Euripides Electra 1-110

Edward P. Coleridge (Translator)

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Electra. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1891.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Electra (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.))

Editions (1)
Ἠλέκτρα Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962)) — 1-111 focus
Translations (2)
Electra (OCR draft) Experimental (Electra. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1 focus
O graue Burg von Argos, Strom des Inachos, 1 2 3
1
Von wo mit tausend Masten einst in's Troërland,
Dem Schlachtengotte folgend, Agamemnon kam!
Nachdem er Troja's Herrscher dort, den Priamos,
Erschlug und Ilos' stolze Stadt eroberte: 4
5
Da zog er heim in dieses Argosland und hing
Zahlreich an hohen Tempeln auf den Phrygerraub.
Dort war er glucklich; aber hier, am eignen Herd,
Erlag er Klytamnestra's, seines Weibes, Trug,
Erschlug Aegisthos meuchlings ihn, Thyestes' Sohn.
10
So ging er unter, so verlor er Tantalos'
Uralten Scepter, und Vegisthos herrscht im Land,
Der Tochter Tyndars, Agamemnons Weib, vermählt.
Doch, die, nach Troja schiffend, er zu Hause ließ,
Orestes und Elektra's holde Blüthe war's
15
Orestes, den Aegisthos todten will, entrückt
Des Vaters greiser Pfleger ingeheim und gibt
In Phokis' Land ihn aufzuziehn dem Strophios.
Elektra, die im Vaterhause blieb daheim, -
Nach ihr verlangten, als der Jugend Blüthezeit
20
Sie schmuckte, werbend Hellas' erste Junglinge.
Doch fürchtend, Sohne möchten einst aus ihrem Schooß
Erstehn des Vaters Nacher, hielt Aegisthos sie 5
Zu Haus, und keinen Bräutigam verband er ihr.
Ja, weil ihn auch die Sorge quålt, sie könnte wohl
25
Geheim gebåren einem Mann von edler Art,
Beschließt er sie zu tödten: doch da rettet sie
Die Mutter, sonst so grausam, aus Aegisthos' Hand.
Denn einen Vorwand hatte sie beim Gattenmord; 6
Doch Haß erweck' ihr, sorgte sie, des Kindes Tod.
30
Hierauf ersann Aegisthos dieses Andere:
Gold bot er aus zum Lohne, wer Oresten ihm,
Der aus dem Lande fluchtig ward, ermordete;
Elektren aber gibt er mir zum Weibe, mir,
Der aus myken'scher Våter Blut entsprossen ist.
35
Wohl achtet dieser wegen mich Niemand gering;
Denn hohen Standes bin ich, zwar an Gutern arm,
Und freilich dadurch schwindet auch des Adels Glanz.
Er dachte, nur vor einem schwachen Feinde sich
Vorsehn zu müssen, gåb' er sie dem schwachen Mann.
40
Denn wäre sie des angeseh'nen Mannes Weib,
So weckt' er Agamemnons Blut vom Schlummer auf,
Und seiner Frevel Strafe tråf' Aegisthos' Haupt.
Ich habe niemals (Aphrodita zeuge mir's!)
Berührt die Jungfrau: reines Mädchen ist sie noch.
45
Erröthen mußt' ich, wenn ich edler Männer Kind
Mißbrauchen wollte, dessen ich nicht wurdig bin.
Nur ihn beklag' ich, welcher mir verschwågert heißt,
Den Schmerzenssohn Orestes, wenn er, heimgekehrt,
Der Schwester ungluckvollen Bund dereinst erblickt.
50
Doch wer mich einen Thoren schilt, daß ich in's Haus
Ein junges Weib nahm, das ich nicht berühren will,
Der wisse, daß er nach verkehrtem Wahne nur
Die Tugend mißt und selber gleiches Sinnes ist.
Elektra tritt aus dem Hause mit einer Wasserurne auf dem Kopfe. Der Landmann.
Mein Pylades, vor allen Menschen acht' ich dich
Als meinen Gastfreund, der mir hold und eigen blieb:
Allein von allen Freunden warst du mir getreu
85
Im Leide, das Vegisthos über mich gebracht,
Der mir den Vater im Verein mit ihr erschlug,
Der frevlen Mutter. Aus Apollons Heiligthum
Erschein' ich (Niemand weiß darum) auf Argos' Grund,
Daß mir die Mörder büßen für des Vaters Mord.
90
Ich ging zu meines Vaters Grab in dieser Nacht,
Und weiht' ihm Thränen, schnitt ihm ab von meinem Haar,
Und auf der Grabstatt opfert' ich des Lammes Blut,
Dem Herrn verborgen, welcher hier im Land gebeut.
Indeß in Argos' Mauern sez' ich nicht den Fuß.
95
Auf zwei Gedanken hingewandt, betrat ich hier
Des Landes Granzen: daß ich schnell in andres Land
Die Schritte lenke, falls ein Spåher mich erkennt,
Und meine Schwester suche: (denn sie sei vermählt, 10
Sei nicht im Vaterhause mehr, behauptet man;)
100
Sie will ich sprechen und dem Mord als Helferin
Gesellen und erfahren, wie's in Argos steht.
Jezt (Eos hebt ihr lichtes Flammenaug' empor)
Laß uns zur Seite lenken hier von diesem Pfad.
Vielleicht ein Pflüger oder auch ein dienend Weib
105
Wird uns erscheinen, welche wohl uns sagen kann,
Ob meine Schwester heimisch ist an diesem Ort.
Doch hier ja seh' ich eben eine Dienerin:
Sie trågt die Flut des Quelles auf geschor'nem Haupt 11
Daher. So laß uns niedersizen und von ihr
110
Erforschen, ob uns Kunde wird, mein Pylades,
Der Dinge, die uns hergeführt in dieses Land.
(Sie treten in ein nahes Gebusch. Elektra kommt mit der Wasserurne vom Brunnen zurück.) Strophe.