Euripides Iphigenia in Aulis 378

Johann Jakob Christian Donner (Translator)

Milde denk' ich dich zu strafen, kurz, und nicht mit frecher
370
Stirn,
Noch in schamlos stolzen Lauten, nein, mit edler Måßigung;
Denn du bist mein Bruder; Scham auch liebt ein wohlgesinnter Mann.
Sage mir: was schnaubst du zornig, und das Auge blutigroth?
Wer verlezt dich? Was begehrst du? Dein vortrefflich Weib zuruck!
Ich vermag dir's nicht zu schaffen: die du hattest, hast du schlecht
375
Dir bewahrt: nun soll ich büßen, was nicht ich, was du gefehlt?
Oder quålt dich so mein Ehrgeiz? Nein, im Arme wunschest du
Nur ein schönes Weib zu haben, achtest nicht Vernunft und
Recht,
Hohnst die Zucht. Des schlechten Mannes Freuden sind gemeine Lust.
Wenn ich schlimm zuvor gewählt, und dann zum Bessern mich besann,
380
Ras ich darum? Eher du, der, eines schndden Weibes los,
Sie zurückzuführen trachtet, da's ein Gott dir wohl gefugt!
Liebentbrannte Freier schwuren unbedacht dem Tyndareus
Ihren Eid; sie trieb die Hoffnung, eine Göttin, mein' ich, wohl; 1
Sie hat dieses ausgerichtet, weder du noch deine Macht.
385
Nimm sie denn, zieh' aus mit ihnen; deine Thorheit bůßest du
Nicht verstandlos ist die Gottheit, und sie kennt die Schwure
wohl,
Dic, gewaltsam aufgedrungen, nicht auf festem Grunde ruhn
Meine Kinder werd' ich niemals morden, und dein eignes
Wohl
Wehrt es, daß du widerrechtlich Rache für die Schudde nimmst.
390
Aber ich verzehrt' in heißen Thrånen Tag' und Nachte mich,
Wenn ich ruchlos ungesezlich freveln wollt' am eignen Blut.
Hier vernahmst du meine Meinung, kurz und klar und leicht gefaßt;
Willst du nicht das Bessre wählen, ordn' ich doch das Meine wohl.

Iphigenia in Aulis. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .

Current edition Experimental

German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) (German) (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.)

Provisional text from uncorrected OCR; expect errors.

Editions (1)
Ἰφιγένεια ἐν Αὐλίδι Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978)) — 303-542 focus
Translations (2)
Iphigenia at Aulis Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 303-540 focus
Iphigenia in Aulis (OCR draft) Experimental (Iphigenia in Aulis. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

No corresponding passage available

Notes on the current edition

Iphigenia in Aulis

1. [OCR note; compare the printed page.] sie trieb die Hoffnung zu dem Eide, indem jeder von ihnen die Helena zu gewinnen hoffte. 〃 389 f. L. καὶ τὸ σὸν μὲν εὖ παρὰ δίκην ἐςαι κακίςης εὐνίδος τιμωρία. Wir ergänzen die Verneinung aus dem vorhergehenden Saze (τἀμὰ δ᾽ ἐκ ἀποκτενῶ ῾γὼ τέκνα), leſen παρὰ δίκην, da die Lesart der Handschriften πέρα δίκης prosodisch unzulässig ist, und übersezen wörtlich: neque tuum commodum (d. i. tibi commodo) erit vindicta pro foedissima muliere contra jus (injusto modo) sumta. Man könnte auch τὸ σὺν für od nehmen, und τιμωρίᾳ (als Dativ) schreiben. Dann wäre der Sinn: „und es wird dir nicht wohl sein, du wirst dich nicht wohl befinden durch die Rache, wenn du auf eine so das Recht verhöhnende Weise Rache nimmst." Compare printed p. 69