und seid mir, mit dem ihr ja selbst für den Krieg gestimmt
habt, nicht böse, wenn die Feinde uns jetzt ins Land gekommen
sind und es nur gemacht haben, wie eben nicht anders zu er
warten war, wenn wir nicht zu Kreuze kriechen wollten. Dazu
ist dann unerwartet noch die Pest gekommen, allerdings ein
schweres Leiden, aber auch das einzige, worauf wir nicht ge
faßt sein mußten. Ich weiß auch, daß ich ihretwegen noch
besonders gehaßt werde, aber sehr mit Unrecht; ihr müßtet es
denn auch mir zuschreiben, wenn euch mal ein unerwartetes
Glück in den Schoß fiele. Was die Götter schicken, muß man
mit Ergebung, was der Krieg bringt, mannhaft ertragen. So
hat man die Sache hier in Athen immer angesehen, und so
laßt es auch ferner bleiben. Unsere Stadt hat ja eben deshalb
in der Welt den großen Namen, weil sie sich dem Unglück nie
gebeugt und im Kriege weder Opfer an Menshcenleben noch
Beschwerden gescheut hat und dadurch eine Macht geworden
ist, wie sie bis dahin denn doch nie dagewesen. Und so wird
sie auch für immer im Gedächtnis der Nachwelt fortleben,
sollte es auch wirklich jetzt mit uns zurückgehen; denn die Bäume
wachsen nun einmal nicht in den Himmel. Haben wir doch
als Griechen über die meisten Griechen geherrscht, sowohl der
Gesamtheit wie den einzelnen in gewaltigen Kriegen wider
tsanden und unsere Stadt groß und blühend gemacht wie keine
andere. Schlafmützen freilich werden davon nichts hören wollen;
wer sich aber fühlt und es selbst zu was bringen will, wird
uns nacheifern, und wenn ihm das nicht gelingt, uns wenigstens
beneiden. Und wenn man uns jetzt haßt und gern los sein
möchte, so ist das noch allen so gegangen, die das Zeug in
sich fühlten, über andere zu herrshcen. Wer aber um den
Preis von Ruhm und Größe auch Haß und Neid in den Kauf
nimmt, macht kein schlechtes Geschäft; denn Haß währt nicht
lange, der große Name aber, wenn man ihn mal hat, ist un
sterblich. Nehmt also im voraus darauf Bedacht, was euch
künftig Ehre und gegenwärtig keine Schande machen wird,
und strebt danach, daß euch beides zuteil werde. Laßt euch
mit den Lakedämoniern auf keine Verhandlungen ein, damit
es nicht aussieht, als ob euch die jetzigen Beschwerden zu viel
würden. Je weniger man im Unglück den Mut verliert, je
steifer man den Nacken hält, um so besser wie für die einzelnen,
so für die Staaten."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.