Nichts auf der Welt ist edler, als ein treuer Freund,
Nicht Reichthum oder Herrschermacht, und thiricht ist's,
Die Gunst der Menge vorzuziehn dem edlen Freund.
Du bist es, der Aegisthos' Strafe mir ersann,
Du standest bei Gefahren treu zur Seite mir;
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Nun hilsst du wieder mir den Feind demüthigen,
Und weichest nicht. Doch dich zu loben lass ich ab,
Weil auch das allzugroße Lob belästiget.
Nun mir's verhångt ist, auszuhauchen meinen Geist,
So will ich fallen, meine Feinde züchtigend,
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Daß auch verderben, die dem Tode mich geweiht,
Und jammern, die mir solches Loos bereiteten.
Ich bin der Sohn Agamemnons, der erkoren ward
Zu Hellas Herrscher; kein Gewaltherr war er, doch
Besaß er eines Gottes Kraft. Ihn werd' ich nicht
1160
Entehren, sterbend als ein Sklav', ich lasse frei
Mein Leben, wann Menelaos mir zuvor gebüßt.
Wir wären glücklich, wenn wir Eins erreichten, wenn
Uns unerwartet Rettung kam', und wir den Mord
Vollbråchten und nicht stürben: dieses wunsch' ich noch.
1165
Und herzerfreuend ist es, wenn, was unsre Brust
1
Erfüllt, in raschbeschwingtem Wort vom Munde flieht.
Elektra.
Mich dünkt, o Bruder, diese That, sie werde dir
Und diesem Rettung bringen und zum dritten mir.
Drestes.
Mit Göttermunde sprichst du: doch wie kame das?
1170
Ich weiß, die Weisheit, Schwester, wohnt in deiner Brust.
Elektra.
So hdre: du auch merke hierauf, Pylades.
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Drestes.
Sprich: denn das Gute, nur gehofft, bringt Freude schon.
Elektra.
Du kennst die Tochter Helena's? Du kennst sie, ja.
Drestes.
Die meine Mutter einst erzog, Hermione?
1175
Elektra.
Zum Grabe Klytamnestra's ging sie eben fort.
Orestes.
Was will sie thun dort? Welche Hoffnung zeigst du mir?
Elektra.
Der Opfer Spend' ausgießen auf der Mutter Grab.
Orestes.
Wie meinst du das? Wie soll es Rettung mir verleihn?
Elektra.
Sie nehmt zum Unterpfande, wann sie wiederkommt.
1180
Drestes.
Was können wir gewinnen, folg' ich diesem Rath ?
Elektra.
Wenn nach dem Falle Helena's Menelaos dich,
Mich oder diesen (denn wir drei sind Eins) bedroht;
So sage, todten werdest du Hermionen;
Halt' auf der Jungfrau Nacken dann dein Schwert gezückt.
1185
Verheißt er dich zu retten, um der Tochter Tod
Zu wehren, wann er Helena im Blute sieht;
So gib die Jungfrau wiederum in seine Hand.
Doch wenn er, seiner Zorneswuth nicht Meister mehr,
Dich droht zu todten, morde du das Mädchen auch.
1190
Er wird, vermuth' ich, zürnt er Anfangs heftig auch,
Bald seinen Sinn erweichen: denn nicht unverzagt,
Noch kühnes Muthes ist er. Nur dies Mittel, uns
Bu retten, weiß ich. Alles habt ihr nun gehört.
Orestes.
Orestes. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .