ihr den peloponnesischen Städten Verfassungen in eurem Sinne
aufzwingt. Hättet ihr damals den Oberbefehl bis zuletzt be
halten und dabei so viel Haß geerntet wie wir, so würdet ihr
die Bundesgenossen auch nicht mit Sammethandshcuhen an
gefaßt und, wolltet ihr nicht selbst zu Schaden kommen, nicht
umhin gekonnt haben, die Zügel scharf anzuziehen. Wir haben
also durchaus nichts Wunderbares oder gar Unerhörtes getan,
wenn wir eine uns angebotene Herrschaft angenommen und
sie dann auch behauptet haben, weil uns drei mächtige Trieb
federn, Ehre, Furcht und Vorteil, dazu drängten. Sind wir
doch nicht die ersten, die es so gemacht, vielmehr ist es in der
Welt von jeher so gewesen, daß sich der Schwächere dem
Stärkeren hat fügen müssen. Und nach unserer Meinung kam
uns das zu, und der Meinung seid ihr früher selbst gewesen,
bis ihr es neuerdings vorteilhaft fandet, den Rechtsstandpunkt
ins Feld zu führen; durch den aber hat sich noch niemand ab
halten lassen, unbedenklich zuzugreifen, wo sich ihm zur Aus
breitung seiner Macht Gelegenheit bot. Wenn aber ein Volk
trotz des dem Menschen nun mal angeborenen Bedürfnisses,
über andere zu herrschen, dann doch mit Gerechtigkeit regiert,
auch wo seine Macht ihm das Gegenteil gestatten würde, so
sollte man das anerkennen. Wie milde unsere Herrschaft ge
wesen ist, würde sich wahrscheinlich erst recht zeigen, wenn ein
anderer an unsere Stelle träte; aber statt das anzuerkennen,
macht man uns in seiner Verbissenheit selbst unsere Milde
zum Verbrechen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.