Euripides Iphigenia in Tauris 123-235

ed. Gilbert Murray

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Iphigenia in Tauris. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

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Current edition Perseus

Ἰφιγένεια ἐν Ταύροις (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962))

Translations (3)
Iphigenia Among the Tauri Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 123-235 focus
Iphigenia in Tauris (OCR draft) Experimental (Iphigenia in Tauris. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 123 focus
Du Volk am Eureinos, das du die zwei
Sich begegnenden Felsanhdhen umwohnst: 1
O Geborene Leto's,
125
Bergliebende Jågerin,
Zu dem Vorhof deines Palastes
(Sie gehen ab.)
Mit der Säulen Geprång' und den Zinnen von Gold
Sez' ich den heiligen jungfräulichen Fuß,
Dienend der heiligen Schlusselbewahrerin, 2
130
Nachdem ich die Thurm' und die Mauern 3
Roßreicher Gefild' und Europa, den Siz,
Den unsere Våter bewohnten,
Voll prangender Bäume, verlassen.
Hier sind wir; was gibt's? Was bekümmert dich so?
135
Was riefest du mich zu dem Tempel daher,
Du Tochter des Manns, der Ilions Höhn
Mit den Rudern genaht in gefeiertem Zug,
Mit der Schiff Unzahl und von Kriegern umschaart,
Den gefeierten Söhnen Achaa's? 4
140
Ihr Sclavinnen, weh! Wie ward ich verstrickt
In unausweinbares Weinen,
In den Mislaut jammernder Klage,
Unholdes Gesangs,
Ach, ach, in dem Leide des Hauses,
145
Daß mich solch schweres Geschick traf,
Da den Bruder ich weint' in einsamem Gram!
Welch schreckendes Traumbild wies mir die Nacht,
Die nun mit dem Dunkel dahinschwand!
Ich verging, ich verging; mein våterlich Haus
150
Ist nicht mehr, (wehe!) dahin mein Geschlecht!
Weh' über die Leiden in Argos!
Ach, ungluckseliger Damon, der
Du den Bruder mir raubst und den einzigen mir
In den Hades entrückst! Ich bereite mich, ihm
155
Trankopfer zu weihn, und der Todten Pokal
Auf den Rücken der Erde zu gießen,
Und die Quellen von bergliebenden Rindern, 5
Und den heiligen Trank des Lydos,
Und das Werk hellschwirrender Bienen,
160
Was Sühnungen sind für die Todten.
So reiche das goldne Gefäß denn
Und die Spenden mir dar für den Hades!
Du, wohnend in Nacht, Agamemnons Kind,
Ich opfere dir, dem Geschiedenen, dies;
165
O empfang' es mit Gunst; ich kann auf das Grab
Nicht bräunliches Haar, nicht Thränen dir weihn. 6
Denn ich ward in die Ferne von deinem Gebiet
Und von meinem entruckt, wo, wie man gewähnt,
Ich Arme geschlachtet dahinsank.
170
Ein Lied, antwortend dem Liede, Gesang
In barbarischem Ton, asiatischem Klang,
O Gebieterin, heb' ich dir an, 7
Die Gesänge der Trauer in Liedern,
Wie Hades ohne des Paans Laut
175
Anstimmt, den Entschlafnen geweiht. 8
Weh' über den Stamm der Atreiden! Das Licht 9
Einheimischer Zepter erloschen,
Und dahin dein Vatergeschlecht!
Bei welchem der glucklichen Herrscher
180
In Argos' Lande begann's?
Drangsal stürmt' her auf Drangsal,
Da mit kreisendem Flügelgespanne,
Sein heiliges Aug' abwendend, der Gott
Die durchmessenen Bahnen zuruckfloh. 10
185
Und zum anderen Leid kam anderes Leid 11
Um das goldene Lamm in der Herrscher Palast,
Mord auf Mord und Mühn auf Mühen.
Drum schreitet ihr Haus durch råchend der Geist
Der erschlagenen Tantalossöhne,
190
Und es stürzt in unheilbringendem Sturz
Sich ein Damon auf dich.
Mir grollt' er finster von Anfang,
Seitdem sich vermählte die Mutter,
Und seit der Nacht, da des Schicksals 12
195
Göttinnen das Loos strengbildender Zucht
In den werdenden Faden mir spannen,
Mir altestem Sprossen des Ehbetts, die
Leda's ungluckliche Tochter
Zum Morde dem frevelnden Vater,
200
Als grausenerregendes Opfer,
Gebar, erzog; da der Rosse Gespann
Das erkorene Mädchen im Wagen
Zu dem aulischen Sande dahintrug,
Als Braut, als ungluckselige Braut
205
Dem erhabenen Enkel des Nereus.
Nun Gast ungastlicher Meere bewohn' ich die uneinladende
Wildniß,
Ohne Kind und Gatten, ohne Freund und Heimat,
Ich, einst von hellenischen Freiern umschwärmt;
Nicht Argos' Hera besing' ich hier,
210
Noch wirk' ich der attischen Pallas Bild
Und titanischen Kampf auf buntes Gewand
Am lieblich ertönenden Webstuhl, nein,
Ich råthe den Grund der Altåre
Mit der Fremdlinge graunvoll blutigem Mord,
215
Die mit klåglichem Ton ausjammern ihr Leid,
Und in klåglichen Thränen zerfließen.
Doch nun sei dieses vergessen: um ihn,
Ich jammer' um ihn, der in Argos erlag,
Um den Bruder ja nur, ach, den ich daheim
220
Noch als såugendes Kind, noch als junges Gewächs,
In dem Arm und am Busen der Mutter verließ,
Mykend's. Herrscher, Orestes. Ein Hirt. Iphigenia. Der Chor.