Zug nach Sizilien zu den vielen Feinden, die ihr hier zurück
laßt, noch neue auf den Hals zu ziehen. Ihr glaubt vielleicht,
ihr hättet doch Frieden geschlossen, und der werde von Bestand
sein. Ja, solange ihr euch auf keine neuen Unternehmungen
einlaßt, wird freilich dem Namen nach Friede sein. Denn
so weit ist es durch Treibereien hier bei uns und unseren
Gegnern schon gekommen. Aber sobald wir mit einem an
sehnlichen Teile unserer Streitkräfte eine Niederlage erleben,
werden unsere Feinde sofort über uns herfallen; denn einmal
haben sie den Frieden eben nur in der Not nach einem un
glücklichen Kriege unter drückenderen Bedingungen geschlossen
als wir, und dann enthält der Vertrag auch für uns zweifel
hafte Punkte genug. Zudem sind mehrere Staaten, und keines
wegs die schwächsten, dem Frieden noch nicht einmal beigetreten,
sondern entweder mit uns noch in offenem Kriege oder doch
nur, weil die Lakedämonier noch nicht losschlagen, auch ihrer
seits durch den zehntägigen Waffenstillstand vorläufig gebunden.
Böte sich ihnen Gelegenheit, uns anzugreifen, weil wir unsere
Kräfte geteilt, womit wir es jetzt so eilig haben, so würden sie
sich gewiß nicht lange besinnen, uns mit den sizilischen
Griechen zu Leibe zu gehen, die sie schon längst so gern zu
Bundesgenossen gehabt hätten. Das müssen wir im Auge
behalten, um unser schwankendes Staatsschiff nicht neuen Ge
fahren auszusetzen, und nicht nach Ausdehnung unserer Herr
schaft trachten, bevor wir die jetzige befestigt haben. Die seit
Jahren aufsässigen thrakischen Chalkidier sind immer noch un
bezwungen, und auch anderswo auf dem Festlande steht es
mit dem Gehorsam vielfach noch recht bedenklich. Freilich,
wenn unseren Bundesgenossen in Egesta ein Unrecht wider-
fährt, sind wir gleich bei der Hand, ihnen beizustehen; gilt
es aber, uns selbst des Unrechts zu erwehren, das unsere
Bundesgenossen uns durch ihren Abfall schon lange angetan
haben, so hat eS damit keine Eile.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.