Ach! Heiß aus meinen Augen stromt die Zahre mir,
Gedenk' ich dessen, wie die Mutter mich, die Frucht
Verborgner Liebe, heimlich ausgesezt, verkauft,
Und nicht die Brust mir reichte, daß ich namenlos
1350
Ein dienstbar Leben führte hier im Gotteshaus!
Des Gottes Nath ist heilsam, nur das Schicksal spielt
Grausam mit uns; denn während ich im Mutterarm
Mich wiegend schwelgen sollte, mich des Lebens freun,
War mir der Mutter süße Lieb' und Pflege fern.
1355
Unglucklich auch die Mutter, daß sie gleiches Leid
Erlitt: des Sohnes durfte sie sich nicht erfreun!
Plun nehm' ich dieses Körbchen, will's dem Gotte weihn,
Um nie zu finden, was ich nicht gern finden mag.
Denn bin ich einer Sclavin Sohn: viel besser dann,
1360
Die Mutter schweigend lassen, als sie wiedersehn!
O Phobos, deinem Tempel will ich dieses weihn.
Doch was beginn' ich? Kampf' ich nicht des Gottes Huld
Entgegen, der die Mutterspuren mir bewahrt?
Geoffnet muß es werden: sei's muthvoll gewagt!
1365
Denn meinem Schicksal mag ich doch niemals entfliehn.
1
Ihr heil'gen Kranze, was verbergt ihr euch vor mir,
Ihr Bånder, die bewahrten, was mein Liebstes ist?
Sich da den Umkreis dieses schongeflochtnen Korbs:
Ein Götterschicksal, daß er nicht gealtert ist!
1370
Kein Kost bedeckt die Flechten, da doch lange Zeit
Entschwunden, seit das Körbchen diesen Schaz bewahrt!
Kreusa.
Ion. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .