Euripides The Phoenician Women 834-1018

ed. Gilbert Murray

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The Phoenician Women. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

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Current edition Perseus

Φοίνισσαι (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978))

Translations (3)
The Phoenician Maidens Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 834-1015 focus
The Phoenician Virgins (OCR draft) Experimental (The Phoenician Virgins. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 834 focus
Vorwärts, o Tochter, führe mich; dem blinden Fuß
Bist du das Auge, wie der Stern dem Schiffenden.
Auf ebnen Grund hier leite meines Fußes Tritt;
Schwach ist der Vater; schreite vor und strauchle nicht:
825
Bewahre mir in deiner jungfräulichen Hand
Des Vogelfluges Loose, die ich sammelte
Um heiligen Orte, wo sich Gottheit mir enthullt.
Du Sohn des Kreon, Kind Mendkeus, sage mir:
Wie weit entfernt ist noch der Weg von hier zur Stadt,
830
Zu deinem Vater? Meine Knie' ermatteten,
Und nach so langem Wege schreit' ich mühsam fort.
Eteokles' halber hielt' ich wohl den Spruch zurück,
Den Mund verschließend; aber weil du's wissen willst,
So red' ich: Kreon, lange schon krankt unser Land,
855
Seit Laios Vater wurde troz den Gottern, und
Der Mutter einen Gatten zeugt' im Dedipus:
Ein warnend Mal für Hellas stellten die Götter auf
In seiner Augen blutiger Verstummelung.
Die Söhne wollten durch die Zeit die grause Schmach
860
Verhüllen, als entflohn sie so der Götter Zorn,
Und fehlten sinnlos; Ehre nicht, noch freien Zug
Vergonnten sie dem Vater, daß der arme Mann
In wildem Unmuth über sie den schweren Fluch
Ausgok, in Krankheit schmachtend und entehrt zugleich.
865
Was that ich hier nicht, welches Wort versucht' ich nicht?
Doch ward ich dadurch Dedipus' Geschlecht verhaßt.
Nun droht, o Kreon, ihnen Tod von eigner hand,
Und viele Leichnam', hingestreckt zu Leichnamen,
Von Thebern und Argeiern, welche sich bekämpft,
870
Erwecken bittern Jammer im Kadmeierland.
Du Stadt, du arme, wirst zugleich in Grund gestürzt,
Wenn meinen Worten kein Gehör im Volke wird.
Das Beste war wohl dieses, wenn aus Dedipus'
Geschlechte Niemand Bürger ward noch Herr im Land,
875
Da sie, von Wahnsinn trunken, ihm Verderben drohn.
Nun, weil das Bise mächtiger als das Gute war,
Bleibt, unsre Stadt zu retten, nur Ein Mittel noch.
Doch, nennt' ich dieses, wurd' ich selbst nicht sicher sein,
Und Trauer bråcht' es jenen, die das Schicksal trifft,
880
Der Rettung Mittel darzuleihn dem Vaterland:
Drum geh' ich; lebt wohl! Muß es sein, ich Einer will,
Was kommt, mit Vielen tragen: denn was soll ich thun?
So hdre denn, was meine Götterorakel euch
zu thun gebieten, daß ihr rettet Kadmos' Stadt.
900
Du sollst Mendkeus, deinen Sohn, für's Vaterland
Dem Tode weihen: selber rufst du dein Geschick.
Was schweigst du, Kreon, was verstummt lautlos dein Mund?
Auch mich erschreckt nicht minder, was der Seher sprach.
Dem Vater nahm ich glucklich alle Furcht, ihr Fraun,
Tauscht' ihn mit Worten, meinen Wunsch erreicht zu sehn;
980
Er treibt hinaus mich, opfert auf des Landes Heil,
Und gibt der Feigheit mich dahin: wohl mag man dies
Verzeihn dem Greise; nicht verzeihlich war es mir,.
Mein Ahnenland zu verrathen, das mir Leben gab.
So wisset also: retten geh' ich meine Stadt,
985
Und opfre mich dem Tode für der Våter Land.
Wie schändlich! Andre Bürger, die kein Seherspruch
Unlösbar bindet, noch ein Schluß der Götter zwingt,
Stehn mit den Schilden, zagen vor dem Tode nicht,
Vor unsern Burgen schirmend Heerd und Vaterland;
990
Ich aber fldh' als Feiger aus dem Land hinaus,
Den Vater und den Bruder und der Våter Stadt
Verrathend! Wo ich lebte, wurd' ich schlecht genannt.
Nein, bei dem Zeus der Sterne, bei dem Schlachtengott,
Der einst die Drachensdhne, die der Erde Schooß
995
Gebar, zu Herrschern dieses Landes aufgestellt!
Ich gehe; dort die hohen Burgbastein hinab
Will ich durchbohrt mich stürzen in die distre Kluft
Des Drachen, wo der Seher uns die Ståtte wies,
Und mein Geburtsland retten. Fest ist mein Entschluß.
1000
Ich geh', in meinem Tode kein gemeines Gut
Dem Land zu bieten: aus der Noth erlos' ich es!
Ja, wollte, was er Gutes hat in seiner Hand,
Ein Jeder üben und dem allgemeinen Wohl
Zum Opfer weihn: dann tråfe mindres Ungemach
1005
Fortan die Staaten, immer glucklich wåren sie.
(ab.) Strophe.