Euripides Iphigenia in Tauris 1-122

ed. Gilbert Murray

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Iphigenia in Tauris. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

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Current edition Perseus

Ἰφιγένεια ἐν Ταύροις (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962))

Translations (3)
Iphigenia Among the Tauri Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 1-120 focus
Iphigenia in Tauris (OCR draft) Experimental (Iphigenia in Tauris. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1 focus
Pelops, der Tantalide, kam in Pisa's Aun 1 2 3
1
Mit schnellen Rossen, und gewann Hippodame;
Sie ward des Atreus Mutter: Atreus' Sohne sind
Menelaos und Agamemnon; dieser zeugte mich,
Der Tyndaride Tochter, Iphigenia,
5
Die bei den Strudeln, wo mit endlos düsterm Hauch
Euripos krauselnd ewig thurmt die blaue Flut, 4
Der Vater wegen Helena's der Artemis,
So glaubt man, opfert' in Aulis' hochberühmter Bucht.
Dort war es, wo der tausend Schiffe Zug vordem
10
Aus Hellas' Reich Fürst Agamemnon sammelte,
Damit des Sieges schönen Kranz vor Ilion
Das Volk Achaa's sich erkampf und Helena's
Entehrtes Lager råche nach Menelaos' Wunsch.
Doch als in grauser Stille rings verstummt der Wind, 5
15
Da bringt er Opfer, und vor ihm spricht Kalchas dies:
,,Du, der gebeut hier über Hellas' Heeresmacht,
Agamemnon, eher segelt dir kein Schiff hinaus,
Als Artemis zum Opfer Iphigenia,
Dein Kind, empfangen; denn die schönste Frucht des Jahrs
20
Gelobtest du der Strahlengsttin einst zu weihn.
Und nun gebar im Hause Klytamnestra dir
Die Tochter: (also gab er mir der Schöne Preis;)
Sie mußt du schlachten." Und Odysseus' Trug entriß
Zum Bund mit Peleus' Sohne mich der Mutter Arm.
25
Und als ich kam gen Aulis, ward (ich Elende!)
Auf hohem Holzstoß über mir der Stahl gezuckt:
Doch mich entraffte Leto's Kind, an meiner Statt
Die Hindin sendend, durch des Aethers lichten Raum,
Und ließ mich hier im Taurerlande nieder, wo
30
Barbarenhorden ein Barbar Geseze schreibt,
Der, Flügeln gleich, die raschen Füße schwingt, und dem
Den Namen Thoas seine Schnelligkeit verlieh. 6
In diesem Tempel sezt er mich als Priesterin,
Hier, wo sich Gottin Artemis der Bräuche freut
35
Des Festes, welches schon allein von Namen ist;
Vom Andern schweig' ich, scheuend sie, die Göttliche.
Denn opfern muß ich, nach der Stadt uraltem Brauch,
Wer aus Achda's Volke dieses Land betritt.
Doch weih' ich nur das Opfer; Andre dann vollziehn 7
40
Die grause Schlachtung innerhalb des Heiligthums.
Welch neues Traumbild aber mir die Nacht gesandt,
Zum Aether will ich's rufen, bringt das Hülfe mir.
Mir träumte, daß ich, fern' entrückt von diesem Land,
Daheim in Argos unter meinen Fraun entschlief;
45
Der Erde Rücken unter mir erbebt', ich floh;
Und außen stehend, sah ich, wie des Hauses Sims
Einfiel, und alle Decken, ringsher eingestürzt,
Aus hohen Pfeilern auf den Grund hinschmetterten.
Nur Eine Säule blieb zuruck (so dunkte mir)
50
Des Vaterhauses; blondes Haupthaar floß hinab
Vom Knauf der Säule, die mit Menschenstimme sprach.
Ich, meinem Amt obliegend, das die Fremden würgt,
Ich wusch die Saul', als müßte diese sterben, rein,
Und weinte laut. Dies Traumgebilde deut' ich ſo:
55
Es starb Orestes, und ich weiht' als Opfer ihn.
Denn Säulen unsrer Häuser sind die Söhne ja,
Und Tod erdulden Alle, die mein Bad besprengt.
Auf Freunde deuten kann ich doch nicht wohl den Traum;
Denn Strophios hatte keinen Sohn, als ich verschwand.
60
So will ich nun dem Bruder Todtenopfer weihn,
Die Lebende dem Geschiednen, dies vermag ich ja,
Mit Dienerinnen, die der Fürst uns beigesellt,
Hellenenfrauen. Aber was hålt diese wohl
Noch immer ferne? - Geh' ich denn in's Haus hinein, 8
65
In dem ich wohne, meiner Göttin Heiligthum.
Orestes und Pylades,
vom Meere her kommend.
(ab.)
Schau, sich dich vor, Freund, ob kein Mensch am Wege weilt.
Ich kam, gehorsam deinem Wort, in dieses Land,
Das unbekannte, wilde. Doch - dich frag' ich nun,
Mein Pylades: (du theilst ja diese Noth mit mir)
Was machen wir? Du siehst der Mauern ragende
95
Befestigungen. Suchen wir die Tempelwand
Hinanzuklimmen? Wie vermochten wir's geheim?
So sprengen wir mit Hebeln eherne Riegel ein?
Hier, wo wir fremd sind? Aber öffnen wir das Thor,
Versuchen Einbruch, und ergreift man uns, so droht
100
Gewisser Tod uns. Eh wir sterben, fliehen wir
Zum Schiffe lieber, das uns trug an diesen Strand.