Euripides Medea 446-626

ed. Gilbert Murray

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Medea. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1902.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by Tufts University.

Current edition Perseus

Μήδεια (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.)

Translations (3)
Medea Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.) — 446-625 focus
Medea (OCR draft) Experimental (Medea. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 446 focus
Nicht heute hab' ich's erst erkannt, nein ofter schon:
440
Ein unbezwingbar Uebel ist der wilde Zorn.
Dir war verstattet, hier zu sein in Land und Haus,
Ertrugst du fågsam, was gebot der Stärkere;
Um eitler Worte willen mußt du ziehen nun.
Zwar mich bekummern diese nicht; sag' immerhin,
445
Dhn' aufzuhören, Jason sei der schlimmste Mann:
Doch halte dich für glucklich, nur mit Bann und Acht
Zu büßen, was du schmähtest auf die Könige.
Stets abzuwehren trachtet ich der zürnenden
Gebieter Ingrimm, wünschte, daß du bleibest hier;
450
Doch låssest du von deiner Thorheit nicht, und sagst
Vom König allzeit Uebles; drum verbannt er euch.
Gleichwohl entzieh' ich nun auch nicht den Freunden mich,
Und komme, Frau, für euer Wohlergehn besorgt,
Damit du samt den Kindern nicht vermogenslos
455
Und hülfsbedürftig fliehen mußt; (Verbannung führt
Viel Boses mit sich;) denn verabscheust du mich auch,
Doch nie vermocht' ich übel dir gesinnt zu sein.
Hin ist des Eides Treue: traun, du glaubtest wohl,
485
Die Götter, die sonst herrschten, herrschen nimmermehr,
Und neue Sazung gelte bei den Menschen izt,
Da dir bewußt ist, daß du mir die Treue brachst.
Ach, diese Rechte, die du oft ergriffen hast,
Ach, diese Kniee, wie vergebens hat er uns 1
490
Befleckt, der Frevler, und getäuscht die Hoffnungen!
Wohlan! So wie zum Freunde, red' ich nun zu dir.
Ein bessres Loos zwar hoff ich nimmermehr von euch;
Doch frag' ich, weil du schlechter dann erscheinen wirst.
Wohin mich wenden soll ich jezt? In des Vaters Haus,
495
Zum Vaterlande, das ich dir verrieth und floh ?
Zu Pelias' armen Tochtern? Schon empfingen die
An ihrem Herd mich, deren Vater ich entseelt.
Wohl ist es also: meines Hauses Freunde sind
Mir gram, und andre, welchen ich verpflichtet war,
500
Verrieth ich dir zuliebe, daß sie Feinde sind.
Für solche Wohlthat hast du mich vor vielen Fraun
Beglückt in Hellas: einen wunderwürdigen
Und treuen Gatten hab' ich Unglückselige,
Wenn ich vertrieben aus dem Lande fliehen muß,
505
Freundlos, verlassen mit verlassnen Kindern, ha!
Ein feiner Ruhm dem neuvermählten Bräutigam,
Ich, die dich rettet', und die Sohn' im Bettlerkleid!
Warum verliehst du, großer Zeus, uns sichere
Merkmale, daß uns falsches Gold nicht täuschen kann,
510
Und drücktest kein Kennzeichen auf dem Menschenleib,
An dem man unterscheiden mag den schlechten Mann?
Kein schlechter Redner muß ich sein, bedünkt es mir,
515
Nein, wie des Schiffes vielgewandter Steuermann,
Mit hochgespanntem Segel wohlbedacht, o Weib,
Entfliehn vor deiner frechen Zung' Unbändigkeit.
Zu prahlend rühmst du deine Gunst, erfahre denn:
Ich meine, Kypris war allein von Göttern und
520
Von Menschen meine Retterinn auf meiner Fahrt.
Dir ward ein Geist voll Schårse; doch gehässig klingt
Dir meine Rede, sag' ich, daß dich Eros nur
Mit unentfliehbarn Pfeilen, mich zu retten, zwang.
Doch allzustreng erortern mag ich dieses nicht:
525
In welcher Art du halfest, immer war es gut.
Nun aber hast du Großres, als du mir gewährt,
Von mir empfangen, wie ich dir beweisen will.
Vorerst in Hellas wohnst du, statt in traurigen
Barbarenländern, lerntest Recht und Sitte hier,
530
Nicht hoher achten, als Gesez, die rohe Kraft:
Auch kennen all' in Hellas dich als weise Frau,
Und Ruhm gewannst du; wohntest du am fernsten Saum
Der Erde, würde nie von dir die Rede sein.
Ich wunschte nimmer Goldesglanz im Hause mir,
535
Noch mocht' ich Orpheus übertreffen im Gesang,
Wenn nicht der Ruhm auch mein Geschick verherrlichte.
So viel erwiedr' ich über meine Thaten dir;
Denn du begannest diesen Kampf der Worte ja.
Doch weil du meine Königsbraut mir vorgerückt;
540
So werd' ich zeigen, erstens, daß ich weise that,
Dann, daß ich zuchtig, daß ich dir wohlwollend mich
Erwies und meinen Kindern: hdre ruhig nur.
Nachdem ich hierher wandernd kam aus Jolkos' Land,
Vielfach in hoffnungsloses Ungemach verstrickt:
545
Welch größres ungeahntes Glück erlangt ich wohl,
Als eines Königs Kind zu frein, ich Flüchtiger?
Nicht dir entfremdet, wie du mich beschuldigest,
Auch nicht von Sehnsucht um die neue Braut entflammt,
Nech lústern, viele Kinder mir zu zeugen noch;
550
Denn die ich habe, sind genug, ich liebe sie:
Nein, was das Großte, daß wir wohl in Ehren hier
Und ohne Mangel lebten; denn ich wußte wohl,
Daß jeder Freund dem armen aus dem Wege geht:
Die Sohne wollt' ich würdig meines Stamms erziehn,
555
Und Brüder deinen Kindern zugesellen, gleich
Die beiden pflegen, und den Stamm vereinigend,
Des Glückes froh sein. Was bedarfst du Kinder noch?
Ich aber möchte durch die Ungeborenen
Den schon Gebornen nüzen; mein' ich's also schlimm?
560
Du sagtest das nicht, grolltest du nicht meiner Braut.
Doch also seid ihr Frauen: wenn der Ehe Bund
Durch Nichts getrübt wird, fühlt ihr euch vollkommen wohl;
Wenn dann ein Unfall euer Gluck zu stören droht,
Gilt euch das Beste, Schönste, für das Feindlichste.
565
Nachkommen schaffen sollten sich auf anderm Weg
Die Menschen, nicht mehr sollte sein der Fraun Geschlecht;
So tråfe niemals Ungemach die Sterblichen.
• Du håttest mir bei dieser Sache schon gedient,
Entdeckt' ich dir die Ehe, du, die nun sogar
Den witden Groll des Herzens nicht bezwingen mag!