Ihr Söhne Kronions, dürfen auch wir
1270
Uns euch zum Gespräche gesellen?
Kastor.
Wohl; seid ihr ja doch nicht schuldig des Mords.
Orestes.
Und gönnt ihr auch mir, Tyndariden, ein Wort?
Kastor.
Auch dir; denn ich wålze die blutige That
Dem Apollon zu.
1275
Der Chor.
Da Götter ihr seid und die Brüder der Frau,
Der gemordeten hier,
Was wehrtet ihr nicht von dem Hause die Noth?
Kastor.
Dies Leiden erschuf der Verhängnisse Macht
1
Und der thörichte Spruch aus Apollons Mund.
1280
Elektra.
Doch welcher Apoll, welch göttliches Wort
Trieb mich zu dem Mord der Gebårerin an?
Kastor.
Gleich thatet ihr, gleich war euer Geschick:
Euch beide verdarb
Ein gemeinsamer Fluch der Erzeuger.
1285
Orestes.
Ach, Schwester, ich fand dich so spåt und muß
Gleich deinen Umarmungen wieder entfliehn,
Muß scheiden von dir, du scheidest von mir!
Kastor.
Ihr ward ein Gemahl und ein Haus: sie trifft
Kein trauriges Loos, nur daß sie die Stadt
1290
Der Argeier verlåßt.
Orestes.
Wo gibt es ein Leid, das schmerzlicher ist,
Als heimischen Stammlands Marken zu fliehn?
So scheid' ich von dir, mein våterlich Haus,
Daß ein fremdes Gericht für die blutige Schuld,
1295
An der Mutter verübt, mir spreche den Spruch.
Kastor.
Du kommst in Athene's heilige Stadt:
Drum trag' es getrost!
Elektra.
Electra. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .