Euripides Orestes 844-959

ed. Gilbert Murray

View: By Card

Orestes. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Ὀρέστης (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978))

Translations (3)
Orestes Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 844-957 focus
Orestes (OCR draft) Experimental (Orestes. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

No corresponding passage available

German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 844 focus
Hat, übermannt von gottverhängter Raserei,
Ihr Fraun, Orestes sich entfernt von diesem Haus?
Gerade kam ich durch das Thor vom Felde heim,
Verlangend, auszukunden, was dein Schicksal sei
Und deines Bruders: denn ich hing mit Liebe stets
855
An eurem Vater; dieses Haus ernährte mich,
Der dürftig, aber edel, gern den Freunden dient.
Da seh' ich Haufen Volkes nach dem Hügel ziehn,
Wo, sagt man, erstmals Danaos, dem zürnenden
Aegyptos büßend, Argos Heer sich sammeln hieß.
860
Die Menge schauend, fragt' ich Einen aus der Stadt: 1
Was gibt's in Argos? Ward die Danaïdenstadt:
Durch eine Botschaft aufgeschreckt, daß Feinde nah'n?
Doch der versezte: siehst du nicht Drestes hier
Ganz nahe wandeln? Dieser geht zum Todeskampf.
865
Nun seh' ich unvermuthet - hått ich's nie gesehn! -
Vereint Drestes schreiten mit dem Pylades;
Er, matt von Krankheit, senkte trüb den düstern Blick;
Der Andre trauert um den Freund, dem Bruder gleich,
Und führte liebend an der Hand den Leidenden. :.
870
Als Argos Menge vollgedrängt im Kreise war,
Trat auf ein Herold und begann: Wer unter euch.
Verlangt zu reden, ob Drestes sterben soll,
Der Muttermorder? Drauf erstand Talthybios,
Der deinem Vater Ilion zerstören half.
875
Er redet doppelsinnig; denn er frohnte stets
Den Machtbegabten; deinen Vater pries er hoch,
Doch deinen Bruder lobt' er nicht, sein böses Wort
In gutes hüllend; denn er hab' in seiner That'
Ein schlimmes Vorbild aufgestellt: und immerfort .
880
Vegisthos' Freunden wandt' er zu den frohen Blick.:
Das ist ja dieser Menschen Art: den Glücklichen:.
Umschwärmen stets Herolde; wer die Macht besizt,
Wen hohe Würden schmücken, der ist ihnen werth.
Nach ihm erhob der Herrscher Diomedes sich.
885
Er stimmte wider deinen und des Bruders Tod;
Wenn euch Verbannung strafe, sei das Volk gesühnt. 2
Beifallend riefen Biele laut, er rede wohl;
Die Andern schalten. Und nach ihm erstand ein Mann
Von zügelloser Zunge, stark durch kühnen Troz,
890
Gezwungen nur Argeier, nicht aus Argos selbst;
Auf lauten Beifall pocht' er und auf thörichten
Freimuth, beslissen, Schmach zu häufen auf das Volk.
Wenn einer, süß in Worten und im Herzen schlecht,
Beschwazt die Menge, bringt es große Noth der Stadt:
895
Doch wer verständig immer sinnt auf guten Rath;
Wenn nicht sogleich auch, frommt er doch in spåt'rer Zeit
Dem Volke. Darauf achte wohl ein Herrschender:
In gleichem Falle lebt ja, wer ein hohes Amt
Empfing, und jener, dem die Kraft des Wortes ward.
900
Der rieth, Drestes auf den Tod zu steinigen
Und dich: er sprach, wie Einer, der auf euren Mord
Es abgesehen, aufgestellt von Tyndareus.
Ein Andrer, nun auftretend, sprach entgegen ihm,
Nicht lieblich zwar im Aeußern, doch ein edler Mann;
905
Die Stadt besucht er selten und des Marktes Rund,
Sein Feld bestellend, (was allein das Land erhält,)
Doch auch erfahren, wann er will, im Redekampf;
Unsträflich lauter wandelt' er sein Lebenlang.
Er rieth, Drestes, Agamemnons Heldensohn,
910
Zu kränzen, der den Vater råcht' aus eignem Trieb,
Ermordend jenes schnode, gottvergessne Weib,
Das jedem Manne sich den Arm zu waffnen wehrt,
Und aus der Heimat auszuziehn in fernen Krieg,
Wenn, die zu Hause blieben, ihm des Hauses Hut,
915
Sein Weib, verführen, ihm entweihn der Ehe Bett.
Und edle Männer fanden gut, was 'er gesagt,
Und Keiner sprach mehr. Nun begann dein Bruder selbst
Vortretend: „Die ihr Inachos' Gebiet bewohnt,
Ehmals Pelasger, Danaïden drauf genannt,
920
Nicht minder als den Vater hab' ich euch beschůzt,
Als ich die Mutter todtet': ist der Gatten Mord
Den Fraun gestattet, mochtet ihr dem Tode nicht
Entrinnen, oder Knechte sein von euren Fraun,
Und dessen, was euch ziemte, thun das Gegentheil. 3
925
Nun ist das Weib, das meines Vaters Bett verrieth,
Gefallen. Wenn ihr aber mich ermorden wollt,
Ist alles Recht hin, Keiner mag dem Tod' entfliehn,
Da nie hinfort an solcher Frechheit Mangel ist."
Wohl schien er wahr zu reden; doch vermocht' er Nichts,
930
Und jener Schnode siegte, der im Volke sprach,
Für deines Bruders stimmend und für deinen Tod.
Kaum mocht Drestes, daß man ihn nicht steinige, 4
Das Volk bereden; er verhieß, durch eigne Hand
Sein Leben noch an diesem Tag zu endigen
935
Mit dir. In Thränen schwimmend führt ihn Pylades
Jezt aus dem Rath der Bürger, und die Freundesschaar
Folgt weinend und bedauernd; bald erscheint es dir,
Das bittre Schauspiel, ein bejammernswerthes Bild.
So leg' ein Schwert denn oder einen Strang zurecht;
940
Du mußt vom Lichte scheiden: dein erhabner Stamm
Hat nicht gefrommt dir, noch der Gott in Pytho's Haus,
Der auf dem Dreifuß waltet; er vernichtet' euch.