Euripides Electra 880-1145

Edward P. Coleridge (Translator)

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Electra. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1891.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Electra (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.))

Editions (1)
Ἠλέκτρα Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962)) — 880-1146 focus
Translations (2)
Electra (OCR draft) Experimental (Electra. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 880 focus
Siegreicher Sohn des Helden, der den Sieg gewann
Im Kampf um Troja's stolze Stadt, Orestes, nimm,
Nimm diesen Kranz, der deine Locken schmucken soll!
870
Denn auf der Rennbahn rangst du nicht in eitlem Kampf,
Nein, kommst zuruck, nachdem du deinen Feind erlegt,
Aegisthos, der den Vater dir und mir erschlug.
Auch du, des frommsten Mannes Kind, o Pylades,
Der ihm zur Seite kämpfte, nimm aus meiner Hand
875
Den Kranz: du hast im Kampfe gleiches Theil mit ihm
Errungen. Mög' ich allezeit euch glucklich sehn!
Wohl! Wo beginn' ich meine Klagen wider dich?
895
Wo end' ich? Was soll meiner Rede Mittel sein?
Und doch versäumt' ich, wann der Morgen graute, nie,
Bei mir zu sinnen, was ich Aug' in Auge dir
Erklären wollte, wurd' ich frei der vorigen
Drangsal. Ich bin's jezt, und du hörst im Tode nun
900
Das Arge, das du lebend nicht von mir gehört.
Du warest mein Verderben, raubtest mir und ihm
Den Vater, und wir hatten dir kein Leid gethan.
Und mit der Mutter buhltest du, (o Schmach!) erschlugst
Achaa's Feldherrn, der du nie nach Troja zogst.
905
Ia, was der Thorheit Gipfel war, du hofftest kühn,
Treu werde Klytamnestra dir als Gattin sein,
Nachdem du meines Vaters Bett entheiligtest.
Doch Jeder wisse, der ein fremdes Weib berückt
Zu loser Buhlschaft, und sie dann gezwungen nimmt,
910
Unglucklich ist er, wenn er wähnt, sie werde Zucht
Bei ihm bewahren, die sie früher nicht bewahrt.
Du lebtest elend, wähntest du dich glucklich auch:
Denn, traun, du wußtest, wie verrucht die Gattin war,
Und meine Mutter, welch ein Mann ihr Gatte sei.
915
So nahmt ihr, ruchlos beide, würd'gen Lohn dahin :
Sie ward durch dich unglucklich, du durch ihre Schuld.
In Argos' Volke hieß es überall von dir:
Der Mann gehorcht dem Weibe, nicht das Weib dem Mann.
Und wahrlich, schmachvoll ist es, wenn im Haus das Weib,
920
Und nicht der Mann gebietet. Jene Kinder auch
Sind mir zuwider, die man nicht dem Manne nach,
Dem Vater, sondern nach dem Stamm der Mutter nennt.
Denn so der Mann sich einem edlern Weib vermählt,
Wird seiner gar nicht, und allein der Frau gedacht.
925
Am schlimmsten aber tauschte dich Unkundigen
Der Wahn der Größe, weil du reich an Schazen warst.
Das ist ja nichtig, das verweilt nur kurz bei uns.
Nicht Schaze, nur ein großer, edler Sinn besteht:
Denn er allein bleibt ewig, er besiegt das Leid;
930
Doch ungerechter Reichthum, der dem Thoren ward,
Fliegt weg vom Hause, wann er kurze Zeit geblüht.
Von andern Frau'n (denn einer Jungfrau ziemt es hier
zu schweigen) deut' ich's kennbar an in dunklem Wort:
Stolz blåhtest du dich als des Königshauses Herr,
935
Auf deine Schönheit trozend; doch mein Gatte sei
Begabt mit Mannessinne, nicht mit Mädchenreiz!
Denn Söhne solcher Männer gluh'n von Kriegesmuth;
Die schonen Knaben sind ein Schmuck für Reigen nur.
Fahr' hin, du Thor: als solcher wurdest du zulezt
940
Erkannt und büßtest! Måge, wer so frevelte,
Wenn auch der Rennbahn erster Gang vollendet ward,
Sich nicht den Sieger wähnen, eh' er nahe sich
Dem Ziel geschwungen und des Lebens End' erreicht!
Er übte schwere Thaten, schwer auch bust' er dir
945
Und deinem Bruder: denn des Rechtes Macht ist groß.
O Beherrscherin du des Argeiergebiets,
Tyndareos' Kind
Und Schwester der tapferen Söhne des Zeus,
Die wohnen im Licht, in atherischer Glut,
