Der Wächter.
Ich weiß es nicht; denn weder eines Beiles Hieb
War dort, noch einer Hacke Wurf, der Boden dicht
250
Und fest und bruchlos, auch mit Wagenrädern nicht
Befahren; spurlos blieb es, wer der Thäter war.
Und wie es uns der erste Tageswächter zeigt,
1
Erschien es Allen unerklärlich wunderbar.
Die Leiche war verschwunden, nicht begraben zwar;
255
Dünn, wie den Fluch zu meiden, lag der Staub darauf.
2
Von einem Raubthier oder Hund war keine Spur,
Die hergekommen und an ihr herumgezerrt.
Nun schollen böse Reden auf einander los,
Der Wächter zich den Wächter; wohl auch endet' es
260
Zulezt mit Schlägen; Keiner war zu wehren da.
Denn Einer wie der Andre war der Thäter hier,
Und Keiner überführbar; Jeder stritt es ab.
Mit Händen fassen wollten wir ein glühend Erz,
3
Durch Feuer gehen, schwören bei den Göttern selbst,
265
Daß wir es nicht verübten noch im Bunde sei'n
Mit Einem, der's ersonnen oder ausgeführt.
Am Ende, da kein Forschen mehr uns weiter half,
Sprach Einer, der uns alle zwang, vor Furcht das Haupt
Zur Erd' hinabzusenken denn wir wußten nicht
270
Zu widersprechen, noch wiefern wir, thäten wir's,
Uns helfen könnten dieser rieth, man müsse dir
Die Sache hinterbringen, nicht verheimlichen.
Und seine Meinung siegte: mich Unseligen
Verdammt zu diesem schönen Glück des Looses Wurf.
275
Nun steh' ich hier, nicht willig vor Unwilligen:
Niemand ja liebt den Boten unwillkommner Mähr.