Siegreicher Sohn des Helden, der den Sieg gewann
Im Kampf um Troja's stolze Stadt, Orestes, nimm,
Nimm diesen Kranz, der deine Locken schmucken soll!
870
Denn auf der Rennbahn rangst du nicht in eitlem Kampf,
Nein, kommst zuruck, nachdem du deinen Feind erlegt,
Aegisthos, der den Vater dir und mir erschlug.
Auch du, des frommsten Mannes Kind, o Pylades,
Der ihm zur Seite kämpfte, nimm aus meiner Hand
875
Den Kranz: du hast im Kampfe gleiches Theil mit ihm
Errungen. Mög' ich allezeit euch glucklich sehn!
Orestes.
Zuerst, Elektra, glaube mir: die Götter sind
Urheber dieses Glückes; dann auch preise mich,
Der seinen Arm den Göttern und dem Glucke lieh.
880
Ich kampste nicht mit Worten, nein, durch meine That
Erlag Aegisthos: und damit ich's Allen klar
Vor Augen stelle, bring' ich dir den Todten selbst.
Wirf ihn zum Kaube, wenn du willst, den Thieren hin,
Hang' ihn am Pfahle schwebend auf, dem Luftgeschlecht
885
Zum Mahl, den Vögeln: ist er doch dein Sklave nun,
Der dein Gebieter ehedem geheißen war!
Elektra.
Ich muß erröthen, (aber doch erklar' ich mich) -
Orestes.
Wovor? O rede! Denn befürchten darfst du nichts.
Elektra.
Auf Todte Schmach zu häufen: Haß war' unser Lohn.
890
Orestes.
Hier gibt es Niemand, der dich darum schelten wird.
Elektra.
Reizbar, zu Tadel aufgelegt ist unser Volk.
Orestes.
Sprich, was du willst, o Schwester; unversöhnliche
Feindschaft, ein ewig bittrer Haß trennt ihn und uns.
(zu der Leiche tretend)
Elektra.
Electra. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .