Wo warst du da? Lang vielleicht aus Furcht entflohn?
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Der Phryger.
Ich ließ nach phrygischem, phrygischem Brauch
An der Helena, Helena Locken,
1405
An die Wang' ihr kühlende Luft hinwehn
Mit rundem gefiedertem Fächer,
Nach Barbarensitte.
Drehend an dem Rocken den Lein,
Ließ ihr zarter Finger
1410
Gleiten zur Erde das Gespinnst;
Von dem phrygischen Raub ein Todtengeschenk
Für das Grabmal war sie zu weben bedacht,
Ein purpurnes Gewand, o Klytamnestra, dir.
Darauf sprach Orestes zu der Jungfrau von Sparta:
1415
Stehe jezt auf vom Siz, Tochter Zeus', sez' hieher
Deinen Fuß, wandle zu des
Ahnherrn, des Pelops, altgefeiertem Herde, daß
Du dort meine Reden hörst.
Er führt, er führt sie; und sie folgt,
1420
Nicht ahnend, was da kommen soll.
Doch Andres übte sein Gesell,
Der bose Phokier.
„Nicht weichen wollt ihr, Phryger? Seid ihr ewig tråg?"
Und Andre sperrt' er ein im Hausesraum
1425
Anderwärts, in Rossesställe Diesen,
Jenen auf den Säulengang, die Einen hierhin, Andre dort;
Und so trennt' er sie von der Gebieterinn.
Chor.
Und was geschah nach diesem, welches Ungemach ?
Der Phryger.
Idäische, mächtige Mutter,
1430
Allmächtige Göttinn, weh!
blutige That, o gesezlos Leid,
Das ich gesehn, gesehn
Hier im Königshause!
Aus den Purpurkleidern nahmen sie sofort
1435
Verborgne Schwerter in die Hand,
Dort und hier und dort
Umschauend, ob vielleicht Lauscher nahe sei'n.
Wie des Berges Eber, dann
Dem Weibe sich entgegenstellend,
1440
Riefen sie: du mußt, du mußt
Sterben; dein verruchter Gatte mordet dich,
Der des Bruders Sohn verrieth,
Daß er in Argos sterben muß.
Laut heulte sie auf, schrie: weh mir, weh!
1445
Traf mit weißem Arme sich den Busen,
Und traf das Haupt mit unseligem Schlag.
Und in flüchtigem Lauf enteilte sie, die goldene Sandal' am Fuß.
Doch Orestes faßte mit der Hand die Locken,
1450
Vertrat den Weg der Sparterinn,
Und auf die linke Schulter bog er ihr den Hals,
Wollt' ihr in die Kehle stoßen
Den dunkeln Morderstahl.
Chor.
Orestes. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .