Menelaos, hemme deinen zornentbrannten Muth,
1615
(Ich Sohn der Leto, Phobos, nah' und rufe dir,)
Auch du, Orestes, der den Stahl auf diese zückt,
Damit du horest, was ich euch zu melden kam.
Die Du, dem Gatten grollend, erst in schwerem Zorn
Ermorden wolltest und verfehltest, Helena,
1620
Sie ist es, die ihr droben seht im Aetherraum,
Gerettet, und nicht hingestreckt von deinem Arm.
Ich habe sie gerettet und (denn also hat
Mir Vater Zeus geboten) deinem Schwert' entrückt.
Denn ewig muß sie leben als die Tochter Zeus',
1625
Und Kastor und Polydeukes hoch im Aetherraum
Zur Seite sizen, Schuz und Schirm den Schiffenden.
Du führ' ein andres Mädchen heim in dein Gemach!
Um ihrer Schönheit willen hat der Götter Rath
zu Hader Hellas ausgereizt und Phrygia,
1630
Und Mord gesendet, um die Welt vom Uebermuth
Der Menschenmengen ohne Zahl zu reinigen.
Dies sag' ich wegen Helena's. Du, weiche nun,
Sprößling Agamemnons, aus den Gränzen dieser Stadt,
Und wohn' ein Jahr durch auf den Hohn Parrhasia's.
1635
Dereinst, im Namen deine Flucht verewigend,
1
Heißt Dresteion eine Stadt Arkadia's.
Von dort gelangst du nach der Athender Stadt;
Da mußt du Rede stehen für der Mutter Mord
Den Eumeniden: Richter sind die Götter dir;
1640
Auf Ares' Hügel werden sie gerechten Spruch
Dir sprechen, daß du deiner Straf entlassen wirst.
Doch diese, die dein Stahl bedroht, Hermione,
Ist als Gemahlinn dir bestimmt, und der sie heim
zu führen wähnt, Neoptolemos, erhält sie nie.
1645
Denn durch ein Schwert der Delpher ist ihm Tod verhängt,
Wann er des Vaters Mord an mir zu rächen kommt.
2
Die Schwester gib dem Freunde, dem du sie gelobt,
3
Zum Weibe: seiner wartet noch ein glucklich Loos.
Du laß Dresten König sein in Argos Stadt,
1650
Menelaos; geh und herrsch' im Spartiatenland,
Der Gattinn Morgengabe, die, zahlloses Leid
Dir immerdar bereitend, dich hieher geführt.
Zu seinen Gunsten stimm' ich nun der Bürger Sinn;
Ich war's ja, welcher ihm gebot den Muttermord.
1655
Drestes.
Orestes. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .