Euripides Electra 1

Johann Jakob Christian Donner (Translator)

O graue Burg von Argos, Strom des Inachos, 1 2 3
1
Von wo mit tausend Masten einst in's Troërland,
Dem Schlachtengotte folgend, Agamemnon kam!
Nachdem er Troja's Herrscher dort, den Priamos,
Erschlug und Ilos' stolze Stadt eroberte: 4
5
Da zog er heim in dieses Argosland und hing
Zahlreich an hohen Tempeln auf den Phrygerraub.
Dort war er glucklich; aber hier, am eignen Herd,
Erlag er Klytamnestra's, seines Weibes, Trug,
Erschlug Aegisthos meuchlings ihn, Thyestes' Sohn.
10
So ging er unter, so verlor er Tantalos'
Uralten Scepter, und Vegisthos herrscht im Land,
Der Tochter Tyndars, Agamemnons Weib, vermählt.
Doch, die, nach Troja schiffend, er zu Hause ließ,
Orestes und Elektra's holde Blüthe war's
15
Orestes, den Aegisthos todten will, entrückt
Des Vaters greiser Pfleger ingeheim und gibt
In Phokis' Land ihn aufzuziehn dem Strophios.
Elektra, die im Vaterhause blieb daheim, -
Nach ihr verlangten, als der Jugend Blüthezeit
20
Sie schmuckte, werbend Hellas' erste Junglinge.
Doch fürchtend, Sohne möchten einst aus ihrem Schooß
Erstehn des Vaters Nacher, hielt Aegisthos sie 5
Zu Haus, und keinen Bräutigam verband er ihr.
Ja, weil ihn auch die Sorge quålt, sie könnte wohl
25
Geheim gebåren einem Mann von edler Art,
Beschließt er sie zu tödten: doch da rettet sie
Die Mutter, sonst so grausam, aus Aegisthos' Hand.
Denn einen Vorwand hatte sie beim Gattenmord; 6
Doch Haß erweck' ihr, sorgte sie, des Kindes Tod.
30
Hierauf ersann Aegisthos dieses Andere:
Gold bot er aus zum Lohne, wer Oresten ihm,
Der aus dem Lande fluchtig ward, ermordete;
Elektren aber gibt er mir zum Weibe, mir,
Der aus myken'scher Våter Blut entsprossen ist.
35
Wohl achtet dieser wegen mich Niemand gering;
Denn hohen Standes bin ich, zwar an Gutern arm,
Und freilich dadurch schwindet auch des Adels Glanz.
Er dachte, nur vor einem schwachen Feinde sich
Vorsehn zu müssen, gåb' er sie dem schwachen Mann.
40
Denn wäre sie des angeseh'nen Mannes Weib,
So weckt' er Agamemnons Blut vom Schlummer auf,
Und seiner Frevel Strafe tråf' Aegisthos' Haupt.
Ich habe niemals (Aphrodita zeuge mir's!)
Berührt die Jungfrau: reines Mädchen ist sie noch.
45
Erröthen mußt' ich, wenn ich edler Männer Kind
Mißbrauchen wollte, dessen ich nicht wurdig bin.
Nur ihn beklag' ich, welcher mir verschwågert heißt,
Den Schmerzenssohn Orestes, wenn er, heimgekehrt,
Der Schwester ungluckvollen Bund dereinst erblickt.
50

Electra. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .

Current edition Experimental

German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) (German) (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.)

Provisional text from uncorrected OCR; expect errors.

Editions (1)
Ἠλέκτρα Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962)) — 1-111 focus
Translations (2)
Electra Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 1-110 focus
Electra (OCR draft) Experimental (Electra. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

No corresponding passage available

Notes on the current edition

Electra

1. [OCR note; compare the printed page.] Inachos, ein Fluß bei Argos. Compare printed p. 191
2. OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notes
4. [OCR note; compare the printed page.] Ilos, ein alter König Troja's, von dem Ilion den Namen hat. Ueber ihn, so wie über das trojische Königsgeschlecht überhaupt, s. Homer Il. 20, 215-240. Compare printed p. 191
5. [OCR note; compare the printed page.] Ε. ποινάτορας τῦ πατρός. Compare printed p. 191
6. [OCR note; compare the printed page.] Klytämnestra glaubte sich wegen der Ermordung Agamemnons ges rechtfertigt, weil er unter dem Vorwande, seine Tochter Iphigenia mit Achilleus vermählen zu wollen, diese samt der Mutter nach Aulis gelockt und dann geopfert hatte. Compare printed p. 191