Auch du ja trauerst, hast an meinem Leide Theil.
Medeia.
Gewiß, es list den Kummer, lachst du meiner nicht.
1335
Jason.
Kinder, daß euch Mutter ward die Frevlerinn!
Medeia.
Sohne, daß ihr untergingt durch Vatersschuld!
Jason.
Doch meine Hand nicht war es, die sie mordete.
Medeia.
Dein neuer Ehbund aber und dein Uebermuth.
Jason.
Und war es, sie zu tödten, auch die Ehe werth?
1340
Medeia.
Dem Weibe, meinst du, dünke das geringe Schmach ?
Jason.
Der weisen Frau wohl; aber dir ist Alles schlimm.
Medeia.
Sie leben nicht mehr; dieses macht dir bittern Schmerz.
Jason.
Sie leben, weh! sind råchend über deinem Haupt.
Medeia.
Die Götter wissen, wer des Leids Urheber war.
1345
Jason.
Sie wissen wohl auch deinen abscheuwerthen Sinn.
Medeia.
Ich hasse dich; dein bittres Wort ist mir verhaßt.
Jason.
Und mir das deine; leicht ja wird das Scheiden sein.
Medeia.
Wie? Was beginn' ich? Scheiden ist auch mir erwunscht.
Jason.
Die Todten laß mich klagen und beerdigen.
1350
Medeia.
Mit nichten: ich bestatte sie mit dieser Hand
Im Hain der Hera, welche hier die Burg bewohnt,
Daß nicht der Widersacher einer sie beschimpft,
Ihr Grab verwüstend: hier im Land des Sisyphos
Gedenk ich Opferweihen und ein hohes Fest
1355
Fortan zu stiften, Sühne für den grausen Mord.
Nun aber eil' ich nach der Erechtheiden Land,
Und wohne bei Pandions edlem Sohne dort.
Du stirbst, ein Boser, bose, wie du wohl verdient,
Anschauend unsrer Ehe jammervolles Ziel.
1360
Jason.
Medea. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .