Du nimm in deinen Armen auf den Sohn, o Kind
Des alten Aegeus, und umfange liebend ihn;
Du gabst ihm unbewußt den Tod, und sündigen
1410
Muß, wenn's die Gottheit also fügt, der Sterbliche.
Und dich ermahn' ich, hasse deinen Vater nicht;
Du weißt die Schickung, die dich sturzt, Hippolytos:
Und lebe wohl mir; keinen Todten darf ich seh'n,
Durch Todesrocheln nicht das Aug' entheiligen,
1415
Und diesem Uebel nahe schon gewahr' ich dich.
Hippolytos
Dr.Segensjungfrau, lebe wohl auch du, und geh,
Und lose sanft den langen trauten Seelenbund.
Die Schuld des Vaters tilg' ich, weil du's also willst;
Denn auch zuvor gehorcht' ich deinen Worten, stets. 0411
1420
Weh, schon umwallet Dunkelheit das Auge mire
Fasse mich, o Vater, und erhebe meinen Leib.fff
Theseus.
Weh, wehe, Kind! Was thust du mir Unglücklichen?
Hippolytos.
Ich bin verloren, sehe schon der Todten Thor.
Theseus.
Du låssest meine Seele so befleckt zuruck?
1425
Hippolytos.
Nein, nein; ich spreche dich ja frei von diesem Mord.
Theseus.
Wie sagst du? Schuldlos sprichst du mich des Blutvergehns?
Hippolytos.
Ich schwör' es bei der bogenstolzen Artemis.
Theseus.
Wie edel, Theurer, zeigst du deinem Vater dich!
Hippolytos.
Nun lebe wohl, o Vater, vielmals lebe wohl!
1430
Theseus. :
weh mir! Welche Frömmigkeit, welch edles Herz!
Solch achte Kinder wünsche dir durch Götterhuld!
Theseus.
Verlaß mich jekt nicht, harre muthig aus, o Kinb!
Hippolytos.
Ich hielt, o Vater, muthig aus und sterbe nun:
Geschwind verhulle meine Gesicht in's Todtentuch!
1435
(er stirbt.)
Theseus.
Ihr Thürm' Athens und Pallas hochberûhmte Burg,
Entrissen wird euch - welch ein Mann! Ich Elender!
Noch oft gedenken, Kypris, werd' ich deiner That.
Chor.
Hippolytus. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .