Wohl zeugt, o Jungfrau, dein Entschluß von edlem Sinn;
Doch grausam ist das Schicksal, grausam Artemis.
Achilleus.
Tochter Agamemnons, glucklich machte mich ein Gott,
Der dich in froher Ehe mir vereinigte.
1
1385
Um dich beneid' ich Hellas und um Hellas, dich;
Du sprachest edel und des Vaterlandes werth,
Entsagst dem Kampf mit überlegner Göttermacht,
Und wåhlst das Schöne dir im Unabwendbaren.
Noch größre Sehnsucht lebt in mir nach deiner Hand,
1390
Seitdem ich, Hochgesinnte, schaut' in dein Gemuth.
Bedenk' es wohl; mich drångt es, Liebes dir zu thun,
Dich heimzuführen; Thetis weiß, tief schmerzt es mich,
Wenn ich im Kampfe mit Argos dich nicht retten kann.
Erwäge, Kind: ein furchtbar Uebel ist der Tod.
1395
Iphigenia.
Nein, frei erklär' ich ohne Scheu vor Jedermann:
Die Tyndarid' erregte Männerkampf und Mord
Durch ihre Schonheit wohl genug; doch du, mein Freund,
Stirb nicht um mich, und morde Niemand meinethalb;
Nein, laß mich Hellas retten, wenn ich das vermag.
1400
Achilleus.
Erhabne Seele, Nichts erwiedern kann ich mehr
Auf dieses, weil es also dir gefällt; du denkst
So groß; warum nicht eingestehn, was Wahrheit ist?
Doch möglich, daß du diesen Schritt einmal bereust.
So merke dieses lezte Wort aus meinem Mund:
1405
Mit diesen Kriegern stell' ich beim Altar mich auf,
Nicht zuzulassen deinen Tod, nein, wehrend ihn.
Vielleicht, du machst von meinen Worten noch Gebrauch,
Wann deinem Nacken nahe du das Schwert erblickst.
Nicht dulden werd' ich, daß du stirbst aus Unbedacht;
1410
Mit diesen Kriegern eil' ich denn zum Heiligthum
Der Göttin, dort zu harren deiner Gegenwart.
(mit den Bewaffneten ab.)
Iphigenia.
Iphigenia in Aulis. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .