Weh, weh!
Zu Hülf ihr alle, die dem Hause nahe sind!
Theseus' Gemahlinn, unsre Frau erhenkte sich.
Chor.
Es ist gescheh'n, ach! unsre Königinn dahin!
Sie schlang um ihren Nacken sich das Todesband.
770
Diener.
Ihr eilet nicht, holt nicht ein doppelschneidig Schwert,
Und trennt von ihrem Halse gleich die Schlinge los?
Erster Halbchor.
Was thun wir, Frauen? Dringen wir in's Haus hinein,
Sie loszumachen aus dem festgezognen Strang?
Zweiter Halb chor.
Wie? Sind im Haus nicht junge Dienerinnen schon?
775
Gefährlich ist es, sich um Alzuvieles mühn.
Ein Diener (im Palaste).
Reckt aus die Todte, richtet auf das arme Weib!
Das ist ein bittrer Liebesdienst für meinen Herrn.
Chor.
Dahin (wir hdren's) ist die Unglückselige;
Bereits als eine Todte wird sie ausgestreckt.
780
Theseus.
Ihr Frauen, wißt ihr, welcher Lärm im Hause schaut ?
Der Diener schwere Klage drang zum Dhre mir.
Mich als Drakelbringer hålt nicht werth das Haus,
Mir seine Pforten freudiggrüßend aufzuthun.
Ist doch des Pittheus Alter nicht ein Leid geschehn?
785
Zwar vorgeruckt ist seine Zeit; doch wird' es uns
Noch immer schmerzen, wenn er schied' aus diesem Haus.
Chor.
Nicht nach des Greises Haupte zielt dir das Geschick,
Theseus! Betrüben werden Junggestorbne dich.
Theseus.
Weh! Ward der Kinder Leben mir doch nicht geraubt?
790
Chor.
Sie leben, dir zum Schmerze, da die Mutter starb.
Theseus.
Wie sagst du? Meine Gattinn starb? Durch welches Loos?
Chor.
Die Todesschlinge wand sie selbst um ihren Hals.
Theseus.
Erstarrt in Trauer? Oder wie begab es sich?
-Chor.
Nur dieses weiß ich: eben kam auch ich daher
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Zum Hause, Theseus, und bejammre dein Geschick.
Was kränzen Lorbeerzweige doch die Schlafe mir,
Der, ach, zu boser Stunde kam von Delphis Haus?
Die Pfortenriegel schließet mir, o Diener, auf,
Und lost die Fugen, daß ich mein unselig Weib
800
Erblicke, welches sterbend mich vernichtete!
Chor.
Hippolytus. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .