Doch - ist es richtig, oder nur ein leer Gerücht -
Kreusa.
Was willst du wissen? Gerne gonn' ich dir die Zeit.
Jon.
Daß einst Erechtheus deine Schwestern opferte?
1
275
Kreusa.
Er gab entschlossen für das Land die Töchter hin.
Jon.
Nur du von deinen Schwestern kamst davon, und wie?
Kreusa.
Ich lag, ein neugebornes Kind, im Mutterarm.
Jon.
Barg deinen Vater wirklich dann ein Erdenschlund?
Kreusa.
Mit seines Dreizacks Schlagen tilgt Poseidon ihn.
2
280
Jon.
Und Makrå heißt die Ståtte, wo dein Vater starb?
Kreusa.
Was fragst du dies? Erinnerungen weckst du mir
Jon.
Sie liebt Apollon, Phobos' Bliz liebt diesen Ort.
3
Kreusa.
Er liebt, er liebt ihn? Daß ich ihn doch nie gesehn!
4
Jon.
Wie? Kannst du hassen, was dem Gott sein Liebstes ist?
285
Kreusa.
Nein; einen Frevel weiß ich, in der Kluft verübt.
Jon.
Doch welcher Athender, Frau, war dein Gemahl?
Kreusa.
Kein Bürger; Fremdling, kam er her aus fernem Land.
Jon.
Wer ist es? Edel muß er wohl geboren sein.
Kreusa.
Der Aeolide Xuthos, der Zeus' Enkel war.
290
Jon.
Wie ward der Fremdling dein Gemahl, der Bürgerin?
Kreusa.
Eubda lehnt sich nachbarlich an Attika
Jon.
Durch Wasserscheiden, sagen sie, von ihm getrennt.
Kreusa.
Im Bund mit Kekrops' Enkeln nahm er dieses Land.
Jon.
Ihr treuer Helfer, und erhielt dann deine Hand?
295
Kreusa.
Als Kriegesmitgift, als des Kampfes Ehrensold.
Jon.
Du kamst allein her, oder in des Gatten Hut?
Kreusa.
Mit ihm: Trophonios' Heiligthum, besucht er noch.
5
Jon.
Nur um zu schauen? Oder wunscht er einen Spruch?
Kreusa.
Von ihm und Phobos will er Eins erkundigen.
300
Jon.
Um Kinder kommt ihr oder um des Feldes Frucht?
Kreusa.
Vereint in langer Ehe, sind wir kinderlos.
Jo.
So hast du nie geboren, warst nie Mutter, Frau?
Apollon weiß um meine Kinderlosigkeit.
Jon.
Unsel'ge, sonst so glucklich, doch nicht glucklich hier!
305
Kreusa.
Ion. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .