sich^zurükczuziehen, nicht um
die Landspitze herum in die offene See gelangen können, zumal
das Plemmyrion in Feindes Hand und die Mündung des
Hafens nur schmal sei.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
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