Stadt starben ihnen die Menschen, und draußen verwüstete der
Feind ihr Land. Kein Wunder, daß sie sich in dieser Not
auch der Weissagung erinnerten, die ihnen, wie die alten Leute
versicherten, vorzeiten mal verkündet worden war: „Es wird
kommen der dorische Krieg und damit die Seuche."
Nun entstand freilich Streit darüber, ob es in dem alten
Spruche die Seuche (Loimos) oder die Hungersnot (Limos)
geheißen habe. Unter den damaligen Umständen aber behielt
natürlich die Ansicht die Oberhand, daß es die Seuche ge
heißen, weil man ihn eben dem anpaßte, was man selbst er
lebte; und ich glaube, wenn einmal wieder ein dorischer Krieg
käme und dabei eine Hungersnot einträte, so würde man sich
den Spruch wahrscheinlich auch danach zurechtlegen. Allen
aber, denen sie bekannt geworden, fiel nun auch die Antwort
ein, welche das Orakel den Lakedämoniern auf die Frage, ob
sie Krieg anfangen sollten, erteilt hatte: „wenn sie den Krieg
nachdrücklich führten, würden sie siegen und der Gott selbst
werde auf ihrer Seite sein"; und da fand man nun, daß der
bisherige Verlauf der Sache dem völlig entspräche. Denn
gleich nach dem Einfall der Peloponnesier war die Pest aus
gebrochen, der Peloponnes aber so gut wie ganz davon ver
schont geblieben. Am ärgsten dagegen war sie grade in Athen
und danach auch in anderen besonders volkreichen Orten auf
getreten. So viel von der Pest und ihren Folgen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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