Von Gestirnen umstrahlt, in der wogenden See
980
Als Retter der Menschen gefeiert:
Heil dir! Wie die Seligen, ehren wir dich
Um des Reichthums Glanz, um die Fülle des Glücks:
Denn jezt, o Gebieterin, ist ja die Zeit,
Zu huldigen deinem Geschicke.
985
Klytamnestra, umgeben von troischen Dienerinnen. Elektra.
Verlaßt den Wagen, Troërfrau'n, und meine Hand
. Ergreift, damit ich steigen kann vom Wagensiz.
Mit Phrygerbeute sind die Götterwohnungen
Geschmuckt, und mir ward diese Schaar erles'ner Fraun
Von Troja statt des Kindes, das ich einst verlor, 1
990
Zwar eine kleine Gabe, doch des Hauses Schmuck.
Wohl sind die Weiber thöricht, ich bestreit' es nicht;
Wenn solcher Thorin Gatte nun der Sunde fröhnt
Und seine Frau verachtet, will's das Weib dem Mann
1025
Nachthun und sieht nach einem andern Freund sich um.
Der laute Tadel brustet sich sofort an uns;
Die Männer, die Schuld haben, trifft der Tadel nicht.
Doch, führten Räuber ingeheim Menelaos fort,
Durst' ich Orestes todten, um der Schwester Mann,
1030
Menelaos, auszulösen? Ließ dein Vater dies
Geschehn? Doch er wohl durfte freveln wider mich,
Und ich ihm nicht vergelten, der mein Kind erschlug?
Ich tödtet' ihn: wohin zu gehen war, den Weg
Zu seinen Feinden schlug ich ein; denn welcher Freund
1035
Des Vaters håtte seinen Mord mit mir getheilt?
Nun sage, was du sagen willst, entgegne frei,
Daß euer Vater ohne Recht gemordet ward.
So red' ich; und mit diesem Vorwort heb' ich an:
O meine Mutter, wohnt' in dir ein bess'rer Sinn!
Zwar Helena's und deine Schönheit ward für euch
1050
Verdienten Lobes Quelle; doch ihr waret zwei
Geschwister, beide thöricht und nicht Kastors werth!
Sie ward entführt und schiffte wohlgemuth davon:
Du gabest Hellas' bestem Mann den Todesstoß,
Vorwendend, für die Tochter müsse dein Gemahl
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Dir bluten. Denn nicht Jeder weiß so gut als ich: 3
Wie du, bevor man deines Kindes Tod beschloß,
Als eben sich von Hause dein Gemahl entfernt,
Die blonden Locken vor dem Spiegel ordnetest.
Doch wenn die Gattin, ist der Mann vom Hause fern,
1060
Sich puzt und schonmacht, zähle sie den Schlimmen zu.
Denn draußen braucht sie keineswegs ein reizendes
Gesicht zu zeigen, wenn sie nicht auf Böses sinnt.
Von allen Frau'n in Hellas weiß ich dich allein,
Die, wenn es Troja glucklich ging, voll Freude war,
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Und deren Blick sich trübte, wenn es unterlag;
Denn deines Gatten Wiederkehr verwunschtest du.
Und Sittsamkeit zu wahren, war dir doch so leicht.
Nicht schlechter als Aegisthos, traun, war dein Gemahl,
Den Hellas sich zu seinem Feldherrn auserkor;
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Und da die Schwester Helena solch Arges that,
So blühte dir ein hoher Ruhm: denn båse That
Ist edlem Sinn ein Zeichen, dessen Wink' er folgt.
Doch wenn der Vater, wie du sagst, dein Kind erschlug:
Was that denn ich dir Leides, was mein Bruder dir?
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Was hast du nach des Gatten Tod das Vaterhaus
Nicht uns gegeben, sondern einen Buhlen dir
Dafür erhandelt, seine Hand um Lohn erkauft?
Und nicht entfloh statt deines Sohnes dein Gemahl,
Auch starb er nicht statt meiner, der mir lebenden
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Zwiesachen Tod gab, schlimmern als der Schwester Tod.
Soll Mord den Mord vergelten, muß dein Sohn und ich
Vereint, den Vater råchend, dich dem Tode weihn.
Denn war das Eine billig, ist auch dies gerecht.
Ja, wer auf Reichthum oder hohen Stand erpicht,
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Die Bose freit, ist thoricht; denn ein züchtig Weib
Aus niederm Haus ist einer Edeln vorzuziehn.
Im Reich der Ehen spielt das Gluck: wir sehen ja,
Dem fällt ein selig Liebesloos, dem andern nicht.