Was ich ruhig überlegend, Mutter, aussann, hore nun:
Sterben ist mein fester Vorsaz, und vollenden will ich es
1355
Auch mit Nuhm, unedle Regung tilgend aus der edlen Brust.
Drum erwåge du mit uns jezt, Mutter, ob ich's wohl bedacht:
Mir hat Hellas' ganzes großes Volk die Blicke zugewandt,
Und auf mir ruht seiner Schiffe Fahrt und Troja's Untergang;
Mir verdankt es, wenn ein Fremdling künftig buhlt um seine Fraun,
1360
Daß er sie nicht mehr von Argos' sel'gem Land wegrauben darf,
Wann um Helena's Entführung Ilion Verderben traf.
Dieses Alles werd' ich sterbend schirmen, und mein Name lebt,
Weil ich Hellas' Volk befreite, selig fort in Ruhmesglanz.
Denn wozu sollt' auch das Leben mir vor Allem theuer sein?
1365
Allen hast du mich geboren, allem Volk, nicht dir allein.
Viele tausend Männer werden, mit dem Schild am Arm
Tausend' auch, des Ruders kundig, sühnend unsers Landes
bewehrt,
Schmach,
Muthig auf den Feind sich sturzen, in den Tod für Hellas gehn:
Ich, ein einzig Leben, würde diesem Allem hinderlich?
1370
Wäre das gerecht, und welches Wort erwiedern könnt' ich hier?
Dieses auch noch laß mich sagen: nicht des Weibes wegen darf
Er zum Kampf mit allem Volke schreiten und zu Grunde gehn;
Denn der eine Mann verdient das Leben mehr als tausend
Fraun.
Und wofern als blutend Opfer Artemis mein Leben will:
1375
Soll ich ihr entgegentreten, Göttern ich, die Sterbliche?
Nein! Unmöglich! Hellas geb' ich meinen Leib zum Opfer hin.
Schlachtet mich, zerstdret Troja! Denn ein Denkmal ist mir das
Ewig, das sind meine Kinder, meine Hochzeit und mein Ruhm.
Hellas' Volke sei der Fremdling unterthan, doch, Mutter, nie
1380
Frohne Hellas' Volk den Fremden; Knechte sind sie, Freie wir!
Chor.
Iphigenia in Aulis. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .