In welches Ungluck, Armer, wurdest du verstrickt!
Vernichtet hat dich deines Herzens edler Sinn.
Ha!
Hippolytos.
Götterhauch des Duftes! Unter Schmerzen auch
Erkannt' ich deine Nähe, fühl erleichtert mich.
Wohl weilt die Göttinn Artemis in diesem Raum.
1370
Artemis.
Sie ist es, Armer, deine liebste Göttinn ist's.
Hippolytos.
Herrinn, siehst du, wie's mit mir Bedrängten geht?
Artemis.
Ich seh' es; doch der Göttinn ziemt die Thrane nicht.
1
Hippolytos.
Dein Jagdgenoß, dein treuer Diener ist dahin.
Artemis.
Dahin; jedoch du scheidest, vielgeliebt von mir.
1375
Hippolytos.
Dein Rosselenker, deiner Gottesbilder Schuz.
Artemis.
Die schlaue Kypris hat es ausgesonnen so.
Hippolytos.
Weh mir! Die Göttinn kenn' ich, die mich mordete.
Artemis.
Die Ehre mir misginnend, zurnt sie, Keuscher, dir.
Hippolytos.
Mir ahnt: die Eine bracht' uns drei'n den Untergang.
1380
Artemis.
Dem Vater, dir, und einer Dritten, seinem Weib.
Hippolytos.
So klag' ich denn auch über meines Vaters Leid.
Artemis.
Durch dieser Göttinn Rånke ward sein Sinn berückt.
Hippolytos.
Ach armer Vater, daß du dieses Leid erfuhrst!
Theseus.
Ich bin dahin, Kind! Nimmer reizt das Leben mich.
1385
Hippolytos.
Ob deines Irrthums seuss' ich mehr um dich als mich.
Theseus.
konnt' ich todt an deiner Stelle sein, o Kind!
Hippolytos.
Ha, Bittres gab dein Vater Poseidaon dir!
Theseus.
war' es nie gekommen über meinen Mund!
Hippolytos.
Wie? Mich gemordet hatt'st du doch; so zurntest du.
1390
Theseus.
Die Götter hatten also mir den Sinn berückt.
Hippolytos.
Ddaß den Göttern fluchen könnt' ein Sterblicher! .81
Artemis.
Laß dieses! Auch im dunkeln Erdenschooße nicht
Hat ungericht die eifersuchtig grollende
Kythere schmetternd sich gestürzt auf deinen Leib
1395
Dem lautern Herzen, deiner Frömmigkeit zum Lohn.
Denn einen Andern, der von allen Männern ihr
Der liebste sein mag, werd' ich ihr mit meiner Hand,
Mit diesen_sichern Pfeilgeschossen züchtigen.
Doch dich, o Armer, werd' ich für dein traurig Loos
1400
Mit höchsten Ehren im Gebiet Trozenia's
Verklären; denn die Braute weih'n ihr Lockenhaar
Dir vor dem Hochzeitseste lange Zeit hindurch,
Und Thränen großer Trauer sind dein Lohn dereinst.
2
Stets wird der Jungfrau hochbegeistert Lied von dir
1405
Erschallen, niemals namenlos vergessen sein.
Die Liebe Phådra's, welche dein, Verderben ward.
Hippolytus. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .