Euripides Heracleidae 381-607

ed. Gilbert Murray

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Heracleidae. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1902.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

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Current edition Perseus

Ἡρακλεῖδαι (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.)

Translations (3)
Heracleidae Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.) — 381-605 focus
The Heraclidae (OCR draft) Experimental (The Heraclidae. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 381 focus
Was nahst du mir mit traurigernstem Blick, o Sohn?
Du willst vom Feinde Neues uns verkündigen?
Verzieht er, oder ist er da? Was hortest du?
Denn daß ein Herold luge, furcht' ich nimmermehr.
380
Mykene's Herrscher, der vordem so glucklich war, 1
Kommt, sicher weiß ich's, kommt heran in schwerem Zorn,
Sich auf Athen zu stürzen. Aber Zeus bestraft
Den allzufrechen Uebermuth der Sterblichen.
Kinder, Schiffern gleichen wir, die, wann sie kaum
Des Sturmes wildemporter Wuth entronnen sind,
Dem Lande nahe treiben; doch vom User stößt
425
Sie Windestosen wiederum in's Meer zurück.
So müssen wir auch wiederum von hinnen fliehn,
Die schon am Ufer waren als Gerettete.
Warum, o Hoffnung, schmeichelst du mir erst und willst
Nicht deine Gunst vollenden, Unglückselige?
430
Verzeihen muß man's Diesem wohl, wenn seinem Volk
Er nicht die Töchter morden will: auch eurer Stadt
Wohlwollen lob' ich; ordnen mir ein solches Loos
Die Götter, traun, ist euer Dank euch nicht dahin.
Für euch, o Kinder, weiß ich nur nicht Hülfe mehr.
435
Wohin uns wenden? Welcher Gott ward nicht bekränzt? 6
Zu welcher Ståtte flohen wir auf Erden nicht?
Wir, Kinder, werden untergehn; uns stoßt man aus. 7
Zwar mich bekummert's nimmer, wenn ich sterben muß,
Falls etwa meine Feinde nicht mein Tod erfreut.
440
Nur euch bewein' ich, Kinder, euch bejammer' ich,
Des Vaters greise Mutter, wie beklag' ich sie!
Alkmena, weh dir, daß du lebst die lange Zeit!
Und wehe mir auch, der so viel fruchtlos gekämpft!
So mußten wir denn, mußten, ach! in Feindes Hand
445
Schmachvoll verstrickt, in Schande klåglich endigen !
Doch thue mir noch Eines: denn nicht völlig schwand
Mein Hoffen, Rettung könne noch für diese blühn.
Mich übergib an Argos statt der Kinder, Herr,
Und stürze dich in keinen Kampf, ich rette sie:
450
Mein Leben lieben darf ich nicht; es fahre hin!
Auch trachtet Argos' König wohl vor Allen mich,
Herakles' treuen Waffenknecht, der Schmach zu weihn;
Denn thöricht ist er. Lieber wünscht ein Weiser sich
Feindschaft mit Weisen, als mit thöricht rohem Sinn;
455
Denn auch das Ungluck achtet er voll edler Scheu. 8
Daß ich heraustrat, scheltet nicht Verwegenheit,
470
O Freunde; dieses bitt' ich mir vor Allem aus.
Denn eine Frau ziert Schweigen, ziert Bescheidenheit
Am schönsten, und im Hause harrend still zu sein.
Nur weil ich deine Klagen hört', erschien ich hier,
Jolaos, nicht als Sprecherin für mein Geschlecht.
475
Wohl wår' ich dazu tüchtig; denn schwer kummert mich
Das Loos der Brüder, und um meinetwillen selbst
Verlangt es mich zu hören, ob zur alten Noth
Ein neues Leid gekommen, das dein Herz betrübt.
Doch hoff' ich auch nicht, daß ich fortan glucklich sei,
Wenn diese todt sind und ich selbst gerettet bin.
Denn Mancher schon, dies hoffend, gab die Freunde preis.
Wer wird ein hülflos Mädchen sich zum Weib ersehn?
Wer wird sich Kinder wunschen, die mein Schooß gebar?
520
Drum will ich lieber frühen Tod als unverdient
Dies Loos erdulden. Einer Andern auch geziemt
Das besser, die nicht hohen Stammes ist wie ich.
O führt mich hin, wo sterben möge dieser Leib!
Bekränzt mich, weiht zum Opfer mich, wenn's euch gefällt;
525
Und dann besiegt die Feinde: denn dies Leben gibt
Sich ohne Strauben willig hin; laut sag' ich es:
Für meine Brüder leid' ich und für mich den Tod.
Ich liebe nicht das Leben und so fand ich ja
Der Wege schonsten, ruhmlich aus der Welt zu gehn.
530
Das wird, o Jungfrau, wird geschehn, Ungluckliche;
Auch mir ja wår' es Schande, nicht zu schmucken dich
Für Vieles, für den hohen Muth, der dich beseelt,
Und deinen Rechtsinn; denn die großgesinnteste
565
Von allen Frauen hat in dir mein Aug' erkannt.
Doch, drångt es dich, den Brüdern und dem Greise noch
Etwas zu sagen: geh' und sprich dein leztes Wort!