Richter die Frage, was sie im Laufe des Krieges für sie ge
tan, sachgemäß gestellt zu haben. Denn da sie schon vorher
ihre Aufforderung, sich im Sinne des alten, nach dem Perser
kriege mit Pausanias geschlossenen Bündnisses stillzuhalten,
und dann auch den ihnen vor Beginn der Belagerung ge
machten Vorschlag, neutral zu bleiben, zurückgewiesen hatten,
so waren sie ihrer Ansicht nach durch die Ablehnung dieses be
rechtigten Verlangens bereits bundbrüchig und ihre Feinde ge
worden. Sie ließen sie also nochmals einzeln vortreten und
ihnen die Frage vorlegen, ob sie im Laufe des Krieges etwas
für die Lakedämonier und ihre Bundesgenossen getan hätten,
und wenn sie die verneinten, abführen und hinrichten, und
zwar alle bis auf den letzten Mann. Im ganzen töteten sie
mehr als zweihundert Platäer und die fünfundzwanzig Athener,
welche die Belagerung mitausgehalten hatten, die Weiber aber
verkauften sie in die Sklaverei. Die Stadt überließen die
Thebaner ein Jahr lang den bei einem Aufruhr aus ihrer
Heimat vertriebenen Megarern und ihren noch übriggebliebenen
alten Anhängern aus Platää. Später aber zerstörten sie die
Stadt von Grund aus und bauten neben dem Heratempel eine i
Herberge von zweihundert Fuß Länge, oben und unten ringsum ^
mit Zimmern darin, zu der sie Dachsparren und Türflügel aus
Platää verwandten. Aus dem, was es sonst an Hausgerät,
Erz und Eisen in der Stadt gab, machten sie Ruhebetten und
weihten sie der Hera, der sie einen steinernen Tempel von
hundert Fuß Länge erbauten. Das Land machten sie zu Staats-
eigentum und verpachteten es auf zehn Jahre für Rechnung
der Thebaner. Wie denn die Lakedämonier überhaupt, wohl,
um den Thebanern zu gefallen, so hart gegen die Platäer ge
wesen waren, weil sie auf deren Freundschaft damals, wo der
Krieg im vollen Gange war, großen Wert legten. So endete
Platää, im dreiundneunzigsten Jahre, nachdem es dem Athe
nischen Bunde beigetreten war.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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