Euripides Orestes 682

Johann Jakob Christian Donner (Translator)

Ich trag', Orestes, wahrlich Scheu vor deinem Haupt,
670
Und dulden will ich deine Noth mit dir vereint.
Denn also muß man blutsverwandter Freunde Leid
Gemeinsam tragen, wenn die Kraft ein Gott verleiht,
Die Feinde todtend, wenn es gilt, und sterbend auch.
daß die Gotter mir die Kraft verliehen nur!
675
Denn ganz entblößt von Streitgenossen komm' ich her, 1
In tausend Müh'n umirrend, mit der kleinen Macht
Der Kriegsgefährten, welche mir noch übrig blieb.
So möchten wir denn Argos Heer in offnem Kampf
Nicht überwinden; aber daß ein mildes Wort
680
Den Sieg verschaffen könne, das vertrau' ich fest.
Wie möchte Jemand Großes mit geringer Kraft
Besiegen? Unklug wär' es, das zu wollen nur.
Denn wann das Volk aufbrausend schäumt in wildem Zorn,
Nicht leicht zu dämpfen ist es, gleich entflammter Glut;
685
Doch wenn du ruhig vor dem unmuthschnaubenden
Schmiegsam zurücktrittst, und die gute Zeit gewahrst;
Mag wohl die Wuth verhauchen, und, hat's ausgetobt,
So wirst du leicht es lenken, wie es dir gefällt.
Ihm wohnt das Mitleid, ihm der Zorn im Busen auch;
690
Wer wohl die Zeit abwartet, wählt das Beste sich.
Nun geh' ich, Argos' Bürger und Tyndareos
Für dich zu stimmen, ihren Groll zu måßigen.
Ein Schiff, an dem du mit Gewalt die Segel spannst,
Sinkt unter; nimm die Segel bei, so hålt es Stand.
695
Die Götter hassen ungemessnen Uebermuth,
Der Bürger hast ihn; wisse denn, nicht eitler Troz,
Der Macht geboten, nur die Klugheit rettet dich.
Ich möchte, wie du wahnst vielleicht, nicht durch Gewalt
Dich retten; nicht leicht ist es ja, mit Einem Speer
700
Die Leiden überwinden, die dich rings umdrohn.
Mit sanften Worten hab' ich Argos Volke noch
Niemals geschmeichelt; aber nun gebeut die Noth,
Die weise Männer dem Geschick sich fügen lehrt.
(ab.)

Orestes. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .

Current edition Experimental

German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) (German) (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.)

Provisional text from uncorrected OCR; expect errors.

Editions (1)
Ὀρέστης Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978)) — 807-843 focus
Translations (2)
Orestes Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 807-840 focus
Orestes (OCR draft) Experimental (Orestes. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

No corresponding passage available

Notes on the current edition

Orestes

1. [OCR note; compare the printed page.] Nach der Erklärung Matthiä's: Ein Führer, ohne Streitgenossen, komm' ich her. Compare printed p. 224