sind in der Regel des Lobes voll darüber gewesen, daß man
bei unserer Totenfeier auch diese Rede eingeführt habe, sei eS
doch eine schöne Sitte, unsere gefallenen Helden durch eine
Rede am Grabe zu ehren. Nach meinem Gefühl hätte man
eS lieber dabei lassen sollen, die Verdienste, die sich diese Männer
durch ihre Taten erworben, auch nur durch eine Tat zu ehren,
ich meine, durch solch ein ehrenvolles Begräbnis, wie ihr es
heute wieder mit angesehen habt, anstatt es für die Beginn
bigung der Verdienste so vieler Helden darauf ankommen zu
lassen, ob einer eine gute oder eine schlechte Rede hält. Eine
solche Rede zu halten, ist schwer, und eS wird dem Redner
kaum gelingen, seine Zuhörer zu überzeugen, daß er jene Ver
dienste zutreffend gewürdigt habe. Denn wer selbst mit dabei
gewesen und überhaupt ein guter Athener ist, wird die Rede
im Vergleich zu dem, was er erwartet und von der Sache
weiß, leicht zu matt finden, wer es aber nicht selbst miterlebt,
wird manches für übertrieben halten, weil man keinem ein
Lob für Leistungen gönnt, die man sich selbst nicht auch zu
traut; denn soweit man es anderen noch gleichtun zu können
meint, kann man das ihnen erteilte Lob allenfalls ertragen,
darüber hinaus aber ist man gleich neidisch und will nicht
daran glauben. Da man nun aber seinerzeit der Meinung
gewesen ist, daß es so besser sei, so muß auch ich mich der
eingeführten Ordnung fügen und werde versuchen, es jedem
von euch möglichst nach Wunsch und Sinn zu machen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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