O Tyndaride, Klytamnestra, tritt hervor
1505
Aus diesem Zelte, daß du hörst des Boten Wort.
Klytamnestra.
Vernehmend deiner Stimme Laut, erschien ich hier,
Ich Arme, zitternd und betäubt in banger Furcht,
Du kommst, ein neues Ungemach zum alten Leid
Der Bote.
Mir kundzuthun.
1510
Von deinem Kinde will ich nur
Dir Wunderbares melden, nie Gesehenes.
Klytamnestra.
So zögre nicht, und ohne Zaudern sag' es mir.
Der Bote.
Geliebte Fürstin, deutlich hörst du Jegliches.
Von Anbeginn erzähl ich, wenn mein wirrer Sinn
Richt beim Erzählen etwa mir die Zunge lähmt.
1515
Sobald im opferreichen Hain der Artemis
Wir angekommen und den blumenreichen Au'n,
(Wo rings Achaa's Heeresmacht versammelt stand,)
Dein Kind geleitend; augenblicks umdrångten uns
Argeierschaaren. Als der Fürst Agamemnon jezt
1520
Sein Kind zum Opfer in den Hain herwandeln sah;
Da seufzt' er laut, und ergoß sich, abgewandt das Haupt,
In Thränen, bergend in's Gewand der Augen Licht.
Doch jene trat an ihres Vaters Seite nun,
Und sprach die Worte: Vater, sieh, da bin ich schon,
1525
Und biete froh zu meines Vaterlandes Wohl,
Für alles Land von Hellas biet' ich meinen Leib
Freudvoll zum Opfer am Altar der Artemis
Den Führern, wenn es also will der Gottesspruch.
So viel an mir ist, seid begluckt, und Siegesdank
1530
Erringend, kehrt zum Vaterlande froh zuruck.
Darum berühre Keiner mich von Argos' Heer;
Denn still den Nacken biet' ich dar mit hohem Muth.
Und also sprach sie; Ieder, der das Wort vernahm,
Staunt' an der Jungfrau Tapferkeit und Heldensinn.
1535
Talthybios, dazu geordnet, trat hervor,
Andachtig Schweigen allem Volk' ankundigend.
Der Seher Kalchas legte dann den scharfen Stahl,
Nachdem er ihn von innen aus der Scheide zog,
In goldnen Korb, und kränzte deiner Tochter Haupt.
1540
Der Sohn des Peleus aber nahm den Korb, zugleich
Das heilige Wasser, und umlief den Festaltar.
Er sprach: O Göttin Artemis, Thiertödterin,
Die klares Licht hinschlängelt durch die dunkle Nacht,
Empfange dieses Opfer, das wir spenden dir,
1545
Das Heer Achaa's und Agamemnon, unser Fürst,
Des schonen Jungfraunackens unentweihtes Blut,
Und gib den Schiffen unversehrte Fahrt, und laß
Die Zinnen Troja's untergehn durch unsern Speer!
Zur Erde blickend standen Atreus' Sohn' und wir;
1550
Iphigenia in Aulis. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .